EU-Ausschuss stimmt gegen neue Arbeitszeitregeln für Piloten

30.09.2013 - 17:26 0 Kommentare

Der Verkehrsausschuss im Europaparlament hat den Vorschlag der EU-Kommission zur Neuregelung der Flugdienstzeiten für Verkehrspiloten und Kabinenpersonal zurückgewiesen. Das letzte Wort hat nun das Plenum des Parlaments.

First Officer in einer Boeing 777

First Officer in einer Boeing 777
© AirTeamImages.com - Bailey

Flugpersonal demonstriert am 22.01.2013 auf dem Flughafen in Frankfurt am Main.

Flugpersonal demonstriert am 22.01.2013 auf dem Flughafen in Frankfurt am Main.
© dpa - Fredrik von Erichsen

Vorschläge der EU-Kommission zu neuen Flugdienstzeiten für Verkehrspiloten und Kabinenpersonal drohen am Europaparlament zu scheitern. Der Verkehrsausschuss in Brüssel votierte am heutigen Montag mit 20 zu 13 Stimmen dagegen. Vor der Abstimmung hatten sich Piloten erneut gegen die Neuregelungen positioniert. Nun ist das Plenum des Parlaments am Zug. Falls auch dies die Gesetzesänderung ablehnt, ist der Vorschlag der Kommission gescheitert.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) begrüßte die Entscheidung des Verkehrsausschusses. Das Gremium habe demonstriert, dass Sicherheit vor monetäre Interessen gestellt werden kann und muss, so VC-Präsident Ilja Schulz. "Somit hat der Verkehrsausschuss in vorbildlicher Weise die Interessen der europäischen Bürger vertreten.“ Die Pilotenvereinigung - die die Flugsicherheit gefährdet sieht - hofft nun, dass das gesamte Europaparlament dieser Sichtweise folgen wird. Die Abstimmung werde noch vor dem 25. Oktober stattfinden.

Airline-Verbände hoffen auf Zustimmung

Die Luftfahrt-Verbände AEA (Association of European Airlines) und ERA (European Regions Airline Association) hoffen hingegen, dass das Parlament den Neuregelungen doch noch zustimmt. Sie halten die vorgeschlagenen Flugdienstzeiten für sicher, hieß es in einer Stellungnahme weiter. Die beiden Verbände hatten den Pilotengewerkschaften bereits zu Jahresbeginn das gezielte "Streuen von Falschinformationen" vorgeworfen. Damals demonstrierten Piloten und Flugbegleiter europaweit gegen eine geplante Neuregelung.

EU-Verkehrskommissar Siim Kallas bewertete die heutige Abstimmung als Rückschlag für die Flugsicherheit. «Diese Abstimmung gefährdet Schlüsselmaßnahmen zur Verbesserung der Flugsicherheit», teilte er mit. Die Debatte dürfe nicht auf Grundlage von «irreführenden Schreckgeschichten und falscher Behauptungen» geführt werden.

Die EU-weit geplante Harmonisierung von Flugdienst- und Ruhezeiten-Regelungen hatte erst im Juli eine Hürde genommen. Die Delegierten der Mitgliedsländer im EASA-Komitee der EU-Kommission votierten mit großer Mehrheit für einen entsprechenden Entwurf der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die Niederlande und Österreich hatten gegen den Vorschlag gestimmt.

EU-Kommission weist Befürchtungen zurück

Die VC warnt ebenso wie der europäische Dachverband Eurocockpit vor Übermüdung am Steuerknüppel nach langen Wachperioden von bis zu 22 Stunden. Die EU-Kommission weist diese Befürchtungen zurück: Bei Nachtbereitschaften zu Hause könnten die Piloten schlafen. Den neuen Vorschlägen zufolge würde laut EU-Kommission für die Bereitschaftszeit am Flughafen und die anschließende Arbeitszeit am Steuer eines Flugzeuges zusammen genommen eine Obergrenze von 16 Stunden gelten. Bei Nachtbereitschaften außerhalb des Flughafens sollten Piloten schlafen, deshalb käme es nicht zu Wachperioden von 22 Stunden.

Für die deutschen Piloten würden die anvisierten Regelungen keine Verschlechterung darstellen: Am Tag beträgt die maximale Zeit für Flüge inklusive Vor- und Nacharbeiten derzeit in Deutschland 14 Stunden, im Ausnahmefall auch 15 Stunden. Nachts liegt die Zeitgrenze bei elf, im Ausnahmefall bei elf Stunden und 45 Minuten. Die EU-Kommission schlägt maximal 14 Stunden als Einsatzzeit für den Tag und elf Stunden für die Nacht vor. Zudem will sie die Fluggesellschaften zwingen, ein so genanntes "Fatigue Risk Management System" einzuführen, bei dem der Dienstplan jedes Besatzungsmitglieds individuell auf Übermüdungsrisiken hin überprüft werden muss.

Die Pilotenverbände begrüßen diesen Fakt, drängen allerdings auf ein Maximum von zehn Stunden für Nachtflüge - danach komme es zu Übermüdung. Laut einer Umfrage der britischen Pilotenvereinigung Balpa aus der vergangenen Woche ist jeder zweite britische Pilot bereits einmal im Cockpit eingeschlafen.

Von: dpa, airliners.de
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