Etwas "bombig" zu finden, macht Passagiere nicht verdächtig

02.05.2019 - 16:23 0 Kommentare

Zwei Urteile haben die Fluggastrechte in Deutschland gestärkt: Am Check-In-Schalter darf nicht jedes Wörtchen auf die Goldwaage gelegt werden und wenn der Flug viel Verspätung hat, müssen Fluggäste über ihre Rechte aufgeklärt werden.

Ein Passagier packt sein Gepäck am Flughafen um. - © © dpa - Christin Klose

Ein Passagier packt sein Gepäck am Flughafen um. © dpa /Christin Klose

Die Vorfreude auf einen "bombigen Urlaub" reicht nicht, um einen Reisenden von seinem Flug auszuschließen. Das hat das Düsseldorfer Amtsgericht entschieden und einem Reisenden aus Bosau (Schleswig-Holstein) Anspruch auf gut 1400 Euro Entschädigung zugesprochen Az: 42 C 310/18, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte.

Eurowings hatte den Passagier in Düsseldorf stehen lassen, weil dieser beim Check-in auf die Frage nach dem Reisezweck geantwortet hatte, er wolle einen "bombigen Urlaub" haben. Obwohl der Mann, der einen Flug nach Fort Myers in Florida antreten wollte, noch mehrfach beteuerte, "bombig" im Sinne von "toll" gemeint zu haben, durfte er nicht mitfliegen.

Offen blieb, ob die Airline Rücksprache mit den US-Behörden gehalten hatte. Denn auch wenn das Gericht der Ansicht war, dass die Flughafenangestellten die Formulierung richtig hätten verstehen müssen und daher kein Recht hatten, die Beförderung zu verweigern, zeigten sich Beatme an US-Flughäfen schon in der Vergangenheit bei ähnlichen Äußerungen wenig zimperlich und ließen Passagiere nicht mitfliegen. Zum Prozess war kein Vertreter von Eurowings erschienen.

Airlines müssen Passagiere über ihre Rechte im Verspätungsfall aufklären

In einem weiteren Urteil hat der Bundesgerichtshof die Rechte von Flugpassagieren gestärkt: Airlines müssen neben einer Entschädigung auch die Anwaltskosten zahlen, wenn sie von einer Verspätung betroffene Passagiere nicht umfassend über ihre Rechte aufklären. Das entschied der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. (Az: X ZR 24/18)

Flugpassagieren steht nach EU-Recht eine Ausgleichszahlung zu, wenn ihr Flug am Zielort mehr als drei Stunden verspätet war oder sogar ganz annulliert wurde. 2016 hatte der BGH bereits entschieden, dass Flugpassagiere entsprechende Ansprüche selbst geltend machen müssen, wenn sie von der Fluggesellschaft ausreichend darüber informiert wurden.

© Brützel, Lesen Sie auch: Fluggastrechte fördern Konsolidierung Aviation Management

In dem entschiedenen Fall hatte eine Kundin von Tuifly geltend gemacht, sie habe keine Informationen bekommen - die Fluggesellschaft widersprach dem nicht. Daher standen der Kundin nicht nur die von der Fluggesellschaft letztlich anerkannten Ausgleichsansprüche zu, sie durfte sich zudem auch einen Anwalt nehmen, entschied der BGH. Tuifly muss dafür die Kosten in Höhe von 148 Euro tragen.

Zur Begründung verwiesen die Karlsruher Richter auf die Pflicht der Fluggesellschaften, jeden betroffenen Fluggast "vollständig und klar darüber zu unterrichten, unter welchen Voraussetzungen, in welcher Höhe und gegen welches Unternehmen er einen Ausgleichsanspruch geltend machen kann". Die Information des Fluggastes müsse diesen in die Lage versetzen, seine Rechte effektiv (und ohne anwaltliche Hilfe) wahrnehmen zu können.

Von: dk, afp, dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Sun-Express-Chef Jens Bischof im Interview mit airliners.de "Ein großer Teil der Konsolidierung ist Rightsizing"

    Interview Sun-Express-Chef Jens Bischof spricht im airliners-de-Interview über die Eurowings-Langstrecke in Frankfurt, die Konsolidierung der Branche und warum er trotz der Germania-Lücken nicht an jedem Regionalflughafen Maschinen stationiert.

    Vom 12.04.2019
  • Ein Passagier wartet in der Abfertigungshalle des Flughafens München. Bundeskartellamt warnt vor Vergleichsportalen

    Vergleichsanbieter führen Verbraucher oft in die Irre. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung des Bundeskartellamts. Auch Flugvergleiche sind nicht immer transparent. Viele Portale gehören zudem den selben Anbietern.

    Vom 15.04.2019

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus