Etihad droht Klage wegen Air Berlin

07.05.2018 - 15:43 0 Kommentare

Etihad Airways steht offenbar wegen der Air-Berlin-Insolvenz eine Schadenersatzklage bevor - es könnte um Forderungen in Milliardenhöhe gehen. Laut einem Bericht soll die Finanzierung für den Prozess jetzt gesichert sein.

Etihad Airways war zu knapp 30 Prozent an Air Berlin beteiligt.  - © © dpa - Michael Kappeler

Etihad Airways war zu knapp 30 Prozent an Air Berlin beteiligt. © dpa /Michael Kappeler

Die Gläubiger der insolventen Air Berlin könnten schon bald Klage gegen Etihad Airways einreichen. Wie die "Bild am Sonntag" berichtete, sollen die Vorbereitungen für den Prozess deutliche Fortschritte machen.

So habe man mittlerweile für die Finanzierung des Gerichtsverfahrens Angebote von drei internationalen Investment-Fonds. Die Kosten belaufen sich demnach auf rund 20 Millionen Euro.

Ende Juli könnte Klage eingereicht werden

Zudem sei bereits entschieden, dass die Anwaltskanzlei Latham & Watkins mit dem Verfahren beauftragt werden soll. Die Klage könnte bei einem deutschen Gericht Ende Juli eingereicht werden. Der Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther und die Anwaltskanzlei wollten auf Nachfrage von airliners.de zu dem Bericht keinen Kommentar abgeben.

Schadenersatzansprüche gegen Etihad prüft Flöther bereits seit Ende 2017. Seit Januar drängten institutionelle Gläubiger darauf, Klage zu erheben, allerdings soll Flöther nach mehreren Gutachten die Aussichten zunächst für gering gehalten haben. Der Insolvenzverwalter strebe eher einen Vergleich mit dem Golf-Carrier an, weil Prozessrisiko hoch und ein Prozessfinanzierer schwer zu finden sei, wurde im März berichtet.

Etihad hatte Unterstützung zugesichert

Die Air-Berlin-Gläubiger wollen Etihad haftbar machen, weil die arabische Fluggesellschaft ihrer deutschen Beteiligung noch im April 2017 finanzielle Unterstützung für die kommenden 18 Monate zugesichert hatte. In einem "Letter of Support" gab Etihad-Chef James Hogan damals persönlich diese Versicherung ab. Doch im August 2017 drehte der Golf-Carrier Air Berlin unvermittelt den Geldhahn zu und verursachte so die Zahlungsunfähigkeit.

Für den entstandenen Schaden soll Etihad nach dem Willen der Gläubiger nun zur Kasse gebeten werden. Laut Berichten könnte es um Forderungen von bis zu zwei Milliarden Euro gehen.

© dpa, Sophia Kembowski Lesen Sie auch: Vielfliegerprogramm Topbonus vor dem Aus

Für die Gläubiger wäre eine erfolgreiche Klage gegen Etihad wohl die einzige Chance, einen nennenswerten Teil ihrer Forderungen zu erhalten. Bislang wird die Insolvenzmasse als so gering eingeschätzt, dass sogar der vorrangig zu bedienende Überbrückungskredit des Bundes in Höhe von 150 Millionen Euro wohl nur zur Hälfte zurückgezahlt werden kann.

Von: pra
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