Etihad schwenkt auf Schrumpfkurs

12.02.2018 - 17:07 0 Kommentare

Golf-Carrier auf Sparkurs: Nach dem Air-Berlin-Debakel verkleinert Etihad Airways ihre Flotte und verkauft bis zu 20 Jets. Auch das Streckennetz der ehemals "am schnellsten wachsenden Airline" wird ausgedünnt.

Passagiere checken am Flughafen Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) ein. - © © Jon Gambrell/AP/dpa -

Passagiere checken am Flughafen Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) ein. © Jon Gambrell/AP/dpa

Der Sanierungskurs bei Etihad Airways hat deutliche Folgen: Die arabische Airline verkleinert ihre Flotte. Hatte sie vor einem Jahr nach eigenen Angaben noch 122 Flugzeuge, so wird der Bestand nach Angaben des Portals ch-aviation.com in diesem Jahr auf 107 sinken.

Etihad wird unter anderem Langstrecken-Jets stilllegen, die bisher auf den Strecken in die USA eingesetzt wurden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, werden fünf Boeing 777-200LR nicht mehr benötigt. Denn der Golf-Carrier hat seine Flüge nach San Francisco beendet und wird die Route nach Dallas zum Ende des Winterflugplans aufgeben.

Laut Reuters könnten diese Maschinen schon bald verkauft werden. Auf Anfrage von airliners.de erklärte eine Etihad-Sprecherin jedoch, über die weitere Verwendung der 777-200LR sei noch nicht entschieden.

Die Entwicklung der Etihad-Flotte
Zahl der Flugzeuge
2006 22
2007 37
2008 42
2009 53
2010 57
2011 64
2012 70
2013 89
2014 110
2015 121
2016 119
2017 122
2018 107

Die Kurve zeigt die Entwicklung der Etihad-Flotte laut Unternehmensangaben. Für 2017 stammt die letzte offizielle Angabe aus dem Februar. Für 2018 beruht die Zahl auf den Angaben von ch-aviation. Quelle: Unternehmensangaben, ch-aviation

Weitere Abgänge in der Etihad-Flotte sind zehn Airbus A340, die bereits seit vergangenem Sommer aus dem Betrieb genommen wurden. Sie wurden jetzt an die Leasing-Gesellschaft European Aviation verkauft, wie das Unternehmen mitteilt.

Auch Frachter werden stillgelegt

Im Frachtbereich hat Etihad laut ch-aviation außerdem fünf A330-200 stillgelegt. Das Portal berichtete unter Verweis auf Unternehmensdokumente, dass die Airline ihre monatlichen Blockstunden bis September 2018 um sechs Prozent reduzieren werde. Diese Reduzierung solle bis März 2021 aufrechterhalten werden.

Allerdings stehen noch zahlreiche neue Jets zur Auslieferung an: Nach Unternehmensangaben aus dem vergangenen Jahr sollen bis 2025 insgesamt 175 Airbus- und Boeing-Maschinen in die Flotte kommen. Ob auch für dieses Jahr Auslieferungen anstehen, wollte das Unternehmen auf Anfrage von airliners.de bislang nicht mitteilen. Etihad erklärte lediglich, es sei "normale Praxis in der Airline-Branche, laufend den Flugzeugbedarf zu prüfen, und Änderungen an der Flotte vorzunehmen, falls nötig".

Das Streckennetz wird kleiner

Lange Zeit nannte sich Etihad "die am schnellsten wachsende Fluggesellschaft" der Welt, doch 2017 gab es kaum noch Wachstum: Die Zahl der Passagiere stieg nach Unternehmensangaben nur geringfügig von 18,5 auf 18,6 Millionen. Dieses Jahr dürfte sie sogar sinken, denn Etihad dünnt das Streckennetz aus: Neben den beiden US-Zielen werden etwa Teheran, Entebbe und Jaipur gestrichen. Wurden vor einem Jahr noch 112 Ziele angeflogen, sind es derzeit nur noch 101. Neue Strecken hat die Airline seit langem nicht mehr angekündigt.

© ADAC, Lesen Sie auch: Tony Douglas wird neuer Etihad-CEO

Etihad Airways schwenkte Ende 2016 auf einen massiven Sparkurs ein, nachdem die Expansion und die Aufkäufe der vorherigen Jahre offenbar zu viel Geld verschlungen hatten. Insbesondere die Beteiligungen bei Air Berlin und Alitalia waren kostspielig. Nach einem Jahresverlust von 1,6 Milliarden Euro zog der Abu-Dhabi-Carrier im vergangenen August bei Air Berlin die Notbremse und stellte alle finanziellen Unterstützungen ein.

Von: pra
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