Etihad plant offenbar Air-Berlin-Exit

29.05.2017 - 16:17 0 Kommentare

Die Neuorientierung Etihads erreicht wohl die nächste Stufe: Der Golfcarrier steht laut einem Medienbericht kurz davor, die Beteiligung an Air Berlin zum Verkauf freizugeben. Ein Zeichen Richtung Lufthansa?

Eine Air-Berlin-Maschine landet am Flughafen Berlin-Tegel. - © © dpa - Soeren Stache

Eine Air-Berlin-Maschine landet am Flughafen Berlin-Tegel. © dpa /Soeren Stache

Der arabische Air-Berlin-Großaktionär Etihad will sein Aktienpaket an der finanziell angeschlagenen deutschen Airline offenbar verkaufen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf nicht namentlich genannte Personen berichtet, stehe die Golfairline kurz davor, Finanzberater zu engagieren, die mit dem Verkauf des Anteils beauftragt werden sollen.

Etihad hält seit 2011 rund 29 Prozent der Anteile an Air Berlin. Den Anteil weist Air Berlin mit rund 32 Millionen Euro aus. Laut Finanzexperten ein Betrag, den ein Großinvestor ohne Probleme bezahlen könnte. Da die Verbindlichkeiten, die Air Berlin bei dem Golfcarrier hat, inzwischen in den Milliardenbereich angewachsen sind, wird es wohl sehr schwer für Etihad, einen Abnehmer zu finden, spekulieren Marktteilnehmer.

Hauptaktionäre der Air Berlin PLC
Anteile in Prozent
Etihad 29
ESAS Holding 12
Streubesitz
gemäß der
Deutschen Börse
59

Stand: Ende 2016 / Quelle: Unternehmensangaben

Luftfahrtexperte Steffen Wenzel von der Unternehmensberatung H&Z wertet den Schritt Etihads vor allem als strategischen Winkelzug: "Ich gehe ja in der Regel nicht aus einem Investment heraus, in das ich jahrelang Geld gesteckt habe." Seiner Meinung nach stellt sich für den Golf-Carrier längst nicht mehr die Frage, ob man Air Berlin fallen lässt, sondern: "Wie kann sich Etihad den Exit versilbern lassen? Welchen Wert hat Air Berlin überhaupt noch?"

"Druck auf Lufthansa wird erhöht"

Auf der einen Seite seien dies ganz klar die Landerechte an koordinierten deutschen Flughäfen "und damit eng zusammenhängend natürlich die Übernahme durch die Lufthansa". Die erneuten Ankündigungen von Lufthansa-Chef Carsten Spohr, die angeschlagene Konkurrentin übernehmen zu wollen, erfreue nicht nur die Politik, die mehrere Tausend Arbeitsplätze gesichert sehe, sondern "fordert auch die Verhandlungsstrategie der Scheichs" heraus, so Wenzel.

Diese würden Meldungen über einen Aktien-Ausstieg auch nutzen, um den Druck auf Lufthansa zu erhöhen - "schließlich schaut man sich ja nach einem anderen potenziellen Käufer um, anstatt direkt ein Angebot nach Frankfurt zu schicken".

© Andreas Wiese/Flughafen Düsseldorf, Quartalszahlen: Air Berlin rutscht immer tiefer ins Minus

Etihad hatte im Januar angekündigt, seine defizitären Europa-Beteiligungen auf den Prüfstand zu stellen. Der Hauptarchitekt der "Etihad Equity Partners", Airlinechef James Hogan, wird bald durch einen Interims-CEO ersetzt. Noch Ende April hatte der Golfcarrier Air Berlin jedoch einen weiteren Millionenkredit gewährt und der Airline die finanzielle Unterstützung bis Ende nächsten Jahres zugesichert. Nur deshalb kann Air Berlin noch weiter abheben.

Von: cs
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