Kommentar

Etihad, Air Berlin, Eurowings - Die Win-Win-Win-Situation

20.07.2016 - 12:16 0 Kommentare

Lufthansa spricht mit Etihad - und zwar über Air Berlin. Im skizzierten Szenario sieht airliners.de-Herausgeber David Haße eine Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Zum Leidwesen der Konkurrenz.

Flugbegleiter von Air Berlin und Etihad Airways stehen am 13.01.2014 im Air Berlin Hangar in Schönefeld. - © © dpa - Bernd Settnik

Flugbegleiter von Air Berlin und Etihad Airways stehen am 13.01.2014 im Air Berlin Hangar in Schönefeld. © dpa /Bernd Settnik

Übernimmt Lufthansa Teile der Air Berlin? Schon lange wird in der Branche darüber spekuliert - es gibt bestimmt 100 Szenarien. Nun scheint sich ein Szenario zu konkretisieren: Das "Handelsblatt" schreibt von einer Abspaltung des dezentralen Geschäfts und einer Eingliederung in die Eurowings.

Im Detail könnte das folgendermaßen aussehen: Air Berlin wird in zwei Bereiche zerschlagen. Ein Teil verbleibt im Etihad-Netzwerk und verbindet zukünftig nur noch die Air-Berlin-Langstrecken-Hubs Düsseldorf und Berlin mit interessanten Quellmärkten. Der andere Teil - immerhin bis zu 40 Flugzeuge - würden in eine Gesellschaft ausgelagert, die Lufthansa samt Crews und der Leasingverträge für Flugzeuge übernimmt.

© AirTeamImages.com, TT Lesen Sie auch: Lufthansa könnte Air-Berlin-Teile übernehmen

Ein interessantes Detail des Berichts ist übrigens die Aussage, Lufthansa würde nicht mit Air Berlin direkt, sondern mit Etihad verhandeln. Offiziell haben die Araber zwar nicht die Kontrolle über Air Berlin - das entspräche nicht den EU-Statuten. Aber dennoch: Im Kern geht es bei der Zukunftsgestaltung für Air Berlin darum, was Etihad für sinnvoll erachtet.

Eine echte Win-Win-Win-Situation

Und hier kommen wir im skizzierten Szenario zu einer interessanten Situation, die unter allen Beteiligten nur Gewinner kennt: Während Etihad die Komplexität der Air Berlin deutlich auf den eigenen Vorteil reduzieren könnte, würden nämlich auch die Lufthansa und nicht zuletzt die Air-Berlin-Mitarbeiter profitieren.

Neben dem schnellen Zugriff auf fliegendes Gerät samt Crews würde sich die Lufthansa mit dem Deal das Filetstück der Air Berlin sichern. Denn dem klassischen Air-Berlin-Geschäft wird zumindest nachgesagt, einer der wenigen wirklich profitablen Teile im aktuellen Konstrukt zu sein. Die Feriendestinationen und die innerdeutschen Routen würden zudem genau zur Eurowings passen.

Auf der anderen Seite hätte Etihad weiterhin ihren zentraleuropäischen Zubringer für die weltweiten Verbindungen über Abu Dhabi. Alles andere empfindet der Großaktionär ohnehin als Ballast. Last but not least würden somit sogar die Air-Berlin-Mitarbeiter profitieren. Es würde schließlich nichts übernommen, um es einzustampfen: Eurowings braucht die Flugzeuge und das Personal. Egal wie die Konditionen in der abzuspaltenden Teilgesellschaft dann wirklich aussehen - ein weiteres Air-Berlin-Siechtum bis zur Pleite wäre härter.

Die Konkurrenz kann klagen

Der Coup würde derweil auch die lauernde Konkurrenz überrumpeln. Ryanair wartet schon lange auf den Rückzug der zweitgrößten deutschen Airline. Es ist sogar offizielles Firmenziel der größten Lowcost-Airline Europas, Air Berlin hierzulande vom Markt zu verdrängen.

© dpa, EPA/Olivier Hoslet Lesen Sie auch: Ryanair-Chef: "Air Berlin und Eurowings stehen vor dem Aus"

Sollte es also wirklich zur Teilübernahme der Air Berlin durch die Lufthansa Group kommen, bliebe der Konkurrenz nur noch eins: Bei den Kartellbehörden klagen oder neue Pläne spinnen. Nur eines scheint aktuell gewiss: Die Konsolidierung in Europa hat gerade erst begonnen.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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