Etihad unterstützt Air Berlin bis Ende 2018

Etihad will seine Beteiligung Air Berlin bis November 2018 bei allen anfallenden Kosten unterstützen. Erst kürzlich überwies der Großaktionär einen dreistelligen Millionenbetrag an die angeschlagene Airline.

Flugzeuge von Air Berlin und Etihad Airways: Der Golfcarrier unterstützt die finanziell angeschlagene deutsche Airline weiter.Foto: © AirTeamImages.com, TT

Der Golf-Carrier Etihad hat Air Berlin bis Ende nächsten Jahres Unterstützung zugesichert. Der Großaktionär werde alles tun, "damit Air Berlin den finanziellen Verpflichtungen innerhalb von 18 Monaten nachkommen kann", steht in der Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Passage bezieht sich auf ein Etihad-Schreiben vom 28. April.

Die Wirtschaftsberater von KPMG, die die Bilanz von Air Berlin vorab prüften und letztlich die Überlebensfähigkeit der Air Berlin weiter bescheinigten ("Going concern"), betonen in der nun komplett veröffentlichten Bilanz allerdings "bedeutsame Zweifel", ob Air Berlin als Unternehmen fortgeführt werden könne. "Der Konzern ist angewiesen auf einen Letter of Support eines wesentlichen Anteilseigners", heißt es in dem Zahlenwerk. Dieser Umstand sei mit der Etihad-Garantie vom 28. April gegeben.

Wie airliners.de aus Branchenkreisen erfuhr, hat KPMG das "Going concern" nur vergeben, nachdem Etihad kurzfristig die weitere Unterstützung zugesichert hatte. Air Berlin hatte die Vorlage der Kennzahlen am 27. April aus "organisatorischen Gründen" um einen Tag verschoben.

Vermögenswerte in der Air-Berlin-Bilanz

Air-Berlin-Finanzchef Dimitri Courtelis lobte bei der Vorlage der ersten Kennzahlen für 2016 am vergangenen Freitag, dass die Airline die Summe der kurzfristig verfügbaren Vermögenswerte um rund 29 Prozent auf 924 Millionen Euro steigern konnte. Wie die Bilanz zeigt, geht diese Steigerung fast ausschließlich auf den Niki-Verkauf zurück, den Etihad zu einem Großteil im letzten Geschäftsjahr bezahlte.
Die Summe der langfristigen Vermögenswerte ist insgesamt um rund 35 Prozent auf rund 458 Millionen Euro gesunken. Dort wird auch der Wert der Slots verbucht. Für 2015 wies Air Berlin noch knapp 176 Millionen Euro als "Landerechte" aus, zum Stichtag 31. Dezember 2016 waren es nur noch rund 80 Millionen Euro. Alles in allem ergab sich Ende 2016 somit ein Firmenwert von rund 112 Millionen Euro - ein Minus von rund 43 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn.

Vermögenswerte im Jahresvergleich
langfristige Vermögenswerte in Millionen Euro kurzfristig verfügbare Vermögenswerte in Millionen Euro
2015 700 718
2016 458 924

Stichtag ist jeweils der 31. Dezember eines Jahres / Quelle: Unternehmensangaben

Aus dem nun veröffentlichten Geschäftsbericht geht im Detail ebenfalls hervor, dass Etihad seit 2016 insgesamt 650 Millionen Euro an Air Berlin überwiesen hat. Zuletzt überwies Etihad demnach in der vergangenen Woche noch einmal 350 Millionen Euro an ihre deutsche Beteiligung. Den Zweck dieser Finanzspritze erläuterte Air Berlin auch auf Anfrage nicht.

Zwei Zahlungen im Dezember 2016 und Januar 2017 (insgesamt 300 Millionen Euro) waren für den Verkauf der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki bestimmt, die in einem Touristik-Joint-Venture mit Tuifly aufgehen soll. Doch der Start der neuen Ferienfluggesellschaft in Österreich verzögert sich, da behördliche Genehmigungen fehlen. Air Berlin rechnet laut Angaben in der Bilanz nun damit, dass der Deal im Sommer vollzogen wird.

Lufthansa-Leasing-Deal abgesichert

Bereits in der vergangenen Woche hatte Air Berlin erste Kennzahlen für das Wirtschaftsjahr 2016 veröffentlicht und musste gleichzeitig einen Rekordverlust von rund 782 Millionen Euro verbuchen. Das negative Eigenkapital summierte sich zum 31. Dezember 2016 auf fast 1,5 Milliarden Euro.

Im Falle einer Pleite von Air Berlin könnte der Leasing-Deal mit der Lufthansa über die neugegründete "Air Berlin Aeronautics" fortgeführt werden. Wie das Luftfahrtbundesamt auf Nachfrage von airliners.de mitteilte, wurde für Aeronautics eine eigene Flugbetriebslizenz (AOC) beantragt. Aktuell fliegen rund 40 Air-Berlin-Flugzeuge im Wet-Lease für den Lufthansa-Konzern.

© dpa, Kay Nietfeld Exklusiv: Air Berlin gründet eine neue Airline

Chef-Gehalt bei einer Pleite garantiert

Aus der Bilanz geht ebenfalls hervor, dass das Gehalt von Airlinechef Thomas Winkelmann im Fall einer Zahlungsunfähigkeit der Air Berlin über eine Bankgarantie von bis zu 4,5 Millionen Euro abgesichert ist. Für den Fall einer ordentlichen Kündigung behält Winkelmann laut dem Geschäftsbericht Anspruch auf sein vertragliches Grundgehalt. Es liegt bei 950.000 Euro im Jahr und kann sich durch Boni verdoppeln.

Air Berlin sah sich offenbar zu dieser Absicherung gezwungen, um Winkelmann für den Job zu gewinnen. Aufgrund der außergewöhnlichen und unerwarteten Umstände sei von der Vergütungsrichtlinie abgewichen worden, heißt es im Geschäftsbericht. Diese Richtlinie sieht unter anderem vor, erfolgreiche Leistung zu fördern und zu belohnen. Man habe das Interesse daran, "Herrn Winkelmann in dieser kritischen Zeit zu gewinnen, mit dem Ziel, Misserfolg nicht zu belohnen, abgewogen". Winkelmann war im Februar zu Air Berlin gekommen.

Von: cs, dpa-AFX

Datum: 04.05.2017 - 12:38

Adresse: http://www.airliners.de/etihad-air-berlin-2018/41316