Spaethfolge (115) ( Gastautor werden )

Es ist nicht alles Golf, was glänzt

09.01.2013 - 09:35 0 Kommentare

Von wegen am Persischen Golf geht alles immer soviel einfacher und schneller als etwa beim BER. Zwei neue Golf-Airports sind ebenso hoffnungslos verspätet. Nur in Dubai läuft wieder mal alles wie am Schnürchen, wie ich jetzt feststellte.

Luftfahrtjournalist und Vielflieger Andreas Spaeth mit Beobachtungen und Erlebnissen aus der weiten Welt der Luftfahrt. - © © airliners.de -

Andreas Spaeth ist einer der führenden deutschen Luftfahrtjournalisten und freier Mitarbeiter vieler deutscher und internationaler Publikationen (u. a. Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Die Welt, Neue Zürcher Zeitung, Flug Revue). In dieser Eigenschaft ist er weltweit unterwegs, um über Luftverkehrsthemen zu berichten. Für airliners.de schreibt er exklusiv die Spaethfolgen-Kolumne, die zugespitzt, personalisiert, manchmal auch bewusst übertreibend oder provozierend Dinge und Erlebnisse aus seinen Recherchen aufgreift, die in üblichen Zeitungsartikeln keinen Platz haben.

Eine „nationale Peinlichkeit“ für Deutschland sei das Dauerchaos um die geplante Eröffnung des BER, hat Emirates-Chef Tim Clark neulich gesagt. Damit hat er natürlich absolut ins Schwarze getroffen. Ich muss auch dauernd ausländischen Airline-CEOs zu erklären versuchen wie das nur sein kann, soviel Durcheinander. In Deutschland! Das kann niemand fassen. Ich auch nicht.

Noch wenige Wochen vor dem geplanten Eröffnungstermin letztes Jahr durfte ich die gesamte Geschäftsführung der Berliner interviewen, und alle sprachen vollmundig und im Brustton der Überzeugung von ihrem neuen Vorzeige-Airport. Auch das entpuppte sich bald als Peinlichkeit.

Neulich habe ich Tim Clark besucht und wollte dabei sehen, ob es in Dubai besser läuft. Denn dort stand jetzt der neue Concourse A zur Eröffnung an, das weltweit erste Abfertigungsgebäude nur für die A380. Ein milliardenteures Riesenprojekt, das wie eine große gläserne Raupe auf dem Vorfeld steht. So starkes Selbstvertrauen hatten die Betreiber, dass sie mich nach jeder Menge Bürokratie sogar als vermutlich einzigen Nicht-Einheimischen unter den Testpersonen dabei sein ließen, am ersten Tag des Probebetriebs. Wie entspannt es da zuging! Und Tim Clark konnte Wort halten, am 2. Januar öffnete das neue Gebäude zunächst vier von 20 Gates, bis März machen dann alle auf.

Somit hat der Mann jedes Recht, sich über BER zu mokieren – auch wenn man natürlich Dubai und Berlin nicht wirklich vergleichen kann. Und Emirates vermutlich ohnehin weiter dort eh nicht landen darf. Dass in Dubai alles wie am Schnürchen lief hat mich und die Branche allerdings nicht wirklich überrascht.

Aber vermutlich einige in der Nachbarschaft sehr geärgert. Denn es ist nicht alles Golf, was glänzt - beim Flughafenbau. Zum Beispiel im Oman – der niedliche Haupstadtflughafen in Maskat sollte in diesem Jahr mit einem gigantischen neuen Terminal und einer zweiten Bahn endlich auf Weltniveau gebracht werden. Pustekuchen. Die dänische Baufirma wurde gerade rausgeschmissen, eine amerikanische soll nun bis Ende 2014 das Sieben-Milliarden-Dollar-Projekt zu Ende bringen. Inschallah – so Gott will, wie man in Arabien sagt. Als ich vor drei Jahren dort auf der Baustelle war dachte ich, die schaffen das. So täuscht man sich auch am Golf, wo ja aus deutscher Sicht manchmal das Unmögliche leicht erscheint.

Das gilt noch viel mehr für ein ungleich gigantischeres Projekt 40 Flugminuten von Dubai entfernt, in Doha in Katar. Auch da droht der Flughafenbau des New Doha International Airport (NDIA) langsam zur nationalen Peinlichkeit zu werden. Mit immer neuen, immer verwirrenderen Meldungen muss der ehrgeizige Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker seit Jahren Verzögerungen erklären. So wie ich ihn kenne bringt ihn das zur Weißglut.

Auf der letzten ITB in Berlin hatte er verkündet, dass der 12.12.12 der angestrebte Eröffnungstermin sei. Und die Vertragspartner müssten hohe Strafen zahlen, wenn sie das nicht einhielten, Gnade ihnen Akbar.

Und was ist jetzt? Während sich Qatar Airways sonst bei keinem Anlass für eine Pressemeldung zu schade ist, herrschte um den NDIA mal wieder, wie seit Jahren, Schweigen und Geheimniskrämerei. In unbestätigten Meldungen war von Juni 2013 als neuem Termin die Rede. Ich verfolge dieses Projekt seit 2005, dem Baubeginn, war seitdem zweimal auf der Baustelle. Ursprünglich war der Juni 2008 (!) als Eröffnungstermin für die erste Phase angekündigt, wenn ich daran erinnern darf.

Aber immerhin hielt Al Baker jetzt Wort – und kündigte kurz vor Silvester 2012 eine 600-Millionen-Dollar-Klage gegen ein Deutsch (!)-Dubaiisches (!) Joint Venture an, das 19 (!) Lounges hätte bauen sollen bis Mitte 2012. Das Unternehmen weiß von einer Klage zunächst nichts und liefert eine für mich derart glaubwürdige Begründung für die Verzögerung, das ich lachen muss, so typisch ist sie für die Kontroll-Freaks in Katar: Man habe die ersten neun von 16 Monaten Vertragslaufzeit keinen vollen Zugang zum Baugelände erhalten und daher leider den Zeitplan nicht einhalten können.

Was hatte ich schon für Schwierigkeiten in Doha, weil einer von sieben nötigen Stempeln oder Unterschriften fehlte, um mir am Flughafen den vereinbarten Zugang zu verschaffen. Jetzt ist übrigens von Ende 2013 als neuestem Eröffnungstermin für den NDIA die Rede.

Noch werden Wetten angenommen, welcher Airport eher ans Netz geht – BER oder NDIA. Vielleicht gibt es ja auf der diesjährigen ITB im März ein Schaulaufen der Ausreden für weitere Verspätungen.

Von: Andreas Spaeth für airliners.de
( Gastautor werden )
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Windsack Aber wehe, wenn es stürmt

    Schiene, Straße, Luft (9) Nicht nur ein Sturm macht dem deutschen Verkehr ordentlich zu schaffen. Die wahre Bewährungsprobe kommt, wenn der Wind abflaut, meint Verkehrsjournalist Thomas Rietig. Dann zeigt sich, wie gut es ist, zwischen mehreren Verkehrsträgern wählen zu können.

    Vom 13.10.2017
  • Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. Wie vor 224 Jahren

    Die Born-Ansage (70) Das Aus von Monarch und Air Berlin zeigt interessante historische Parallelen, entdeckt Karl Born. Am Ende der Luftfahrt-Revolution leiden die Mitarbeiter - aber die machen immerhin einen engagierten Eindruck.

    Vom 12.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Flughafen Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »