Digital Passenger (32)

Es braucht mehr Genauigkeit bei Akku-Regeln

22.02.2019 - 07:05 0 Kommentare

Akkus explodieren zwar nicht, weiß unser Digital Passenger Andreas Sebayang. Aber ein Akkubrand an Bord ist gefährlich genug. Umso wichtiger sind klare Richtlinien zu Batterien und Akkus im Gepäck.

Übersichtsseite zu Batterien und Akkus im Gepäck bei der FAA. - © Screenshot © airliners.de -

Übersichtsseite zu Batterien und Akkus im Gepäck bei der FAA. Screenshot © airliners.de

Wir alle wissen: der Umgang mit bestimmten Batterien - und insbesondere Akkus - erfordert eine gewisse Vorsicht. Entgegen landläufiger Meinung explodiert ein Akku zwar in der Regel nicht. Auch wurden noch keine Türen mit Smartphone-Sprengsätzen gewaltsam geöffnet. Dass Smartphones nicht explodieren, ist schon daran erkennbar, dass die vermeintlichen "Explosionsopfer" aus den Medien normalerweise "nur" Brandverletzungen davontragen.

Gefährlich genug sind die Brände aber allemal. Nur was für die Medien gilt, gilt meiner Meinung nach auch für die Luftfahrt: Etwas mehr Präzision bitte - ohne die Gefahr zu verharmlosen. Akkubrände sind nämlich gefährlich. Vor allem an Bord eines Flugzeugs. Sie sind sehr heiß und ohne Fachwissen nicht einfach zu löschen.

Es fängt damit an, dass man allgemein zwischen sogenannten Primärzellen, also normale Batterien, und Sekundärzellen, also Akkus unterscheiden muss. Das alleine sagt erst einmal nichts über die Gefährlichkeit aus. Beide gibt es in ungefährlichen Varianten, weswegen ein generelles Akku- oder Batterie-Verbot nicht existiert. Wichtig ist die Akkuchemie. Beide Zellentypen gibt es als Lithium-Zellen, die vorsichtig zu behandeln sind. Nicht falsch verstehen: eine normale, gerade auslaufende AA-Batterie ist deswegen nicht harmlos, doch in einem Luftfahrzeug ist das egal.

© , Andreas Sebayang Digital Passenger (31): Digitale Gepäckanhänger und Lufthansa passen nicht zueinander Digital Passenger (31)

Im Flugverkehr gibt es leider immer wieder Missverständnisse. Ein Kollege eines Computermagazins schickte mir letztens das Foto eines Hinweis-Schildes von United Airlines, der es in sich hat. Dort heißt es in der Fußnote pauschal: Installierte Batterien im Gepäck müssen immer entfernt werden. Dumm nur, wenn das nicht geht oder nicht sinnvoll ist.

Bei Lufthansas verschraubbarem Bagtag lässt sich die Batterie, eine simple Knopfzelle, beispielsweise gar nicht entfernen. Bei Rimowas "Eletronic Luggage Tag" ergibt das Entfernen der AAA-Batterien oder -Akkus auch keinen Sinn. Sie sind nicht gefährlich. Müsste man sie entfernen, könnte man sie mit geschützten Polen in den Koffer legen. Das wäre sogar erlaubt, weil es keine Lithium-Zellen sind. Die Verwirrung ist perfekt.

© Andreas Sebayang, Andreas Sebayang Digital Passenger (26) : Eine Powerbank macht noch kein smartes Gepäck Digital Passenger (26)

Auf Nachfrage stellte United klar, das Schild sei so nicht korrekt. Für den Passagier wird die Diskussion trotzdem unangenehm, sobald dieser mit dem Personal über das falsche offizielle Schild diskutieren muss. Ob dem Passagier dann geglaubt wird? Es hilft zumindest, den Link zu den Bestimmungen zur Hand zu haben.

Erschwerend kommt hinzu, dass im Englischen offiziell auch Akkus als Batterien bezeichnet werden - wenn auch wiederaufladbar -, während hierzulande in der Tendenz unterschiedliche Begriffe verwendet werden.

Noch schlimmer sind die Hinweise der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB). Dort heißt es zu den Hinweisen, was ins Handgepäck darf pauschal, dass Batterien grundsätzlich "verboten" seien. Ich habe die FBB auch schon auf diesen und andere Fehler aufmerksam gemacht, ein Unternehmenssprecher verwies allerdings auf Bestimmungen der Fluggesellschaften und korrigierte einen anderen Hinweis sogar - nicht aber das pauschale Batterieverbot.

Es hat eine besondere Wirkung, weil die FBB suggeriert, dass die Bundespolizei dahintersteht und diese sogar verlinkt, obwohl dort nichts von einem generellen Batterieverbot zu finden ist. Immerhin: Beim Aufgabegepäck verweist die FBB auf die Bestimmungen der jeweiligen Airline.

In einem Extra-PDF ist die FBB dann sogar äußerst vorbildlich. Hier gibt es sogar Berechnungsgrundlagen. Denn was viele nicht wissen: die "Größe" eines Akkus kann man nicht einfach anhand des Milliamperestunden-Wertes (mAh) beurteilen. Stattdessen gelten die Wattstunden (Wh).

Natürlich gibt es Sonderfälle. Lose Lithium-Batterien gehören genauso wenig ins Aufgabegepäck wie der Reserve-Lithium-Akkus. Schwierig wird es bei Batterien, die formähnlich zu Lithium-Zellen sind. So wurden aus meinem Gepäck von der Bundespolizei in Berlin vor Jahren einmal harmlose - und am Rande bemerkt nicht billige - LR1-Alkalines (auch als N- oder Lady-Zelle bekannt) entfernt. Die sind ziemlich klein und sehen manchen Lithium-Zellen sehr ähnlich.

Seit diesem Vorfall nehme ich die Batterien lieber ins Handgepäck, um Geld zu sparen. Noch komplizierter wird es mit Akkus für Großgeräte, etwa bei Rollstühlen. Wer Zweifel hat, der sollte die Fluggesellschaft vorher kontaktieren. Das war in Sonderfällen aber schon immer so. Alltagsfälle sollten aber durch klare Regeln für jeden verständlich abgedeckt sein.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: as
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