Interview

Kötter-Chef Lange: "Es gibt keine Denkverbote"

15.12.2017 - 08:00 0 Kommentare

Sicherheitsdienstleister Kötter ist in diesem Jahr mit langen Wartezeiten in die Schlagzeilen geraten. Im Interview mit airliners.de spricht Unternehmenschef Peter Lange über den Personalmangel im Sommer und die Planungen für das kommende Jahr.

Peter Lange: "Wir haben versprochen, dass sich eine Situation wie in diesem Jahr nicht wiederholen wird." Foto: © Kötter

airliners.de: Herr Lange, im Sommer ist Kötter wegen langer Warteschlangen bei den Passagierkontrollen am Flughafen Düsseldorf in die öffentliche Kritik geraten. Was ist seit dem in Sachen Personal geschehen?
Peter Lange: Wir haben versprochen, dass sich eine Situation wie in diesem Jahr nicht wiederholen wird. Dementsprechend hat unser Unternehmen gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen eingeleitet und weiter ausgebaut, die sich sichtbar auszahlen.

Zum Beispiel?
So können wir durch die Rekrutierung und Ausbildung eigener Kräfte sowie die Unterstützung befreundeter Unternehmen bis jetzt bereits rund 80 zusätzliche Luftsicherheitsassistenten bei den Passagierkontrollen am Flughafen Düsseldorf einsetzen. Zudem sorgen zusätzliche Wannenrückführer speziell während der Peaks für Verstärkung. Hierdurch hat sich die Situation im Oktober und November deutlich entspannt und dies wird auch so bleiben.

Können Sie die Zahl 80 nach eigenen Mitarbeitern und Fremdpersonal aufschlüsseln?
Es sind 60 neue Mitarbeiter von uns sukzessive dazu gekommen und 20 bis 40 von befreundeten Unternehmen im Einsatz gewesen. In der Spitze waren es also sogar 100 zusätzliche Mitarbeiter. Damit sind wir gut aufgestellt.

Aktuell mögen Sie da sicherlich recht haben, immerhin sind durch das Aus der Air Berlin auch am Flughafen Düsseldorf etliche Verbindungen gestrichen worden. Eurowings will zwar groß angreifen, wartet aber noch auf die EU-Freigabe und Easyjet fängt dann ja auch im Januar in Düsseldorf an. Dann wird es wieder ganz schön voll …
Nein, das lässt sich so nicht hochrechnen. Die Monate November bis Februar zählen im Jahresvergleich klassisch zu den aufkommensschwächeren Monaten am Airport. Wir haben somit rein rechnerisch aktuell "zu viel" Personal, sodass wir diesen Zeitraum unter anderem gezielt für Fortbildung nutzen. In jedem Fall sind wir für die nächste Reisewelle gut gewappnet, zumal wir, wie angeführt, mit neuen Mitarbeitern zusätzlich kräftig aufstocken.

Inwiefern aufstocken?
Wir sind weiter am Ball und setzen unsere Rekrutierungsoffensive mit Hochdruck fort. 1400 Bewerbungen sind eingegangen. Wir arbeiten auf Basis eines mit unserem Auftraggeber, der Bundespolizei, abgestimmten Konzepts.

Das heißt in Zahlen?
Bis zum kommenden Sommer werden sukzessive fast 250 weitere Mitarbeiter unser Team verstärken. Damit steigt die dortige Belegschaftsstärke bis Mitte nächsten Jahres auf rund 1100 Mitarbeiter. Gleichzeitig wird die Unterstützung befreundeter Unternehmen als "Reservebank" für besondere Anforderungen und außergewöhnliche Ereignisse fortgesetzt. Wir werden damit unser Personaldefizit ausgleichen und uns auf das angekündigte zehn prozentige Passagierwachstum komplett vorbereiten.

Die Bundespolizei kann ihre Bedarfsprognose in jedem Quartal noch einmal anpassen. Wie reagiert Kötter darauf?
Wir sehen uns mit den beschriebenen Maßnahmen gut gewappnet für die jetzt vorliegende Jahresbedarfsprognose. Als zusätzliche Sicherheit für mögliche kurzfristige und aktuell nicht vorhersehbare Zusatzanforderungen halten wir ergänzend eine personelle Reserve vor, die flexibel eingesetzt werden kann. In dieser Hinsicht helfen uns zum einen befreundete Unternehmen wie G4S aus Belgien, I-Sec und Condor Flim. Zum anderen - und dies ist viel entscheidender - kann unser Unternehmen aus eigener Kraft ganz kurzfristig mit weiteren Maßnahmen reagieren.

Konkret sind das welche?
Personal von unserem Standort Köln/Bonn kann an Düsseldorf "ausgeliehen" werden. Außerdem bieten wir im Einvernehmen mit unseren Beschäftigten Doppelqualifikationen an. Konkret heißt dies: Mitarbeiter der Personal- und Warenkontrollen beziehungsweise der Fracht- und Postkontrollen, also aus den Paragrafen acht und neun Luftsicherheitsgesetz, werden für die Passagierkontrollen weitergebildet.

Müssen diese Maßnahmen häufig in Anspruch genommen werden?
Davon gehe ich nach der aktuellen Jahresprognose nicht aus. Gleichwohl stehen wir selbstverständlich in engem Dialog mit Bundespolizei und Flughafen, um den Personaleinsatz mit Blick auf Schwankungen beim Fluggastaufkommen laufend zu optimieren. Hiervon profitieren im Übrigen nicht allein die Passagiere. Dies zahlt sich auch bei der Entlastung unserer Mitarbeiter aus. Ein Thema, das für mich ganz oben auf der Agenda steht und bei dem wir gemeinsam mit dem Betriebsrat und unseren Luftsicherheitsassistenten ebenfalls auf einem guten Weg sind. Dies zeigt nicht zuletzt die sinkende Krankenquote.

Ins Spiel gebracht wird immer mal wieder eine Untergrenze an Kontrollstunden, die die Bundespolizei monatlich vergütet. Das könnte nicht zuletzt Ihnen auch mehr Planungssicherheit geben - wie bewerten Sie diesen Vorschlag?
Dieser Vorschlag ist eine von verschiedenen Möglichkeiten, die Planungssicherheit weiter zu optimieren und die Entscheidung hierüber liegt im Hoheitsbereich unseres Auftraggebers. Ich will das Problem aktuell mit Priorität an einer ganz anderen Stelle angehen: Wir wollen im kommenden Jahr Gespräche mit der Bundespolizei, dem Flughafenbetreiber und den Airlines aufnehmen, um auf bevorstehende Peaks noch frühzeitiger gemeinsam reagieren zu können.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Erste Prognose für Düsseldorf-Kontrollen

Also sind Prognosen der Bundespolizei das falsche Instrument?
Absolut nicht. Wir sind seit mittlerweile rund 14 Jahren Partner der Bundespolizei am Flughafen Düsseldorf. Die Jahres- beziehungsweise Quartalsprognosen unseres Auftraggebers sind in dieser gesamten Zeit eine zentrale Säule der bewährten Zusammenarbeit gewesen und können es auch in Zukunft bleiben. Wir als Dienstleister wollen ergänzende Wege finden, abseits des offiziellen Auftrags laufend das Geschehen im Luftverkehr zu beobachten und zu bewerten. Es gibt ja kein Verbot, Altbewährtes mit neuen Ideen zu ergänzen.

Herr Lange, vielen Dank für das Gespräch.

Von: cs
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