Wer billig fliegt erwartet auch wenig

01.04.2019 - 08:05 0 Kommentare

Die meisten Passagiere empfinden Flugreisen als zu billig. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Gleichzeitig sind Schnäppchenjäger erstaunlich flexibel, was ihre Qualitätserwartungen angeht.

Wartende Passagiere am Flughafen. - © © dpa - Jan Woitas

Wartende Passagiere am Flughafen. © dpa /Jan Woitas

Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 Prozent) findet die Preise für Flugreisen zu billig. Das sagten besonders häufig Frauen und Befragte über 50 Jahren, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Porsche Consulting ergab. Konkret wurden die Reisenden nach ihren Vorlieben bei innerdeutschen Reisen befragt.

Die Bereitschaft, für einen Flug mehr zu zahlen, ist demnach da: Flugzeugnutzer würden laut der Umfrage auch bei höheren Ticketpreisen den Flieger wählen. Nur jeder siebte Befragte würde auf den Flug verzichten, wenn kein Billigangebot mehr verfügbar ist, wie die Umfrage weiter ergab.

Service-Ewartungen relativ gering

Allerdings hat der Preis durchaus deutliche Auswirkungen auf die Qualitätserwartungen. So nimm jeder zweite laut Umfrage längere Wartezeiten bei der Sicherheitskontrolle und vor dem Einsteigen gelassen, jeder dritte Befragte akzeptiert bei einem Billigflug Verspätungen.

Jeder fünfte gab sogar ab, er würde auf Ersatzansprüche wie eine kostenfreie Hotelübernachtung bei Flugausfall verzichten, wenn das Ticket im Gegenzug ein Schnäppchen sei. Für strenge Handgepäck-Regeln und für hohe Zusatzkosten beim Gepäck hat die Mehrheit indes wenig Verständnis. Nur 38 Prozent sind bereit, dafür extra zu zahlen. Ebenfalls 38 Prozent würden es akzeptieren, wenn es in den Billigfliegern noch enger würde.

Gleichzeitig wünschen sich die Passagiere mehr Self-Service: 67 Prozent halten die Gepäckaufgabe beim Schalterpersonal für überflüssig. Ihnen reichen für den Check-in und die Kofferabgabe ein Selbstbedienungsautomat plus Smartphone.

Was Passagiere bei Billigflügen akzeptieren
Servicequalität Prozent
Check-in und Gepäckaufgabe nur online/Automat 67
Längere Wartezeiten 49
Zusatzkosten für Handgepäck 38
Weniger Beinfreiheit 38
Akzeptanz von Verspätungen 31
Verzicht auf Ersatzansprüche 21
Abstriche bei der Sauberkeit an Bord 18

Quelle: Repräsentative Forsa-Umfrage 03/2019 im Auftrag von Porsche Consulting

"Anbieter von Billigflügen sind an ihre Grenzen gekommen. Bei derart niedrigen Preisen können sie einen verlässlichen Service gar nicht mehr garantieren", sagte Joachim Kirsch von Porsche Consulting. Die Systeme an den Flughäfen stünden schon heute zu bestimmten Zeiten vor einem Infarkt. "Die Kunden wissen, dass sie bei einem extrem günstigen Preis Einschränkungen im Service in Kauf nehmen müssen."

Daher gebe es Handlungsbedarf, so Kirsch. "Bei der Mobilität von morgen geht es um die sinnvolle Vernetzung aller modernen Verkehrsträger." Dafür brauche es "Mobilitätsdrehscheiben" wie Flughäfen mit Bahnanschluss an Nah- und Fernverkehr, Lufttaxi-Dienste und künftig auch Zugang zu autonom fahrenden Autos.

Forsa befragte in diesem März 1003 Frauen und Männer im Alter von 20 bis 65 Jahren zu ihren Mobilitätsgewohnheiten auf Reisen. Das eigene Auto bleibt dabei für Reisen im Heimatland das beliebteste Verkehrsmittel, trotz Staugefahr. Jeder Zweite steuert am liebsten selbst ans Ziel. Danach folgt die Bahn (33 Prozent) und mit deutlichem Abstand das Flugzeug (14 Prozent).

Von: dh mit AFP
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