Erstes bemanntes Brennstoffzellen-Flugzeug startet aus eigener Kraft

07.07.2009 - 19:29 0 Kommentare

Das weltweit erste bemannte und aus eigener Kraft startfähige Brennstoffzelln-Flugzeug wurde am Dienstag in Hamburg der Öffentlichkeit vorgestellt. Der effiziente Energielieferant könnte in Zukunft die Stromversorgung an Bord von Verkehrsflugzeugen übernehmen.

Der Brennstoffzellen-Motorsegler Antares DLR-H2 fliegt am 7. Juli 2009 über Hamburg seinen offiziellen Erstflug. - © © dpa -

Der Brennstoffzellen-Motorsegler Antares DLR-H2 fliegt am 7. Juli 2009 über Hamburg seinen offiziellen Erstflug. © dpa

"Antares DLR-H2" fliege völlig CO2-frei und wesentlich geräuschärmer als andere vergleichbare Motorsegler, teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit. Ziel weiterer Forschung sei es, die Bordstromversorgung per Brennstoffzelle in kommerziellen Maschinen unter Realbedingungen zu erproben.

Brennstoffzellen nutzen eine chemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff, um Strom zu erzeugen. Der direkte Antrieb durch ein derartiges Modul ist laut DLR "Herzstück und größte Innovation" der Antares. "Wir haben die Leistungsfähigkeit und Effizienz der Brennstoffzelle so weit verbessert, dass ein bemanntes Flugzeug damit abheben kann", erklärte DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner. Das zeige sich das Potenzial dieser Technologie auch und gerade für die Luftfahrt.

Die Brennstoffzelle und der Wasserstofftank sind bei der Antares in zwei abnehmbaren Containern unter den dafür verstärkten Tragflächen angebracht. Die Gesamteffizienz des Antriebs liegt mit bis zu 44 Prozent laut DLR etwa doppelt so hoch wie bei der Verbrennung von Kerosin oder Diesel. Höchstgeschwindigkeit der Antares sind 170 Stundenkilometer, theoretisch sind laut DLR bis zu 300 Stundenkilometer möglich. Der Motorsegler mit einer Flügelspannweite von 20 Metern hat eine Reichweite von 750 Kilometern bei fünf Stunden Flugzeit. Der erste Langstreckenflug ist für den 20. September ab Köln geplant. Am Dienstag landete der Pilot nach einem kurzen Rundflug wieder am Hamburger Flughafen.

Prof. Hans Müller-Steinhagen, Direktor des Stuttgarter DLR- Instituts, warnte vor übertriebenen Erwartungen: «Wir stehen erst am Anfang einer neuen Technologie. Wer glaubt, große Flugzeuge könnten morgen mit Brennstoffzellen fliegen, verkennt die Wirklichkeit.» Aber Brennstoffzellen seien ein willkommenes Energiehilfsgerät und könnten beispielsweise als Hilfsaggregat für die Bordelektronik und Stromversorgung Energie liefern. «Mehr aber ist auf absehbare Zeit nicht möglich.»

Die DLR-Wissenschaftler werden auch künftig eng mit Airbus und Lufthansa Technik kooperieren. Die Technik-Werft wird die Antares DLR-H2, die auf der Lufthansa-Basis in Hamburg stationiert wird, technisch betreuen. Das Knowhow von Lufthansa Technik als führender Wartungs-, Reparatur- und Instandhaltungsbetrieb sei für die Forschungsflugzeuge von großem Wert, ergänzte Kallo. Auch der Brennstoffzellen-Versuchsträger der DLR, der Airbus A320 ATRA, in dem eine Brennstoffzelle die Aufgaben der Hilfsgasturbine APU übernimmt, wird von der Werft betreut.

 

Von: airliners.de mit AFP, dpa
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