Erster Pilotenstreik bei Ryanair

12.07.2018 - 07:09 0 Kommentare

Ein historischer Schritt: Piloten von Ryanair legen 24 Stunden lang die Arbeit nieder. Es ist der erste ordentliche Pilotenstreik in der Geschichte des Low-Costers. Die Airline reagiert mit Unverständnis - und mit Annullierungen.

Streikende Ryanair-Piloten versammeln sich vor dem Flughafen in Dublin. - © © dpa - Brian Lawless/PA Wire

Streikende Ryanair-Piloten versammeln sich vor dem Flughafen in Dublin. © dpa /Brian Lawless/PA Wire

Ryanair streicht wegen der ersten ordentlichen Piloten-Streiks im Unternehmen am Donnerstag rund 30 Verbindungen. Laut Mitteilung sind dies 10,3 Prozent der für diesen Tag geplanten Verbindungen ab Irland. Denn die Gewerkschaft Ialpa hat die irischen Piloten zu einem 24-stündigen Arbeitskampf aufgerufen.

Abflüge von Ryanair am Donnerstag
Angaben in Prozent
Spanien 20.0
Italien 18.3
Großbritannien 18.0
Deutschland 8.2
Irland 6.8
Polen 4.3
Portugal 3.9
Frankreich 3.5
Belgien 3.4
Griechenland 2.2
Übrige Länder 9.4

Die Grafik zeigt die prozentuale Verteilung der angebotenen Sitzplatzkapazitäten von Ryanair ab den einzelnen Ländern am Donnerstag, 12. Juli. "Übrige Länder" sind jene mit jeweils weniger als zwei Prozent Anteil. Angaben gerundet. Quelle: ch-Aviation

Betroffen sind hochfrequentierte Strecken zwischen Irland und London sowie zu anderen Zielen in Großbritannien. Alle Flüge in übrige Länder sollen planmäßig starten und landen.

Airline äußert Bedauern

Ryanair reagiert nicht nur mit Annullierungen auf die Streik-Ankündigungen, sondern auch mit Unverständnis: "Wir bedauern den Streik für unsere Kunden sehr und haben alles versucht, um diesen unnötigen Arbeitskampf zu verhindern", heißt es in einem auf Twitter verbreiteten Statement.

Man habe der Gewerkschaft Forsa zudem einen Vorschlag für die von ihr angeprangerten Themen Betriebszugehörigkeit, Jahresurlaub und Grundüberweisungen gemacht. "Doch die letzten 21 Gesprächsangebote wurden abgelehnt."

Gewerkschaft bemängelt Angebot

Die Gewerkschaft Forsa zu der auch die Pilotenvertreter der Ialpa gehören, kontert in einem Schreiben an ihre Mitglieder, dass "wir keinerlei Anzeichen seitens der Ryanair-Geschäftsführung gesehen haben, um sinnvolle Verhandlungen über die Probleme des Unternehmens zu führen". Das neuerliche Angebot Ryanairs sei "weit hinter dem zurück, was erforderlich ist, um eine Einigung zu erzielen".

Und die Ialpa wird in dem Schreiben noch deutlicher: "Die Offerte Ryanairs ist nichts weiter als der Versuch, einen Streik abzuwenden." An einem lösungsorientierten Dialog über die Missstände sei der irische Low-Cost-Carrier nicht interessiert.

Streit über Gehaltserhöhung

Man habe mehrfach Gesprächsangebote für Treffen an neutralen Orten gemacht, auf die Ryanair nicht einging. "Es ist ein weiteres Beispiel für eine Ryanair-Sicht, die lautet: 'Es ist entweder unser Weg oder kein Weg.'"

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Wie tief die Gräben zwischen den beiden potenziellen Tarifvertragspartnern ist, zeigt folgender Punkt: Ryanair behauptet, dass die "Piloten bereits eine Gehaltserhöhung von 20 Prozent erreicht" hätten. "Dies wurde nicht vereinbart", reagiert die Ialpa.

Nur ein Drittel der irischen Piloten betroffen?

Betroffen vom Streikaufruf sind laut Ryanair nur 94 beziehungsweise 27 Prozent der irischen Piloten - und genau dort liegt auch eines der Probleme, sagen die Cockpit-Crews: Nur rund ein Drittel der Piloten sind bei Ryanair festangestellt. Die restlichen Flugzeugführer werden über Ich-AGs als Selbständige ins Cockpit geholt ("Contractor-Modell").

Ebenfalls ein Punkt, der nach airliners.de-Informationen immer wieder die Verhandlungen erschwert: Häufig muss das Ryanair-Management mit Gewerkschaftsmitgliedern verhandeln, die nicht für Ryanair fliegen, sondern bei einer anderen Airline arbeiten.

Das fordern die Piloten

Dies liegt bei Arbeitnehmervertretern mit ehrenamtlichen Vorständen nun einmal in der Natur der Sache, heißt es von den Gewerkschaften. Ryanair hingegen sagt, es sei "nicht hinnehmbar, dass konkurrierende Fluglinienpiloten aktiv Streiks von Ryanairs Piloten organisieren". Immerhin würden die anderen Carrier ja von dem Schaden profitieren.

Forderungen

Um trotz tarifrechtlicher Landesgrenzen europaweit einheitlich agieren beziehungsweise abzustimmen zu können, haben sich Flugbegleiter sowie Piloten in der Eurecca (European Cabin Crew Association) und ITF und Eca (European Cockpit Association) organisiert. Die ECA formuliert für die Verhandlungen mit Ryanair folgende Ziele:

Dialogpartner: Vertreter können Ryanair-Piloten, die über Makleragenturen eingestellt werden, sowie offizielle Gewerkschaftsvertreter mit einschließen, unabhängig davon, ob sie für eine andere Fluggesellschaft fliegen oder nicht.

Beschäftigungsverhältnisse: Piloten sollen bei Ryanair direkt angestellt werden. Übrigens betrifft das Problem auch Kabinen-Crews: Hier sind erst jene ab dem Status des Pursers festangestellt, alle anderen kommen über Zeitarbeitsfirmen zu Ryanair.

Rechtsgrundlage: Es muss das Arbeitsrecht des jeweiligen Landes gelten, nicht per de das irische.

Karrierechancen: Ryanair-Piloten wollen den Carrier nicht mehr nur als Startpunkt ihrer beruflichen Laufbahn ansehen. Sie fordern transparente Aufstiegsmöglichkeiten. Auch ein Treueprogramm zur Mitarbeiterbindung wird hier gefordert.

Lohnniveau: Die Bezahlung sollte einheitlich transparent dargelegt werden und gleichzeitig regionale Anforderungen mit abdecken.

Die irischen Ryanair-Piloten sind aufgerufen, am Donnerstag für 24 Stunden die Arbeit niederzulegen. In einer Abstimmung hatten 99 Prozent der Ialpa-Mitglieder dem Ausstand zugestimmt. Nach dem zweistündigen Warnstreik der deutschen Cockpit-Crews im vergangenen Dezember ist dies der erste ordentliche Pilotenstreik bei Ryanair.

Die Flugbegleiter haben diesen historischen Schritt indes schon hinter sich. Die Kabinen-Mitarbeiter in Portugal legten im April die Arbeit nieder. Für Ende Juli sind in weiteren europäischen Ländern Flugbegleiter-Streiks bei Ryanair angesetzt.

Von: cs
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