Erste EU-Frist für Lufthansa-Deal läuft ab

Im Ringen um die Air-Berlin-Töchter LGW und Niki lotet Lufthansa nach airliners.de-Informationen in Brüssel aktuell alle Möglichkeiten aus. In der Nach endet die Frist für Zugeständnisse. Gleichzeitig arbeitet der Konzern schon an einem Plan B.

Airbus der Lufthansa: Der Kranich-Konzern steuert der EU-Entscheidung entgegen. Foto: © AirTeamImages.com, Felix Gottwald

Eine wichtige erste Frist für die EU-Prüfung der Lufthansa-Übernahme großer Teile der Air Berlin läuft ab: Bis Donnerstagnacht kann der Kranich-Konzern Zugeständnisse zu seinem eingereichten Antrag, LGW und Niki kaufen zu wollen, machen. Die Wettbewerbshüter wollen kommende Woche Donnerstag (7. Dezember) ihr Ergebnis verkünden.

Insider erwarten, dass EU-Wettbewerbskommissarin Margerethe Vestager dem Deal nicht zustimmen wird. Die Kommission könnte auch noch einmal vertieft 25 Arbeitstage mehr prüfen und sich bei Vorbehalten dann noch einmal 90 Arbeitstage mehr Zeit nehmen. Eine Entscheidung der europäischen Kartellwächter könnte spätestens also im Frühjahr kommenden Jahres fallen.

Allerdings haben vorausgegangene Verfahren gezeigt, dass die Kommission durchaus wohlwollend entscheidet: Die Fusion der Biergiganten Anheuser Busch und SAB Miller wurde im vergangenen Jahr nach einem Entgegenkommen der Konzerne von den Wettbewerbswächtern genehmigt.

Kreise: Spohr soll Vestager besänftigen

Doch auch der Kranich-Konzern selbst scheint unsicher, dass der Kauf von LGW und Niki im ersten Anlauf gelingt: Nach airliners.de-Informationen hält sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr gerade in Brüssel auf, "um Vestager zu besänftigen", heißt es. Der Konzernlenker lotet demnach Möglichkeiten aus, wie der Deal doch noch zustande kommen konnte. Lufthansa will sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

Der Kranich-Konzern will von der insolventen Air Berlin die beiden nicht insolventen Töchter LGW und Niki übernehmen und in Eurowings integrieren. Dem Vernehmen nach stößt es in Brüssel jedoch sauer auf, dass beide Übernahmen als eine angemeldet wurden. "Das war ein strategischer Fehler", gibt ein Konzerninsider zu.

Parallele Anstrengungen

Bei Lufthansa scheint man sich parallel neben den Bemühungen Spohrs auch auf ein Verbot der Kommission vor zu bereiten. So berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass dem Konzern - durch Kauf oder Leasing - ohnehin schon der größte Teil der von LGW und Niki betriebenen Flugzeuge gehöre.

Wichtig für Lufthansa sind also nur noch die jeweiligen Start- und Landerechte der beiden Carrier. Allerdings, so hört auch airliners.de aus dem Konzern, bekäme man die Hälfte derer ohnehin bei der nächsten Slotverteilung durch den Koordinator zugesprochen.

© dpa, Lesen Sie auch: EU hat "deutliche Vorbehalte" gegen Kranich-Deal

Dies mache den Deal jedoch vor allem erheblich komplexer: Das Wachstumstempo der Eurowings nehme ab, weil Piloten und Flugbegleiter neu gesucht und gegebenenfalls geschult werden müssten, anstatt einfach übernommen werden zu können. Andererseits würde sich Lufthansa die 210 Millionen Euro sparen, die als Kaufpreis für LGW und Niki vereinbart worden seien.

Allerdings kostet Niki schon jetzt: So pumpt der Lufthansa-Konzern laut Unternehmenskreisen über Ticketkäufe wöchentlich zehn Millionen Euro in die österreichische Airline, damit diese in der Luft bleibt. Mit LGW hat zudem Eurowings einen Wet-Lease geschlossen, der nach und nach die Vereinbarung mit Air Berlin ersetzen soll.

Von: cs

Datum: 30.11.2017 - 08:58

Adresse: http://www.airliners.de/erste-eu-frist-lufthansa-deal/43003