Eröffnung von Istanbuls neuem Großflughafen wird verschoben

Der neue Großflughafen in Istanbul wird später in Betrieb gehen als bisland geplant. Der türkische Präsident Erdogan gibt keine Gründe für Verzögerung des Projektes an, das in Europa kritisch gesehen wird.

Der neue Flughafen Istanbul Yeni Havalimani aus der Vogelperspektive. - © Istanbul Yeni Havalimani -

Der neue Flughafen Istanbul Yeni Havalimani aus der Vogelperspektive. Istanbul Yeni Havalimani

Der Eröffnungstermin des neuen Großflughafens in Istanbul - das Vorhaben wird auch von der deutschen Luftverkehrsbranche genau beobachtet - ist am Montag verschoben worden. Gründe wurden zunächst nicht genannt. Der Flughafen sollte eigentlich feierlich am 29. Oktober 2017 den Betrieb aufnehmen, dem 94. Jahrestag der Gründung der Türkei. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Montag aber vor Investoren in Istanbul, "so Gott will, wird die erste Projektphase des neuen Flughafens im ersten Quartal 2018 in Betrieb gehen".

Der geplante Flughafen soll im Endausbau eine Kapazität von 150 Millionen Passagieren im Jahr haben und wäre damit der größte der Welt. Die Kosten belaufen sich auf schätzungsweise 32 Milliarden Euro, wie Erdogan am Montag sagte. Die türkische 16-Millionen-Einwohner-Metropole am Bosporus verfügt bereits über zwei große Flughäfen und ist zu einem wichtigen Luftdrehkreuz zwischen Europa, Asien und den arabischen Ländern geworden. Mitte vergangenen Jahres war der Grundstein für den Bau gelegt worden.

Umlenkung von Passagierströmen befürchtet

In Europa befürchtet man eine Umlenkung von Passagierströmen zu Lasten des eigenen Aufkommens. Strategisch liegt der neue Flughafen Yeni Havalimani deutlich günstiger als die drei Flughäfen am Persischen Golf: Von Istanbul aus benötigt Turkish Airlines keine Langstreckenflugzeuge, um Passagiere etwa aus Deutschland abzuholen, damit sie über das neue Drehkreuz nach Asien weiterfliegen können. Zudem unterliegt Turkish Airlines keinen Beschränkungen wie etwa Emirates, Etihad oder Qatar Airways, was die Landerechte in Deutschland angeht. Turkish-Chef Temel Kotil hatte bereits erklärt, dass der neue Mega-Flughafen eine ernste Bedrohung für etablierte Drehkreuze wie Frankfurt werde.

© Ministerpräsident der Türkei, Lesen Sie auch: Erdogan verwirklicht mit Mega-Flughafen seinen Traum

Der neue Flughafen soll als Heimatbasis für die größte türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines dienen. Bereits heute fliegt Turkish in Deutschland neben den großen Hubs zahlreiche Regionalflughäfen an. Die Fluggesellschaft will auch ihre Billigtochter Anadolujet nach Deutschland schicken. Traditionell nutzt Anadolujet die Start- und Landeerlaubnis der Muttergesellschaft Turkish Airlines per Codesharing. Deutschlandweit bekäme die Billigtochter damit Zugriff auf 14 Flughäfen.

Von der Verschiebung der Eröffnung ist auch ein deutsches Unternehmen betroffen. Das Unternehmen Unifree Dutyfree - an dem der Hamburger Groß- und Einzelhändler Gebr. Heinemann fast 61 Prozent der Anteile hält - hatte Anfang des Jahres eine Ausschreibung für Einzelhandelsflächen am neuen Flughafen in Istanbul gewonnen.

Hier entsteht der neue Airport

Tipps: Karte ziehen und zoomen, für Details Symbole anklicken.

Von: gk, AFP mit Material der dpa

Datum: 19.10.2015 - 14:51

Adresse: http://www.airliners.de/eroeffnung-istanbuls-grossflughafen/36970