Erneut fast werksneue Boeing 737 Max abgestürzt

11.03.2019 - 18:12 0 Kommentare

Erneut ist eine Boeing 737 MAX 8 im Steigflug abgestürzt. Das knapp vier Monate alte Flugzeug der Ethiopian Airlines verunglückte nahe Addis Abeba. Der Unfall zeigt Parallelen zum Absturz einer 737 Max der Lion-Air. Nun gibt es erste Flugverbote.

Blick auf die Trümmer der Ethiopian-Airlines-Boeing-737-Max nach dem Absturz. - © © dpa - Uncredited/AP

Blick auf die Trümmer der Ethiopian-Airlines-Boeing-737-Max nach dem Absturz. © dpa /Uncredited/AP

Erneut ist eine fast werksneue Boeing 737 Max 8 abgestürzt. Die Maschine der Ethiopian Airlines mit dem Kennzeichen ET-AVJ war erst Mitte November an die Fluggesellschaft ausgeliefert worden.

Im Oktober war eine fast werksneue 737 Max der Lion Air abgestürzt. Die Untersuchungen dort laufen noch und fokussieren unter anderem auf das neue MCAS-System, das Strömungsabrisse automatisch verhindern soll.

Etliche Airlines grounden 737 Max

Als erste Reaktion erklärte Ethiopian Airlines am Montag ein Startverbot für alle baugleichen Maschinen. "Auch wenn wir die Unglücksursache nicht genau kennen, haben wir uns entschlossen, diese Maschinen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme am Boden zu belassen", begründete Ethiopian Airlines das Startverbot.

Derweil müssen auch chinesische und indonesische Fluglinien Flüge mit der Boeing 737 Max 8 einstellen, bis Sicherheitsrisiken ausgeschlossen werden können, wie die Luftfahrtbehörden der asiatischen Länder am Montag erklärten. Auch die karibische Fluggesellschaft Cayman Airways erklärte, die beiden Boeing 737 Max 8 der Airline blieben vorerst am Boden, bis weitere Informationen zu dem Unglück in Äthiopien vorlägen. Dem freiwilligen Grounding schlossen sich auch Mongolian und Royal Air Maroc an.

Boeing-Aktie im Sinkflug

Nach dem Absturz in Äthiopien ist der Aktienkurs des US-Flugzeugbauers Boeing am Montag zum Handelsstart um bis zu knapp 13,5 Prozent gesunken. Das bedeutete laut der Nachrichtenagentur Bloomberg den größten Tagesverlust im Handelsverlauf seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Zuletzt notierten die Papiere noch mehr als acht Prozent im Minus bei 388,06 US-Dollar und lagen damit abgeschlagen am Ende des US-Leitindex Dow Jones Industrial. Analysten erwarten, dass nun weitere Länder Startverbote für die 737 Max verhängen werden. Zudem ist noch nicht abzusehen, ob es ein Grundlegendes Problem mit der neuesten Version des Boeing-Mittelstreckenjets gebe, was für Boeing sehr teuer werden könnte.

Andere Airlines wie Norwegian und die US-Fluggesellschaft United erklärten hingegen, die Maschinen seien sicher und blieben weiter in Betrieb. Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte, die EU-Agentur für Flugsicherheit stehe mit den Behörden in Kontakt und verfolge die Ermittlungen genau. Auf Grundlage der Informationen werde man das Risiko beurteilen und möglicherweise auch weitere Schritte einleiten.

In Deutschland ist noch keine Boeing 737 Max zugelassen. Tuifly erwartet die ersten Flugzeuge im April. "Wir stehen in engem Kontakt mit Boeing und werden mit dem Hersteller die Situation bewerten", sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt. Zur Flotte des Reisekonzerns Tui gehören mittlerweile 15 Jets dieses Typs, die in Großbritannien und den Benelux-Staaten im Einsatz sind.

Boeing äußerte sich zunächst nicht näher zu dem Unglück. In einer Mitteilung auf der Website kündigte der Hersteller die Entsendung von Experten nach Äthiopien an. Es gebe nach bisherigem Kenntnisstand keine Grundlage für neue Anweisungen an die Betreiber des Flugzeugtyps. "Sicherheit ist unsere oberste Priorität", teilte Boeing mit. Insgesamt sind weltweit bereits rund 370 Flugzeuge der neuesten Max-Version des beliebten Mittelstreckenjets Boeing 737 ausgeliefert.

Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines Foto: © AirTeamImages.com, 4x6zk-moni shafir

Die Unglücksmaschine der Ethiopian Airlines war am Sonntag auf dem Weg von Addis Abeba nach Nairobi. Der Kontakt sei sechs Minuten nach dem Start in der äthiopischen Hauptstadt abgebrochen, teilte die Fluggesellschaft mit. An Bord waren demnach 149 Passagiere und acht Crewmitglieder.

Am Tag nach dem Absturz haben Ermittler die Blackboxes der Maschine gefunden. Das teilte die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines am Montag im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit. Stimmenrekorder und Flugdatenschreiber können wichtige Hinweise auf die Absturzursache geben.

Fluggesellschaft gilt als sehr zuverlässig

Ethiopian Airlines gilt als eine der sichersten und renommiertesten Airlines Afrikas. Sie bedient ein internationales Streckennetz und baut in Addis Abeba ein Afrika-Drehkreuz auf. In Deutschland bedient Ethiopian täglich den Flughafen Frankfurt.

Die Fluggesellschaft betreibt eine moderne Flotte aus rund 100 Flugzeugen, darunter 21 Boeing 787 und zehn Airbus A350. Das Durchschnittsalter der Flugzeuge beträgt laut ch-aviation 5,6 Jahre.

Von: dh mit AFP, dpa
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »