Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ryanair-Piloten

19.07.2016 - 12:04 0 Kommentare

Ryanair-Piloten hinterziehen Steuern - diesen Verdacht hat die Staatsanwaltschaft Koblenz. Darum ist jetzt eine Steuerberatungsgesellschaft durchsucht worden. Getrickst haben die Piloten wohl bei der angegebenen Höhe ihres Gehalts.

Ryanair-Maschinen stehen am Flughafen in Dublin.  - © © dpa - Andy Rain

Ryanair-Maschinen stehen am Flughafen in Dublin. © dpa /Andy Rain

Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen etliche für Ryanair fliegende Piloten wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Das berichten WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung". Demnach haben Beamte vor kurzem den Firmensitz einer Steuerberatungsgesellschaft in Neuss bei Düsseldorf durchsucht. Diese erstellt seit 2013 für einige Piloten, deren Heimatflughäfen in Deutschland liegen, die Sozialversicherungsmeldungen.

Den Ermittlern sei aufgefallen, dass der angegebene Verdienst der Piloten offenbar "erheblich niedriger" gewesen sei als das tatsächliche Gehalt, heißt es. So sei nur ein Teil des ausgezahlten Gehalts bei der Sozialversicherung angegeben worden. Nach deutschen Recht erfülle dies den Tatbestand der Steuerhinterziehung, wird aus dem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Koblenz zitiert.

Die Behörde würde auch wegen des Verdachts des Betrugs gegen die Piloten ermitteln. Um wie viele es sich genau handelt, wird in dem Bericht nicht erwähnt. Die durchsuchte Kanzlei teilte mit: Man habe keine Kenntniss von den tatsächlichen Entgelten der Piloten gehabt. Offenbar werde aus diesem Grund auch nicht gegen die Steuerberatungsgesellschaft selbst ermittelt, schreiben WDR, NDR und SZ.

Gegen Ryanair selbst wird nicht ermittelt

Erst Anfang des Monats waren Piloten-Räume an sechs deutschen Ryanair-Flughäfen durchsucht worden. Auch hier besteht der Verdacht des Betrugs - wobei auch zwei britische Personaldienstleister eine Rolle spielen, die die Piloten unter Vertrag genommen und an den irischen Billigflieger ausgeliehen haben.

© AirTeamImages.com, Danish Aviation Photo Lesen Sie auch: Beamte ermitteln an deutschen Airports gegen Ryanair-Partnerfirmen

Die Staatsanwaltschaft bestätigte WDR, NDR und SZ, dass gegen Ryanair selbst nicht ermittelt wird. Airline-Sprecher Robin Kiely hatte bereits zuvor bekannt gegeben, dass die Fluggesellschaft die Behörden bei ihren Untersuchungen unterstütze. Ryanair verlange von all ihren freien und fest angestellten Piloten, "sich stets entsprechend ihren steuerlichen Pflichten zu verhalten", so Kiely.

Pilotengewerkschaften äußern sich kritisch

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte die irische Gesellschaft dazu aufgefordert, ihre "zwielichtigen Geschäftspraktiken" mit zwischengeschalteten Personaldienstleistern zu beenden. Stattdessen sollten die Piloten direkt eingestellt werden.

© dpa, Fredrik Von Erichsen Aviation Management (8) Warum Airlines nicht mehr in die Ausbildung von Nachwuchspiloten investieren

Der Präsident der Europäischen Pilotengewerkschaft ECA, Dirk Polloczek, hatte ebenfalls Kritik geäußert: Es könne nicht sein, dass immer wieder die Piloten im Fokus der Ermittlungen stünden, während das beschäftigende Unternehmen Ryanair außen vor bleibe.

Von: ch
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