Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Dach-Problem am BER

22.09.2015 - 17:15 0 Kommentare

Am Dach des neuen Hauptstadtflughafens BER sollen viel zu schwere Ventilatoren eingebaut worden sein. Dabei wurden offenkundig Statik-Vorschriften nicht beachtet. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, wer dafür verantwortlich ist.

Vor dem Hauptterminal des neuen Hauptstadtflughafens BER sind Bauarbeiten im Gange - © © dpa - Ralf Hirschberger

Vor dem Hauptterminal des neuen Hauptstadtflughafens BER sind Bauarbeiten im Gange © dpa /Ralf Hirschberger

Der Einbau zu schwerer Ventilatoren am Dach des künftigen Hauptstadtflughafens hat die Staatsanwaltschaft Cottbus auf den Plan gerufen. "Es besteht der Anfangsverdacht einer fahrlässigen Baugefährdung", sagte die Oberstaatsanwältin Petra Hertwig. Deshalb seien Vorermittlungen eingeleitet worden.

Die Anklagebehörde wolle von Amts wegen Medienberichten nachgehen, denen zufolge Rauchgas-Ventilatoren unterhalb der Decken auf Technikbühnen installiert wurden, die angeblich doppelt so schwer seien wie ursprünglich geplant. Man werde sich dazu bei der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald die erforderlichen Unterlagen besorgen, sagte Hertwig.

Die Haupthalle ist gesperrt, die Bauarbeiten ruhen

Die Bauaufsicht hatte wegen möglicher Statikprobleme das gesamte Hauptgebäude gesperrt, das nach jüngster Planung im zweiten Halbjahr 2017 als Herzstück des neuen Flughafen Berlin Brandenburg (BER) in Betrieb gehen soll. Ein Statikbüro hatte das Problem bei einer Überprüfung entdeckt. Daraufhin riegelte die Flughafengesellschaft bereits am vergangenen Freitag von sich aus drei Teilbereiche im Fluggastgebäude ab. Diese befinden sich unter den verdächtigen Ventilatoren, die angeblich mehr als vier Tonnen statt genehmigter zwei Tonnen wiegen.

© dpa, Bernd Settnik Lesen Sie auch: Bauaufsicht stoppt Arbeiten am BER

Seit der Gebäudesperrung wird diskutiert, ob der Termin für die Flughafeneröffnung erneut gefährdet ist. An diesem Freitag trifft sich turnusgemäß der Flughafen-Aufsichtsrat. Der Aufsichtsratschef und Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) erwartet von der Geschäftsführung eine Ansage, wie es jetzt weitergeht. "Mit Sicherheit will der Aufsichtsrat einen Sachstand haben. Ob dieser schon den abschließenden Statikbericht beinhaltet, ist die Frage."

Die Flughafengesellschaft teilte mit, sie erarbeite wie angekündigt "derzeit die vom Bauordnungsamt geforderten Unterlagen zur Standsicherheit des Terminals". Zur Dauer dieses Verfahrens wollte sich ein Sprecher nicht äußern.

Reaktionen aus der Politik häufen sich

Die Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus beantragte eine Sondersitzung des Bauausschusses. Darin sollen Müller, Flughafenchef Karsten Mühlenfeld sowie Technikchef Jörg Marks befragt werden. In Brandenburg verlangte die oppositionelle CDU eine "ehrliche Bestandsaufnahme". Die jüngste Nachricht zementiere den Eindruck, dass man in der Region keinen Flughafen bauen könne, sagte Fraktionschef Ingo Senftleben.

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Grünen-Fraktionschef Axel Vogel bewertete den aktuellen Baustopp als weiteres Signal dafür, dass die Flughafengesellschaft mit dem Projekt überfordert sei. SPD-Fraktionschef Klaus Ness warnte dagegen vor voreiligen Schlüssen. Man könne die Konsequenzen noch nicht abschätzen und solle erst abwarten, was der beauftragte Gutachter zu den möglichen Statikproblemen sage. Sein Amtskollege von der Linken, der frühere brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers, äußerte die Hoffnung, dass der Flughafen jetzt eine Feststellungsklage einreicht, um die Verantwortung für die Probleme zu klären.

Fakten zum BER

Der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt soll die deutsche Nummer drei hinter Frankfurt und München werden. Er ist für bis zu 27 Millionen Fluggäste jährlich ausgelegt, ein Ausbau auf bis zu 45 Millionen ist genehmigt. Vier Eröffnungstermine wurden abgesagt, weil Planungsfehler und Baumängel abgearbeitet werden.
Der Neubau ersetzt den bestehenden Flughafen Tegel und den geschlossenen Flughafen Tempelhof, später auch Schönefeld. Bauherren sind Berlin, Brandenburg und der Bund. Die Kosten stiegen seit Baubeginn 2006 von zwei Milliarden Euro auf zuletzt 5,4 Milliarden Euro, teilweise wegen Projekt-Erweiterungen. Momentan streben die Verantwortlichen eine Eröffnung im zweiten Halbjahr 2017 an.

Von: ch, dpa
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