Erdogan legt Grundstein für neuen Istanbuler Großflughafen

In Istanbul ist der Grundstein für einen der größten Flughäfen der Welt gelegt worden. Ministerpräsident Erdogan nennt das Projekt ein «Siegesdenkmal». Strategisch liegt der neue Flughafen günstig. Lufthansa geht auf Distanz.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan legt am 8. Juni 2014 den Grundstein für den neuen Flughafen in Instanbul. - © © Ministerpräsident der Türkei -

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan legt am 8. Juni 2014 den Grundstein für den neuen Flughafen in Instanbul. © Ministerpräsident der Türkei

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Grundstein für den neuen Istanbuler Großflughafen gelegt, eines der ehrgeizigen Prestigeobjekte seiner Regierung. Es sei ein "historischer Tag" für Istanbul und für die Türkei, sagte Erdogan am Samstag vor einer jubelnden Menge. "Hier entsteht der größte Flughafen der Welt."

Die erste Bauphase des umgerechnet 22 Milliarden Euro schweren Projekts «Istanbul Yeni Havalimani» solle am 29. Oktober 2017 beendet sein, sagte Erdogan mit Blick auf den 94. Jahrestag der Staatsgründung der modernen Türkei. "Wir bauen hier nicht nur einen Flughafen, sondern ein Denkmal des Sieges", so Erdogan. Das Projekt zeige, wie weit es die Türkei gebracht habe und wo sie in der Welt stehe. Flughafengegner kritisiert er als "rückständig", sie hätten keine Vision, sich diesen Flughafen vorzustellen.

Wenn der Flughafen 2018 vollständig in Betrieb sei, würden jährlich 150 Millionen Passagiere abgefertigt. Insgesamt seien sechs Start- und Landebahnen geplant, es gebe Platz für 500 Flugzeuge. Der neue Flughafen soll als Heimatbasis für die größte türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines dienen.

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Strategischer Vorteil auf dem Weg nach Asien

Der dritte Airport der Metropole Istanbul macht auf den ersten Blick vor allen den anderen Großflughäfen in der Region wie Dubai, Katar und Abu Dhabi Konkurrenz. In Europa befürchtet man allerdings eine Umlenkung von Passagierströmen zu Lasten des eigenen Aufkommens. Strategisch liegt der neue Flughafen nämlich deutlich günstiger als die drei Flughäfen am Persischen Golf: Von Istanbul aus benötigt Turkish Airlines keine Langstreckenflugzeuge, um Passagiere etwa aus Deutschland abzuholen, damit sie über das neue Drehkreuz nach Asien weiterfliegen können.

Zudem unterliegt Turkish Airlines keinen Beschränkungen wie etwa Emirates, Etihad oder Qatar Airways, was die Landerechte hierzulande angeht. Bereits heute fliegt Turkish daher in Deutschland neben den großen Hubs zahlreiche Regionalflughäfen an und verbindet etwa Friedrichshafen, Münster-Osnabrück oder zukünftig vielleicht sogar Kassel-Calden und Karlsruhe/Baden-Baden mit Istanbul.

Lufthansa geht auf Distanz

Die Lufthansa Group geht aus Wettbewerbsgründen bereits auf Distanz zu ihrem Star-Alliance-Partner Turkish Airlines. So erhalten Kunden bei Flügen mit der türkischen Airline weniger Meilen gutgeschrieben. Auch das Codeshare-Angebot steht auf dem Prüfstand. Im Zuge der Planungen zu einer geplanten weitergehenden Partnerschaft zwischen Lufthansa und Turkish Airlines sollen die Deutschen zu dem Ergebnis gekommen sein, dass ihnen eine Liaison mit Turkish wenig bringe. Hintergrund neben der aktuellen Verkehrssituation sind die Ambitionen, die mit dem neuen Großflughafen einhergehen. Schlussendlich platzte die angestrebte "Verlobung".

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Der Istanbuler Großflughafen gehört dabei neben dem bereits begonnenen Bau einer dritten Brücke über den Bosporus und dem geplanten Kanal zwischen Marmara-Meer und Schwarzem Meer zu einer Reihe von Prestigeprojekten der Regierung. Den Auftrag zum Bau des Flughafens hatte sich im vergangenen Jahr ein türkisches Baukonsortium gesichert.

Von: airliners.de mit dpa, AFP

Datum: 10.06.2014 - 12:18

Adresse: http://www.airliners.de/erdogan-legt-grundstein-fuer-neuen-istanbuler-grossflughafen/32683