Ende der Zeitumstellung bedarf intensiverer Absprachen

07.06.2019 - 10:44 0 Kommentare

Die von der EU beschlossene Abschaffung der Zeitumstellung wird wohl länger dauern als angepeilt. Die Absprachen sind komplex und etliche Länder wollen die Auswirkungen besser untersuchen. Betroffen wäre auch der Luftverkehr.

Eine Abflugtafel an einem Flughafen. - © © dpa - Judith Michaelis

Eine Abflugtafel an einem Flughafen. © dpa /Judith Michaelis

Die Uhren in den EU-Mitgliedsländern werden voraussichtlich noch länger zwischen Sommer- und Winterzeit umgestellt als eigentlich geplant. Laut dem rumänischen Verkehrsminister Alexandru-Razavan Cuc benötigten die EU-Mitgliedsstaaten mehr Zeit für die nötigen Konsultationen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Im März hatte sich das EU-Parlament für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen, und zwar bereits ab 2021. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen die Umstellung nun umsetzen, was offenbar schwieriger wird, als von manchen erwartet.

Die EU kann nur bestimmen, ob die Zeitumstellung abgeschafft wird - sie kann ihren Mitgliedstaaten nicht vorschreiben, ob dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten soll. Möglich wären sogar unterschiedliche Regelungen in verschiedenen Ländern.

So will beispielsweise die deutsche Bundesregierung verhindern, dass einige EU-Staaten die Sommer- und andere die Winterzeit annehmen und favorisiert selbst die Einführung einer ganzjährigen Sommerzeit. Die Entscheidung möchte man aber in enger Abstimmung mit den Nachbarländern treffen, wie es zuletzt hieß.

Laut FAZ sehen Diplomaten das Vorgehen der EU-Kommission kritisch: So hätte es Ihrer Ansicht nach einer koordinierten Herangehensweise bedurft und außerdem seien die Folgen einer Abschaffung bisher noch gar nicht beleuchtet worden.

Viele Umstellungen in der Netzwerkplanung

Interessenvertretungen der Luftfahrtbranche wie die Iata und Airlines for Europe (A4E) erwarten im Zuge des Wegfalls der Zeitumstellung "deutliche Auswirkungen" auf die Branche und warnen vor einem Zeiten-Flickenteppich in Europa.

Aber auch bei einer koordinierten Abschaffung haben die Fluggesellschaften mit der Abschaffung Probleme. Zwar werden Flüge weltweit in der international einheitlichen UTC-Zeit koordiniert, allerdings sind die Slots bei vielen interkontinentalen Verbindungen schon seit Jahrzehnten an die Zeitumstellung angepasst.

Ein Beispiel des Flughafens München verdeutlicht die Herausforderungen, die eine Abschaffung der Zeitumstellung in der Flugplanung mit sich bringt: Aktuell landet ein Flug aus Hongkong immer morgens knapp nach dem Nachtflugverbot am Münchner Airport, und zwar unabhängig von Sommer- und Winterzeit. Entsprechend verändert sich der seit Jahren reservierte Abflug-Slot in Hongkong am Tag der Umstellung um eine Stunde.

© Flughafen München GmbH, Lesen Sie auch: München fürchtet Ende der Zeitumstellung

Würde die Zeitumstellung dauerhaft abgeschafft, müssten die Maschinen das ganze Jahr über um UTC plus acht (16 Uhr chinesischer Zeit) in Hongkong starten; allerdings zeigt der Blick in die aktuelle Tabelle der Slot Coordination, dass es dort nicht ganzjährig ein Zeitfenster zum Starten gibt. Der Flug muss in der Folge komplett umgeplant werden, was Auswirkungen auf das gesamte Netz an Umsteige- und Zubringerverbindungen mit sich bringt.

Von: br
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