Darum passen Emirates und Etihad zusammen - und darum nicht

21.09.2018 - 15:14 0 Kommentare

Erneut kommen Gerüchte über eine Fusion der beiden Golfcarrier Etihad und Emirates auf. Beide dementieren. Doch gänzlich jeder Grundlage entbehren die Spekulationen nicht.

Flugzeuge von Etihad (links) und Emirates. - © © Fotos: PR, Montage: airliners.de -

Flugzeuge von Etihad (links) und Emirates. © Fotos: PR, Montage: airliners.de

Die beiden Golf-Carrier Emirates und Etihad haben die aufgekommenen Gerüchte um eine Fusion zurückgewiesen. Eine Emirates-Sprecherin sagte nun zu "Reuters", dass daran nichts wahr sei - Etihad soll sich ähnlich geäußert haben. "Bloomberg" hatte berichtet, die ehemalige Air-Berlin-Großaktionärin werde durch die Konkurrentin übernommen.

Beide Golf-Carrier waren zuletzt deutlich zusammengerückt. Etihad-Chairman Mohammed Fadhel al-Mazrouei unterschrieb zu Jahresbeginn eine Erklärung, in operativen Bereichen mit Emirates enger zusammenarbeiten zu wollen. Demnach tauschen beide Airlines bereits Personal - am Boden und in der Luft - aus.

Nettogewinn in Millionen US-Dollar
Emirates Etihad
2013 3417 31
2014 4728 -1060
2015 7318 103
2016 1250 -1950
2017 2796 -1520

Quelle: Emirates, Etihad

"Bloomberg" zufolge soll diese Kooperation nun auch auf das Wartungsgeschäft ausgeweitet werden. Ohne Nennung konkreter Quellen heißt es in dem Bericht, dass die Gespräche noch in einem sehr frühen Stadium seien. Konkreter wird die Nachrichtenagentur nicht.

Es gab schon einmal eine gemeinsame Airline

Unklar ist zudem, wie sich eine tiefere Verzahnung oder gar Fusion beider Airlines auf die Machtverhältnisse in der Region ausweiten würden. Etihad, Flagcarrier des Emirats Abu Dhabi, ist Anfang der 2000er-Jahre als Gegenmodell zu der seit 1985 sehr erfolgreich operierenden Emirates aus Dubai entstand.

Dass nun die Herrscherfamilie aus Abu Dhabi, die qua Verfassung immer die Führung der Vereinigten Arabischen Emirate stellt, den politisch untergeordneten Emirates-Eignern den Vortritt lässt, halten Beobachter für ausgeschlossen. Zumal es mit der Gulf Air schon einmal ein gemeinsames Projekt gab, das durch die Austritte von Dubai (1985), Qatar (1993) und Abu Dhabi (2003) auseinanderbrach.

Abu Dhabi hat Öl - Dubai nicht

Nichtsdestotrotz spekulieren Branchenkenner schon seit Jahren über eine mögliche Übernahme. Denn: Etihad hat einen entscheidenden Vorteil. Abu Dhabi besitzt reiche Öl-Vorkommen; Dubai hingegen hat nicht einen Tropfen. Da beide Airlines in den vergangenen Jahren finanziell immer weiter unter Druck gerieten und schmerzende Verluste hinnehmen mussten, scheint eine enge Zusammenarbeit unausweichlich.

Wohl auch mit Blick darauf sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei einem Besuch Anfang vergangenen Jahres in der Region: "Ich bin sicher, dass wir am Golf mehr Rationalität sehen werden." Die Hubs von Emirates und Etihad liegen nicht einmal 150 Kilometer weit in einem Gebiet mit weniger Einwohnern als London auseinander.

Etihad sucht ein neues Geschäftsmodell

Eine Zusammenarbeit war bisher aber vor allem auch an den unterschiedlichen Geschäftsmodellen beider Airlines gescheitert. Wohingegen Emirates versucht, mit großen Flugzeugen (die Flotte besteht vor allem aus A380- und Boeing-777-Jets) möglichst viele Fluggäste über das Drehkreuz in Dubai zu fliegen, wollte Etihad lange den Verkehr am eigenen Hub über europäische Zubringer stimulieren.

Doch der vom ehemaligen Etihad-Chef James Hogan ausgearbeiteten Plan der Partner-Airlines scheiterte im vergangenen Jahr krachend: Air Berlin und Alitalia rutschten in die Pleite, die Beteiligung an Darwin Airlines in der Schweiz ("Etihad Regional") verkaufte der Golf-Carrier. Hogan wurde im Spätsommer 2017 durch Tony Douglas ausgetauscht.

Seit dem sucht Etihad nach einer neuen Strategie - und scheint offen für Emirates, wie das "Memorandum of Understanding" vom Jahresanfang zeigt. Gleichzeitig gaben sich die Araber jüngst eine neue Strategie, die vor allem die Beraterebene im Organigramm auflöste und jene Persönlichkeiten in die Führungsriege berief.

© dpa, Markus Scholz Lesen Sie auch: Etihad gibt sich eine neue Struktur

Von: cs, br
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