Hintergrund

Elektronischer Wegweiser für surrende Kleinflieger

21.09.2017 - 16:25 0 Kommentare

Drohnen können schnell zur Gefahr für Flugzeuge werden. Mit einer App will die Deutsche Flugsicherung Hobbypiloten nun Hilfestellung geben. Doch das soll in den kommenden Jahren nicht die einzige Maßnahme bleiben.

Die DFS hat eine App für Hobby-Drohnenpiloten entwickelt.

Die DFS hat eine App für Hobby-Drohnenpiloten entwickelt.
© dpa - Britta Pedersen

DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle.

DFS-Geschäftsführer Klaus-Dieter Scheurle.
© dpa - Britta Pedersen

Die Drohne sauste nur rund zehn Meter an der rechten Tragfläche vorbei, als der Pilot sie bemerkte. Der mit 114 Menschen besetzte Airbus A321 der Lufthansa war in Frankfurt gestartet und hatte an diesem Abend im August vergangenen Jahres zur Landung auf dem Flughafen München angesetzt, als es passierte.

Er war noch in 1700 Metern Höhe, als er beinahe mit einem Quadrocopter zusammenstieß, einem Fluggerät mit vier Rotoren. Wäre die Drohne in eines der Triebwerke geraten, hätte das einen Brand auslösen können.

Zwischenfälle wie dieser, bei denen Drohnen zur Gefahr für den Luftverkehr werden, häufen sich. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres verzeichnete die Deutsche Flugsicherung (DFS) 41 gefährliche Annäherungen von Drohnen an Flugzeuge, vor allem in Flughafennähe. Das waren mehr als doppelt so viele wie im Vorjahreshalbjahr (18). Das Jahr 2017 werde einen neuen Höchststand bringen, ist sich die DFS sicher.

Smartphone-App der DFS

Um die Zahl der Zwischenfälle zu verringern, hat die Flugsicherung nun eine Smartphone-App für Drohnenpiloten entwickelt. Für jeden Ort in Deutschland sagt diese auf Knopfdruck, ob Drohnen dort aufsteigen und wie hoch sie fliegen dürfen.

DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle: "Vielen ist nicht klar, dass sie mit ihren Drohnen zu einer ernsthaften Gefahr für den bemannten Luftverkehr werden können." Dennoch wolle die DFS niemanden vom Drohnenfliegen abhalten.

Foto: © dpa

Wir möchten die Drohnen nicht verhindern, sondern ihnen einen geordneten Weg in den deutschen Luftraum ebnen.

DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle

Häufig sind es Hobbypiloten, die aus Unkenntnis die gefährlichen Situationen verursachen. "Vater und Sohn, die mit ihrem neuen Copter auf ein Feld gehen und sagen: Jetzt schauen wir mal, was der so kann", sagt Christoph Bach, Vorsitzender des Bundesverbands Copter-Piloten (BVCP).

Gesetzeslage ist komplex

Gesteuert von einem ungeübten Piloten, könne die Drohne dann auch in Höhen steigen, in denen sie dem Flugverkehr gefährlich werde. Zudem müssten Hersteller unbedarfte Drohnen-Käufer bislang weder über eine Versicherung noch über die Gesetzeslage aufklären, kritisiert Bach.

Die ist nämlich einigermaßen komplex. Nach der im April in Kraft getretenen neuen Drohnenverordnung des Bundesverkehrsministeriums gilt, dass jeder, dessen Drohne schwerer als 250 Gramm ist, an ihr eine Plakette mit dem Namen des Besitzers anbringen muss. Ist die Drohne schwerer als zwei Kilogramm, braucht der Pilot ab 1. Oktober zudem einen Kenntnisnachweis - einen "Drohnenführerschein".

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Nicht über Nachbars Garten! Die Luftrechts-Kolumne (51)

Den stellen Institutionen aus, die das Luftfahrt-Bundesamt dazu akkreditiert hat. Bis jetzt haben aber gerade mal drei Firmen deutschlandweit die Zulassung erhalten. Dort dürfte es also einiges Gedränge geben - oder die Hobbypiloten fliegen ab Oktober unerlaubt.

Mindestabstand zu Airport-Zäunen

Höher als 100 Meter dürfen Drohnen generell nur mit Sondererlaubnis fliegen. An Flughäfen müssen die Piloten einen Abstand von 1,5 Kilometern zum Zaun einhalten. Verboten ist das Fliegen außerdem über Menschenansammlungen, Naturschutzgebieten, Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Industrieanlagen, Autobahnen, Gefängnissen, militärischen Objekten, Behörden - und generell bebauten Gebieten.

Es gibt also reichlich Orte, vor denen die Drohnen-App der DFS die Hobbypiloten warnen muss. "Wenn man auf der Karte rauszoomt, ist quasi ganz Deutschland rot", sagt DFS-Sprecher Christian Hoppe. Es gehe darum, dem Amateurpiloten zu zeigen, in welchen (kleinen) Bereichen Drohnenflug gefahrlos möglich sei.

Fluglotsen sollen Drohnen "sehen" können

Die App ist natürlich ein Angebot für "kooperative" Drohnenpiloten. Was aber ist mit "unkooperativen" Drohnen - etwa, wenn jemand seine Drohne losschickt, um ein cooles Foto von einem anfliegenden Passagierjet zu schießen? Diese müssten für die Luftfahrt sichtbar gemacht und die Piloten zur Rechenschaft gezogen werden, fordert die DFS.

© dpa, Felix Kästle Lesen Sie auch: Flugsicherung will Drohnen über Mobilfunknetz orten

Die Flugsicherung fordert deshalb, dass alle Drohnen einen Sender tragen müssen, der sie auf den Schirmen der Fluglotsen sichtbar macht. Außerdem müssten sie registriert werden. Sonst stochert die Polizei bei der Fahndung häufig im Nebel, wenn es zu einem Beinahe-Zusammenstoß wie in München kommt.

Sender soll ab 2019 eingebaut werden können

Zusammen mit der Deutschen Telekom hat die DFS einen Sender mit einer Sim-Karte entwickelt, der an Drohnen befestigt werden kann. In einer Kleinserie wurde dieser bereits gebaut, derzeit läuft die Erprobung. Bis Anfang 2019 soll die Technologie marktreif sein.

Einbauen werden sie - ehrliche - Drohnenpiloten auch dann aber wohl nur, wenn der Gesetzgeber eine Pflicht dazu dann auch gesetzlich vorschreibt. Immerhin: Auch der Drohnenpiloten-Verband BVCP unterstützt die Forderung nach einem Sender:

Wir glauben, das führt zu einem verantwortlicheren Fliegen.

Christoph Bach, Vorsitzender des BVCP
Von: cs, dpa
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