Flughafen managen - kann doch jeder

22.08.2016 - 13:51 0 Kommentare

Eine Kombination aus drei Faktoren definiert die Chancen von Flughäfen, sagt airliners.de-Herausgeber David Haße - und macht daraus in Gedanken ein komplexes Computerspiel. Leider wimmelt es darin nur so vor Frustmomenten.

So spaßig wie im Browserspiel Skyrama geht es im echten Leben eines Flughafenmanagers wohl eher selten zu. - © © Bigpoint -

So spaßig wie im Browserspiel Skyrama geht es im echten Leben eines Flughafenmanagers wohl eher selten zu. © Bigpoint

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Ich mag die Herausforderung, komplexe Zusammenhänge zu koordinieren. Wenn es die Zeit zulässt, beschäftige ich mich darum gerne mit Aufbausimulationsspielen am Computer wie etwa der Anno-Reihe oder SimCity. Zu schade, dass es so etwas nicht in halbwegs seriöser Form auch für das Management von Flughäfen gibt.

Vielleicht würde ein solches Spiel dazu beitragen, dass die Leute die komplexen politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge rund um Flughäfen und Regionen besser begreifen. In der Vorstellung Vieler machen Flughäfen nämlich ihren Flugplan einfach selbst: Der Flughafenchef muss dazu nur seine Flugzeuge zu den richtigen Ziele fliegen lassen und schon brummt der Laden - satte Gewinne inklusive. Kann doch nicht so schwer sein...

So oder so ähnlich sind dann auch die meisten Flughafen-Spiele aufgebaut. In einer realistischen Flughafen-Wirtschaftssimulation würde man als Spieler aber weder auf der grünen Wiese einen Megaflughafen schaffen, noch virtuell Flugzeuge zur Landung lotsen oder gar Flugtickets selbst verkaufen. Stattdessen würde man einen Flughafen vorgesetzt bekommen, samt einer Aufgabe, die man sich nicht aussuchen kann.

Alles hängt mit allem zusammen

Wie wäre es beispielsweise mit einem Regionalflughafen in einer wirtschaftlich unterdurchschnittlich performenden Region und dem Ziel, mindestens eine Hub-Anbindung zu schaffen und so drei internationale Großunternehmen in die Region zu locken? Oder der Spieler übernimmt einen Flughafen, dem gerade der Homecarrier abhandengekommen ist. Das Ziel: Möglichst schnell Ersatz finden und mindestens drei Viertel der Unternehmen im Flughafenumfeld halten.

Als zentrales Übersichts-Element könnte ein Diagramm mit drei Balken dienen, die von strahlend grün bis tief rot ausschlagen können. Balken eins zeigt dabei den aktuellen Grad der politischen Unterstützung (Betriebsbeschränkungen, Subventionen). Ein zweiter Balken bildet das wirtschaftliche Potenzial der Region wie Wirtschaft und Tourismus ab. Der dritte Balken schließlich veranschaulicht die Situation der wichtigsten Airlinekunden: Bauen sie aus oder ziehen sie sich zurück?

Nur wenn alle drei Indikatoren zusammen einen positiven Ausschlag ergeben, steigt die generelle Wertschöpfung in der Region - die in jeder Mission übergeordnete Zielvorgabe. Wenn nicht, muss nachjustiert werden. Dabei beeinflussen sich alle Komponenten gegenseitig und zahlreiche gesetzliche Vorgaben behindern die Kreativität.

Hier kommen nun die Berater ins Spiel. Das sind Leute, die ständig gute Ratschläge einbringen. Das können Politiker, Bürgerinitiativen, die Presse oder auch Mitarbeiter sein. Das Problem: Jeder erzählt etwas anderes, je nach politischer Großwetterlage und persönlichem Interesse. Der Spieler muss sehen, welche Ziele er sinnvollerweise verfolgen sollte.

Spaß macht das nicht immer

Ein Beispiel: Der wichtigste Airline-Kunde am Platz strauchelt und setzt sich zusammen mit der Landesregierung gegen einen weiteren Ausbau ein, der aber von anderen Airlines gefordert wird, um zu expandieren. Man hätte sogar das Geld zum Drauflosbauen, darf aber nicht. Verzwickt. Offenbar hat niemand außer dem Spieler selbst ein größeres Interesse am Flughafen. Komisch, denn das Wertschöpfungs-Barometer für die Region ist so grün wie es nur sein kann.

Ein weiteres Szenario, das schnell zu Frust führen kann: Der Spieler übernimmt einen neuen Regionalflughafen. Die Erwartungen sind hoch, das Geld fließt. Doch dann kommt eine Wirtschaftskrise und der wichtigste Airlinekunde streicht die Segel. Von nun an wird der Gegenwind von Runde zu Runde stärker. Niemand will mehr die operativen Kosten mittragen, obwohl die benötigten Zuschüsse nur ein Sechzigstel des Gesamthaushaltes der Region betragen. Game Over.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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