Eine freundliche Weihnachts-Übernahme

19.12.2016 - 11:27 0 Kommentare

Oh, Du fröhliche: Lufthansa übernimmt bei Air Berlin das Ruder. Ein vorweihnachtlicher Kommentar von airliners.de-Herausgeber David Haße über ungewöhliche Wendungen und süß klingende Monopol-Glöckchen.

Der Weihnachtsmann fliegt Lufthansa. Und bald auch Air Berlin. - © © Lufthansa -

Der Weihnachtsmann fliegt Lufthansa. Und bald auch Air Berlin. © Lufthansa

Jetzt ist es also soweit: Lufthansa übernimmt Air Berlin – quasi. Ohne Geld zwar, aber anders kann es nicht verstanden werden, wenn ein Top-Manager aus der Lufthansa Group zum CEO des ehemaligen Konkurrenten wird. Das ist recht ungewöhnlich, ich nenne es einfach mal eine "Übernahme mit freundlicher Unterstützung".

Möglich wurde das durch einen gewaltigen Sprung über den Schatten, wie ich die Annäherung der Lufthansa an Air-Berlin-Großaktionär Etihad am Freitag kommentiert habe. Meine Frage vor dem Wochenende: Wie passt ein Lufthansa-Codeshare mit Etihad in die formulierten Netzwerkpläne der neuen Air Berlin? Die Antwort nach dem Wochenende: Gar nicht.

Aber das muss es auch nicht. Air Berlin wird sich über kurz oder lang komplett einreihen in die wachsende Reihe der Eurowings-Partner. Rund 40 Flugzeuge sollen ab Ende März ohnehin schon für den Lufthansa-Billigflieger abheben. Nun kommen wohl bald auch noch 75 weitere dazu.

Oh, Du fröhliche

Warum Etihad sowas zulässt, fragen Sie jetzt? Damit verschenken sie Air Berlin doch quasi an die Lufthansa... Ich sage mal so: Wenn es nur darum geht, mit Air Berlin einen Partner für Amerika-Flüge aufzubauen und gleichzeitig von hier und da in Deutschland nach Abu Dhabi abzuheben… dann kann Lufthansa das auch, wahrscheinlich sogar besser.

Dann hebt eben zukünftig ein A330 "operated by Air Berlin" in Eurowings-Lack von Berlin Richtung Golf ab. So what? Und ein Etihad-Code auf einem Lufthansa-Flieger Richtung USA ist sogar noch viel besser. In Air Berlin gestecktes Geld, das letztlich zu einer Partnerschaft mit der größten europäischen Airline-Group führt: Aus arabischer Sicht gut investiertes Geld.

© AirTeamImages.com, Montage: airliners.de, TT (Lufthansa), Derek Pedley (Etihad) Lesen Sie auch: Lufthansa und Etihad arbeiten zusammen

Schon den Wetleasing-Deal mit Eurowings hatte ich vor ein paar Wochen als Win-Win-Win-Situation beschrieben und später dann gefragt, ob es sich Lufthansa überhaupt leisten kann, bei diesem Invest das Risiko eines Air-Berlin-Ausfalls einzugehen?

Nun ist die Antwort der Lufthansa da: "Keine Sorge, wir kümmern uns jetzt selbst drum, dass Air Berlin weiterfliegt." Für viele Mitarbeiter bei Air Berlin bedeutet Lufthansa daher also zunächst einmal Sicherheit. Fassen wir also zusammen: Lufthansa ist froh, Etihad ist froh, Air Berlin ist froh, drei Mal oh Du fröhliche.

Ihr Kinderlein kommet

Ryanair wird es dagegen ärgern. Dieser vorweihnachtliche Satz im Spiel um die Herrschaft über den Himmel über Deutschland ging an Lufthansa. Die kann in großen Schritten zur Billigflug-Konkurrenz aufholen und in Sachen Lowcost-Langstrecke sogar wirklich einmal in Führung gehen.

Und so ist die freundliche Übernahme bei Air Berlin nicht für alle eine süße Bescherung. Spätestens wenn die ein oder andere Asien-Langstrecke der Lufthansa nach Abu Dhabi wandert, während sich die klassische Lufthansa-Langstrecke auf den Atlantikverkehr reduziert, dürfte auch den Lufthansa-Piloten nicht mehr zum Singen zumute sein.

Am Boden hört man derweil schon die bittersüßen Monopol-Glöckchen klingen. Viele kleine und auch größere Flughäfen haben bald nur noch einen großen Kunden: Die Lufthansa. Ein Abhängigkeits-Zustand, der zuvor bei Regionalflughäfen und ihren oftmals wenigen Billigflieger-Kunden stets belächelt wurde. Spätestens nach der freundlichen Air-Berlin-Übernahme durch Lufthansa singen alle Flughäfen im Chor: "Ihr Kinderlein kommet".

Kritiker müssen ihre Einschätzung der Neukundenrabatte an Flughäfen wie Frankfurt jetzt wohl besser überdenken: Ryanair, bitte kommen! Mehr Norwegian in Düsseldorf: Her damit! Transavia-Ausbau in München. Wizz Air, Easyjet, Condor. Baut aus, aber bitte schnell. Die Flughäfen und die Passagiere brauchen jetzt eure "freundliche Unterstützung".

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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