Digital Passenger (30) ( Gastautor werden )

Ein Plädoyer für neue Kopfhöreranschlüsse im Flugzeug

30.10.2018 - 10:22 0 Kommentare

Unserem "Digital Passenger" Andreas Sebayang passiert es erstaunlich oft, dass im Flugzeug die Kopfhörerverbindung zum Inflight Entertainment nervt. Dabei müssen Wackelkontakte und kaputte Stecker nicht sein. Ein "anziehender" Lösungsansatz würde nämlich gar keine Buchse mehr benötigen.

Die Zubehörindustrie bietet Magnetanschlüsse für zahlreiche Steckverbindungen.  - © © airliners.de - Andreas Sebayang

Die Zubehörindustrie bietet Magnetanschlüsse für zahlreiche Steckverbindungen. © airliners.de /Andreas Sebayang

Es war mal wieder einer dieser Flüge. Ich sitze in einem Langstreckenflugzeug in der Eco und der Kopfhörerausgang an der Armlehne meines Sitzes funktionierte nicht so recht. Vermutlich hat einer meiner Vor-Passagiere unsanft am Stecker gezogen oder jemand hat sich an der Buchse mit eingestecktem Ohrhörer vorbeigequetscht. Egal wo der Klinkenausgang positioniert wird: irgendwie geht er immer kaputt - irgendwann.

Dabei hatte ich dieses Mal sogar noch Glück: Die Buchse war nur leicht verzogen. Also kam etwas Ton durch, offenbar aber nicht die Frequenzbereiche, die für menschliche Kommunikation wichtig sind. Was da analog passiert weiß ich als Digital Passenger nicht. Aber als Vielflieger weiß ich, wie ich mir helfe: Sanft mit dem Stecker rumspielen bis die Position gefunden ist, die einen halbwegs brauchbaren Ton ergibt. Das funktioniert auch mit Mono-Buchsen, die man so auf Stereo "hochskalieren" kann. Bei mir reichte dieses Mal ein leichter Druck nach unten und schon war alles in Ordnung.

Stecker sind keine Lösung

Das ist nervig und eine richtige Lösung ist das auch nicht. Aber gibt es überhauptüberhaupt eine Lösung?

Der bei Airlines noch immer beliebte 2-/3-Fach-Stecker leiert leider genauso aus wie eine einfache Klinke-Buchse. Entweder eben beim Stecker oder an der Buchse. Was gibt es noch? Große Klinke und XLR. Doch irgendwie glaube ich, dass selbst diese massiven Steckverbindungen von Passagieren kaputt gemacht werden. Zumal die Maschinen immer enger bestuhlt werden und es immer weniger Platz gibt, um an Kopfhörerkabeln vorbeizurutschen.

Man könnte jetzt argumentieren, dass eine digitale Übertragung hilft. Bei leichten Wackelkontakten vielleicht. Denn wenn eine Verbindung erstmal besteht, dann kommt auch ein (fehlerkorrigiertes) Signal durch, notfalls auf redundanten Wegen sowie mit neuen Steckverbindungen. Aber gegen völlig ausgeleierte Buchsen sind auch USB-Typ-C Audio, USB-Typ-C CDLA oder Lightning nicht immun. Bluetooth scheidet wegen der Kopplungsproblematik bei mehreren hundert Fluggästen ebenfalls aus.

Die Kraft der Magneten

Die Lösung? Die Luftfahrtbranche muss Magneten für sich entdecken! Erinnert sich noch jemand an die alten Macbooks? Da konnte man über die Stromversorgung stolpern und das Notebook bewegte sich allenfalls ein paar Zentimeter. Denn die Kabelverbindung war über Magneten gelöst. Stark genug, um vernünftig zu halten, schwach genug, um bei einem Ruck nachzugeben.

Das von Apple mittlerweile aufgegebene Konzept ist so beliebt, dass zahlreiche Zubehörhersteller es zwischenzeitlich auf USB C, Micro-USB und Lightning angewandt haben. In das Endgerät wird dabei beispielsweise nur ein USB-C-Stecker mit Magnetrückseite gesteckt. Das Kabel hat den entsprechenden Gegenpol verbaut und hält einigermaßen stabil Dank Magnetkraft. Zugegeben, USB-3-Geschwindigkeiten schaffen diese Verbindungen, die ich bisher kenne,nicht.Ich will im Flugzeug aber auch kein Smartphonebackup durchführen. Ich will nur Audio. Und dafür reicht das locker.

In der Luftfahrt könnte die Magnetfäche für diese neuartigen Kopfhörer sogar im Sitzbereich gleich integriert werden,samt leichter Vertiefung zur Stabilisierung. Jetzt fehlt nur noch das magnetische Gegenstück am Kopfhörer. Für die Noise-Canceling-Kopfhörer der Business Class ist das kaum ein Problem. Die stellt eh die Airline. Und alle Anderen in der Economy? Denen wird ein kleiner, günstiger Klinken-Magnet-Adapter verkauft. Alternativ gibt es für 3,50 Euro die Schrottohrhörer, die so manche Airline ihren Kunden zumutet - mit Magnetanschluss.

Wäre das nicht toll: Die Airline spart viel Geld, weil die Buchsen nicht mehr so oft teuer ausgetauscht werden müssten. Und der Passagier ärgert sich nicht mehr über defekte Kabelverbindungen.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: as
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