Ehemaliger Fraport-Chef Bender bläst zur Attacke

09.10.2013 - 10:21 0 Kommentare

Ex-Fraport-Chef Wilhelm Bender hat die deutsche Luftfahrtindustrie aufgefordert, endlich auf Offensive umzuschalten. Ansonsten könnte sie weiter ins Hintertreffen geraten, mahnte er.

Wilhelm Bender - © © dpa - Peter Kneffel

Wilhelm Bender © dpa /Peter Kneffel

Der frühere Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport AG, Wilhelm Bender, hat die hiesige Luftfahrtindustrie dazu aufgerufen, die Deckung zu verlassen und in den Angriffsmodus umzuschalten. Es müsse in Sachen Luftverkehr endlich der Meinungsführerschaft und Deutungshoheit von Interressengruppen und lautstarken Minderheiten entgegengetreten werden, sagte Bender gestern in Frankfurt. Anlass war das 50-jährige Jubiläum des Aircargo Clubs Deutschland (ACD) in den Räumen der LSG Sky Chefs am Frankfurter Airport, das dort gestern von rund 110 Mitgliedern und geladenen Gästen gefeiert wurde.

In seinen Ausführungen bezog sich Bender vor allem auf die wiederkehrenden Montagsdemonstrationen von Protestlern innerhalb des Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Diese fordern permanent die Stilllegung der neuen Nordwest-Landebahn und eine Ausdehnung des Nachtflugverbots. Ihre mediale Präsens sei beachtlich, dem bisher nur wenig entgegengesetzt worden sei, monierte Bender. Entsprechend reagiere die Politik, die sich aus Angst vor Stimmenverlusten bei Wahlen für Positionen zunehmend öffne, die von den Luftfahrtkritikern vertreten würden.

Der frühere Fraport-Chef erinnerte daran, dass es eine Vielzahl von Bürgerversammlungen zur Information der Menschen, ein Moratorium, ein verabschiedetes Planfestellungsverfahren und einen Beschluss des Kasseler Oberverwaltungsgerichts in Sachen Nordwest-Bahn und Nachtflugbeschränkung gebe. "Die Leute akzeptieren diese eindeutige Rechtslage aber zunehmend weniger, sondern stellen ihre individuellen Ziele als höherrangig dar". Das sei ein gefährlicher Trend, der den gesamten Luftfahrtstandort angesichts der herausragenden Bedeutung Frankfurts für die Wirtschaft Deutschlands nachhaltig beschädigen könne.

"Die Luftfahrtindustrie muss jetzt endlich auf Offensive umschalten, will sie nicht weiter in die Defensive geraten", riet Bender den anwesenden Airlinern, Spediteuren und Bodenabfertigern. Vor sieben, acht Jahren wäre ein Nachtflugverbot für Rhein-Main durch ein hiesiges Gericht noch sehr unwahrscheinlich gewesen, weil die Stimmung in Teilen der Bevölkerung nicht so aggressiv gegen diese Branche gewesen sei, meinte er.

Dass diese von der Politik unter ferner liefen eingestuft würde, machte der frühere Fraport-Manager am Beispiel der Luftverkehrssteuer klar. "Man hat sich das vermeintlich schwächste Glied aus der Transportkette herausgegriffen für die Steuer. An die Brummis hätten sie sich wegen deren starker Stellung nicht mit einem vergleichbaren Anliegen herangetraut".

In einem weiteren Vortrag verdeutlichte Vorstandschef Karl Ulrich Garnadt von der Lufthansa Cargo die Bedeutung des Luftverkehrs für die Arbeitsplätze und den Industriestandort Deutschland. Jeder einzelne Job, der beispielsweise in Frankfurt neu geschaffen wird, führt zu zwei weiteren im Umfeld des Flughafens. Er verwies auf die massiven Investitionen der Golfstaaten in Airport und Flotten ihrer Fluglinien. Dort hätte man Logistik und das Transportwesen als für die Gesamtwirtschaft strategisch entscheidende Branchen identifiziert. Entsprechen massiv würden diese staatlich gefördert. "Wollen wir in Deutschland und in Europa weiter wettbewerbsfähig bleiben, müssen wir die Ärmel ganz schnell aufkrempeln", riet Garnadt.

Von: Heiner Siegmund für airliners.de
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