Interview

"Easyjet hat genügend Puffer im Flugplan"

03.08.2018 - 14:34 0 Kommentare

Easyjet-Europachef Haagensen spricht im Interview mit airliners.de über Ausfälle, konservative Flugplanungen und warum der Billigflieger in Tegel nach Partnern sucht.

Thomas Haagensen:

Thomas Haagensen: "Europäer können sich nicht mehr frei bewegen." © Easyjet

Der Himmel über Europa scheint im Jahr eins nach Air Berlin mit Fliegern vollgestopft zu sein: Alle Airlines erhöhen massiv ihre Kapazitäten, schließlich werden jetzt die Kräfteverhältnisse der kommenden zwei Jahrzehnte abgesteckt. Billigflieger Easyjet beispielsweise ist am Ex-Air-Berlin-Hub Tegel eingestiegen. Europachef Thomas Haagensen erklärt im Interview mit airliners.de, wie das Wachstum zu Problemen führt - er sagt: "Gerade leidet unsere Stabilität."

airliners.de: Herr Haagensen, Eurowings und Ryanair stehen aktuell massiv wegen Verspätungen und Ausfällen in der Kritik, Easyjet hingegen nicht. Dabei beteuern ja alle Airlines, dass gerade vor allem das Wetter und die Fluglotsenstreiks die Planungen behindern. Bei Ihnen scheinbar nicht - was machen Sie anders?
Thomas Haagensen: Fluglotsenstreiks und Unwetter hatten bei uns natürlich auch einen Impact. Aber da wir vor allem in Berlin sehr den Fokus darauf legen, eine stabile und schon fast konservative Operations aufzubauen, haben wir genug Puffer im Flugplan und Anpassungsmöglichkeiten, um Verspätungen abzufangen. Aber: Es gibt nicht genügend Kapazitäten bei der Flugsicherung und da müssen auch wir ab und zu Flüge streichen. Wenn man immer Verspätungen hat, leidet die Stabilität.

Easyjet hat Beschwerde bei der EU eingelegt - warum?
Wie auch IAG, Ryainair und Wizz Air klagen wir dagegen, dass in manchen Ländern Fluglotsenstreiks fatale Auswirkungen auf Überflüge haben - normalerweise sind ja nur Starts und Landungen in einem Land betroffen. Dieser Zustand ist einfach nicht hinnehmbar. Besonders in Frankreich, der Mitte von Europa, ist das Problem elementar. Europäer können sich nicht mehr frei innerhalb ihres Staatenbundes bewegen, und damit haben wir ein Problem.

Zum Interviewpartner

Der Manager: Thomas Haagensen ist seit 2008 als Europachef von Easyjet für die Märkte Dänemark, Deutschland, Finnland, Osteuropa und Schweden zuständig. Der gebürtige Däne studierte Business Administration in Lausanne und arbeitete danach zunächst bei Tetra Pak. 2004 kam er zu Easyjet.

Die Airline: Easyjet ist nach Ryanair der zweitgrößte Low-Cost-Carrier in Europa. In Deutschland ist sie die viertgrößte Airline.

Easyjet in Deutschland
Angaben in Prozent
Berlin-Tegel 38.9
Berlin-Schönefeld 31.4
München 9.7
Stuttgart 5.5
Hamburg 4.7
Übrige Airports 9.8

Die Grafik zeigt die Verteilung der von Easyjet im Sommer angebotenen Sitzplatzkapazitäten ab deutschen Flughäfen. Angaben gerundet. "Übrige Airports" sind jene mit jeweils weniger als vier Prozent Anteil. Quelle: ch-aviation

Woran liegt es? Muss sich das Modell ändern?
Dass man auch die Strecken für die Planung von Kontrollkapazitäten miteinbezieht, ist ein Thema, das es schon seit Jahren gibt. Das könnte sicherlich optimiert werden. Und dann braucht es natürlich auch noch mehr Fluglotsen. Eurocontrol hat schon gewarnt, dass die Kapazität in diesem Jahr noch weiter zurückgeht. Das Thema muss Priorität sein!

Wie kann man das optimieren?
Beispielsweise könnten Strecken kürzer und direkt sein. Die Strecken im Himmel sind nicht immer sehr direkt - das könnte man verbessern. Das wäre auch für die Umwelt besser.

Machen wir thematisch einen Cut und blicken auf Ihr Umsteigeprogramm "Worldwide by Easyjet" - das sollte auch nach Berlin-Tegel kommen -, wie steht es da?
Umsteigen ermöglichen wir in Tegel schon - bislang nur von Easyjet zu Easyjet. Damit stoßen wir auf großes Interesse. Nur uns fehlen weitere Partner. 'Worldwide' ist eine sehr offene Plattform - wir sind für jeden offen.

Easyjet hatte im Frühjahr angekündigt, auch Langstrecken-Umstiege wolle man ab Sommer in Tegel ermöglichen …
Wie gesagt: Wir sind da offen. Wenn eine Airline interessiert ist, gehen wir gern eine Partnerschaft ein.

© airliners.de , Andreas Sebayang Lesen Sie auch: Billigflieger Easyjet macht in Tegel Tempo

Und noch ein thematischer Cut: der Brexit. Nach dem Referendum hat Easyjet die österreichische Tochter Easyjet Europe ins Leben gerufen und mehrere AOCs beantragt. Nun sieht es nach einem "weichen" Brexit" aus, der all das nicht notwendig macht. Hat Easyjet zu überstürzt reagiert?
Was wir gemacht haben, hat nichts mit 'hartem' oder 'weichen Brexit' zu tun, wir hatten Unsicherheit und wussten nicht, ob wir nach dem EU-Ausstieg im Frühjahr 2019 unseren Flugplan wie er jetzt ist, weiter fliegen könnten - dies betrifft vor allem innerdeutsche Routen. Diese Unsicherheit können wir uns nicht leisten und deshalb haben wir mit der Gründung von Easyjet Europe eine Versicherung abgeschlossen.

Also sind Sie gut aufgestellt?
Das auf jeden Fall. Wir sehen ja allein daran, weil auch andere Airlines unserem Beispiel folgen und Töchter gründen, dass wir den richtigen Weg gegangen sind. Aber Unsicherheit bleibt. Wir müssen bald den Sommer 2019 final planen und wissen nicht, was mit Flügen zwischen Europa und Großbritannien passieren wird. Wir sind optimistisch und jeder sagt uns, dass die Situation nach einem Brexit gut aussehen wird, aber eine Garantie gibt es nicht.

Herr Haagensen, vielen Dank für das Gespräch.

Von: cs, br
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