Easyjet Europe hebt ab

Die österreichischen Behörden geben ihr Okay für eine neue Easyjet-Tochter. Diese soll den inneneuropäischen Verkehr des Billigfliegers nach einem harten Brexit gewährleisten. Der Erstflug der Easyjet Europe ist schon terminiert.

Ein Airbus A320 von Easyjet vor den österreichischen Alpen. - © © AirTeamImages.com - Danijel Jovanovic

Ein Airbus A320 von Easyjet vor den österreichischen Alpen. © AirTeamImages.com /Danijel Jovanovic

Easyjet hat die vergangene Woche beantragte Betriebserlaubnis (AOC) für Österreich erhalten. Wie der britische Billigflieger nun mitteilte, hat das österreichische Luftfahrtamt Astro Control und das Verkehrsministerium die Genehmigung erteilt. "Der erste Easyjet-Europe-Flug findet heute statt", sagte Airline-Chefin Carolyn McCall. "Das bedeutet, dass unsere Flugrechte in Europa sicher sind, nachdem das Vereinigte Königreich die EU verlassen hat."

Easyjet hatte vergangene Woche angekündigt, eine Tochter in Österreich gründen zu wollen, um auch Flüge innerhalb Europas anbieten zu können, wenn die EU und Großbritannien nach dem britischen EU-Ausstieg kein umfassendes Abkommen für den Flugverkehr vereinbaren.

"Die Presse" berichtet, dass es zu einer solch schnellen Entscheidung kam, da sich unter anderem Österreichs Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und sein Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) dafür eingesetzt hatten, dass die von einem harten Brexit besonders bedrohte Billigfluglinie in die Alpenrepublik kommt.

Eine paneuropäische Airline-Gruppe

Easyjet Europe soll rund ein Drittel des Easyjet-Geschäfts übernehmen. Ob Mitarbeiter oder Flugzeuge in Wien stationiert werden sollen, sagte die Airline nicht.

Mit der angestrebten neuen Unternehmensstruktur werde Easyjet zu einer "paneuropäischen Airline-Gruppe mit drei Fluggesellschaften" in Österreich, der Schweiz und Großbritannien. Ausschlaggebend für Österreich als EU-Standort sind die "guten Erfahrungen" mit Austro Control gewesen, so Easyjet.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Wie man eine EU-Airline gründet Die Luftrechts-Kolumne (38)

Im nicht-EU-Land Schweiz betreibt Easyjet bereits eine eigene Airline. Alle anderen Easyjet-Basen sind derzeit mit britisch registrierten Flugzeugen im Betrieb. In Österreich betreibt die Airline aktuell keine Basis. Auch sonst spielt die Alpenrepublik im Flugplan der Easyjet nur eine untergeordnete Rolle. Laut Flugplandaten tangieren gerade einmal 0,5 Prozent der Kapazitäten im aktuellen Easyjet-Angebot Flughäfen in Österreich.

Brexit macht EU-Lizenz notwendig

Easyjet unterhält ein breit gefächertes Netzwerk über den ganzen Kontinent. Das schwache Pfund und die schwelende Unsicherheit rund um die möglichen Brexit-Folgen hatten dem Billigflieger stark zugesetzt. Zuletzt war der Ausblick wieder besser. Um auch nach dem Brexit weiter problemlos zwischen verschiedenen EU-Ländern fliegen zu können, benötigt die britische Airline zukünftig eine EU-Lizenz.

Bei einem harten Brexit scheint die Wiedereinführung von Marktzugangsbeschränkungen im Luftverkehr von und nach Großbritannien unausweichlich. Denn die Teilnahme an der sogenannten European Common Aviation Area (ECAA) ist auch für nicht-EU-Mitglieder - wie etwa Norwegen - an zahlreiche Bedingungen geknüpft, unter anderem an eine Binnenmarkt-Teilnahme.

© dpa, Andy Rain Lesen Sie auch: Brexit-Folgen für den Luftverkehr Apropos (12)

Alle zukünftig drei Easyjet-Airlines sollen als Tochtergesellschaften der britischen "easyJet plc" abheben, führte die Airline weiter aus. Diese werde wiederum ihren Sitz in Großbritannien haben, aber unter "EU-Eigentum und unter EU-Kontrolle stehen". Gleichzeitig werde man sich auch weiterhin um ein Luftfahrtabkommen zwischen der EU und Großbritannien bemühen, das "zumindest Flüge zwischen der EU und Großbritannien" ermögliche.

Auch die Billigfluglinien Ryanair steht nach dem Brexit-Votum vor weitreichenden Veränderungen. Ryanair ist zwar irisch und damit eine EU-Airline. Dennoch füllt die größte europäische Low-Cost-Airline aktuell rund 40 Prozent ihrer Kapazitäten in Großbritannien.

© Heathrow Airports Limited, Lesen Sie auch: Welche Folgen der Brexit für Reisende haben kann

Von: dh, cs, dpa

Datum: 20.07.2017 - 11:22

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