Interview

"Easyjet fehlt in Memmingen noch"

11.01.2019 - 07:07 0 Kommentare

Memmingens Flughafenchef Schmid erläutert im Interview mit airliners.de, wie 2018 lief, welche Airlines dem Airport verlässlich jetzt schon und welche in Zukunft Wachstum bringen. Und er erklärt die Bauarbeiten in diesem Jahr.

Eine A320 Neo von Easyjet. - © © AirTeamImages.com - Matthieu Douhaire

Eine A320 Neo von Easyjet. © AirTeamImages.com /Matthieu Douhaire

Der Flughafen Memmingen ist seit Monaten auf Wachstumskurs. Getragen wird dieser hauptsächlich von Billigflieger Ryanair. Die Iren stationieren ein zweites Flugzeug am Allgäu-Airport und wollen unter anderem mehr Flüge nach Mallorca anbieten. Hinzu kommt, dass dann einige Verbindungen aus dem Winter auch im Sommer fortgeführt werden können. Dass neue Strecken vermehrt im Winter kommen, sei ein Trend, der den Flughafen auszeichnet, konstatiert Airport-Chef Ralf Schmid im Gespräch mit unserer Redaktion.

airliners.de: Herr Schmid, wie lief 2018 in Memmingen?
Ralf Schmid:
Das Jahr lief ausgesprochen gut. Wir sind sehr zufrieden mit dem Wachstum durch die neuen Strecken. Wir liegen bei 1,49 Millionen Passagieren, also das dritte Jahr in Serie deutlich zweistelliges Wachstum. Hinzu kommen acht neue Verbindungen im Winter - sechs von Ryanair und zwei von Wizz Air. Das ist eher ungewöhnlich. Weil eigentlich ist es ja so, dass die Airlines die Strecken im Sommer aufnehmen, um weniger Risiko zu haben, und wenn die Routen 'eingeflogen' sind und sich rechnen, werden sie im Winter fortgeführt. Das ist jetzt bei uns anders. Ist natürlich auch ein kleiner Stresstest für uns - aber wenn die Strecken im Winter laufen, dann werden sie es im Sommer auch tun. Denn die vergangenen Jahre zeigen: Die Airlines bieten bei uns fast nur noch Ganzjahresstrecken an.

Sprich 2019 wird gut?
Im neuen Jahr werden wir trotz zwei wöchiger Schließung irgendwo bei 1,6 bis 1,7 Millionen Passagieren rauskommen. Also noch einmal ein Wachstum im zweistelligen Bereich. Das ergibt sich bislang aus den Flügen, die heute schon buchbar sind ...

... gesetzt den Fall, die Flieger bleiben nicht leer ...
... das werden sie nicht! Wir rechnen mit einer Auslastung von 85 Prozent plus X.

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© Flughafen Memmingen

Ralf Schmid ist seit 2002 Chef des Flughafens Memmingen. Sein aktueller Vertrag läuft noch bis 2020. Gleichzeitig ist er seit 2014 Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der regionalen Flugplätze e.V. (IDRF). Der studierte Bauingenieur Schmid hat selbst diverse Fluglizenzen - vom Segelflug- bis zum Berufspilotenschein.

Wie sehr freut sich der Flughafen Memmingen, dass bei einem benachbarten Airport der Ausbau in Form einer dritten Start- und Landebahn auf Eis liegt?
Da freuen wir uns natürlich nicht. Denn wenn an einem Flughafen ein Infrastrukturprojekt nicht umgesetzt werden kann, ist das grundsätzlich schlecht für die ganze Branche. Auf der anderen Seite ist es natürlich für die Flughäfen im Umfeld von München eine Chance ...

... also für Sie ...
... und Nürnberg und ganz im Osten vielleicht noch Salzburg - ... aufzuzeigen, dass wir heute schon eine Unterstützung für die Verkehre nach München und Oberbayern anbieten können. Insofern haben die Airline-Kunden die Qual der Wahl: Entweder suchen sie sich mühsam Slots in München, oder sie greifen beispielsweise hier in Memmingen zu und suchen sich aus, wann sie fliegen wollen.

Das war jetzt an Lufthansa gerichtet?
Nein. Nachdem auch Lufthansa erklärt hat, kurzfristig keinen Bedarf für eine dritte Piste in München zu sehen, gehe ich eher davon aus, dass die großen Airlines ihren Platz dort verteidigen werden. Das führt natürlich dazu, dass sie alle Slots in München besetzen werden, um den Platz für neue Wettbewerber zu minimieren.

Und da kommen Sie ins Spiel?
Genau. Es gibt ja noch andere Airlines außerhalb des Lufthansa-Konzerns. Und das sind jene Carrier, die wir schon in Memmingen haben, die wir aber noch stärker an uns binden wollen. Denn die agieren sehr profitabel und bringen uns Wachstum.

Neben Ryanair und Wizz Air wäre das ganz klar auch Easyjet, behaupte ich jetzt mal.
Da darf man auch Pobeda nicht vergessen - die Low-Cost-Tochter der russischen Aeroflot. Die Low-Coster sehen einfach, dass wir sehr schlanke Strukturen haben und kurze Umlaufzeiten und eine gute Kostenstruktur ermöglichen. Da sind wir im Wettbewerb gut aufgestellt - und erzielen trotzdem noch kostendeckende Einnahmen. Das lässt eben eine ganzjährig gute Auslastung zu.

Aber der Easyjet-Frage sind Sie jetzt ein wenig ausgewichen.
Natürlich fehlt eine Easyjet. Aber wir wissen auch alle, dass sich die großen Low-Cost-Carrier versuchen, nicht in die Quere zu kommen. Bei uns ist es historisch halt so, dass Ryanair und Wizz Air 2009 eingestiegen sind, als Tuifly ein bisschen schwächelte. Die haben der Gunst der Stunde genutzt - und Memmingen auch als Alternative zu München entwickelt. Die Liste könnte man aber ja genauso gut um weitere LCC ergänzen, wie zum Beispiel Transavia oder Eurowings.

Genau da wollen wir jetzt den Bogen wieder hinschlagen - wir hatten die dritte Bahn in München, kommen wir mal zu Ihrer Piste. Die soll verbreitert werden?
Unsere Piste ist fast drei Kilometer lang aber nur 30 Meter breit. Die Mittelstreckenflugzeuge, die bei uns operieren - also A320/21 und Boeing 737 - brauchen laut Hersteller eigentlich eine 45 Meter breite Piste. Heißt, in Memmingen fliegen wir seit jeher unter Einschränkungen. Das muss endlich geändert werden. Alle Verfahren sind dafür durch - im Laufe des Jahres kann das dann umgesetzt werden. Erst muss die Befeuerung erneuert werden und dann wird im September auf beiden Seiten 7,50 Meter mehr asphaltiert.

Dann sind Sie auf dem Status-Quo und man denkt in Richtung A330?
Wir sind ein Flughafen mit einer Zulassung der Kategorie 4D. Alle Flugzeugtypen, die in die Kategorie fallen, können dann bei uns fliegen. Aber regelmäßigen A330-Verkehr sehe ich noch nicht. Sicherlich wird ab und an mal ein großer Regierungsflieger bei uns landen oder ein Sondercharter oder ein Frachter. Solche Ad-hoc-Flüge werden einfacher und können auch mit einer besseren Verfügbarkeit abgewickelt werden.

Herr Schmid, vielen Dank für das Gespräch.

Von: cs
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