Easyjet gibt "Interessensbekundung" für Alitalia ab

01.11.2018 - 08:09 0 Kommentare

Alitalia fliegt nur noch wegen eines Staatskredits - nun macht die EU beim Verkauf Druck. Auch damit das Darlehen nicht in Gefahr gerät, geben Interessenten neue Angebote ab. Insgesamt gibt es drei Offerten.

Ein Airbus A319 von Alitalia. - © © Alitalia -

Ein Airbus A319 von Alitalia. © Alitalia

Easyjet ist weiterhin an einem Kauf der insolventen Alitalia interessiert. Man habe den Sonderverwaltern am Mittwochabend ein "überarbeitete Interessensbekundung" vorgelegt, heißt es in einer Mitteilung. Die EU-Kommission hatte die Frist gesetzt - andernfalls wollte sie den Staatskredit für Alitalia als illegale Subvention einstufen.

Easyjet schweigt zu den Details des Angebots. Allerdings machte Europe-Chef Thomas Haagensen noch in dieser Woche im Interview mit airliners.de klar, dass der Low-Coster nur an Übernahmen interessiert sei, durch die sie nicht das Geschäftsmodell des Billigfliegers ändern würde.

Nachdem die nationalistische Regierung in Rom eine "italienische Lösung" für Alitalia bevorzugt, sieht sich offenbar auch die Staatsbahn ermutigt, in den Prozess einzusteigen. Die Ferrovie dello Stato kündigte bereits am Dienstag ein Gebot für eine Mehrheitsbeteiligung an. Allerdings gab das Unternehmen nicht an, welchen Anteil es an Alitalia halten will.

Lufthansa will nur restrukturierte Alitalia

Die staatlichen Sonderverwalter bestätigten am Mittwochabend, dass zwei verbindliche Angebote und eine "Interessenbekundung" eingegangen seien. Allerdings nannten sie keine Namen, wer konkret für den ehemaligen Staatscarrier bietet. "Reuters" spekuliert, dass es sich dabei neben dem festen Gebot der Bahn und der loseren Absichtserklärung von Easyjet um eine Offerte von Delta Air Lines handelt.

"In den kommenden Tagen werden die Commissioners die eingegangenen Unterklagen eingehend prüfen und anschließend ihre Entscheidungen an das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung weiterleiten", heißt es in einer Erklärung.

Staatliche Investoren wollen Alitalia nicht

Immer wieder war vor allem der Lufthansa-Konzern als Käufer im Gespräch. Eine Übernahme durch den Kranich schien lange als ausgemachte Sache. Allerdings stellten mehrere Manager nach den Ankündigungen von Italiens Regierung klar, dass Lufthansa nur an einer restrukturierten Alitalia interessiert seiNachdem sich für den Plan, Alitalia komplett an einen nationalen Investor zu verkaufen, kein Interessent fand, schwenkte Rom um: Der Carrier sollte nur noch zum größten Teil Italienisch bleiben - ausländische Investoren könnten also einen Minderheitsanteil halten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte noch am Dienstag, dass man nicht Co-Investor der Airline werde.

Lufthansa konzentriert sich auf Air Dolomiti

Lufthansa verfolgt zudem in Italien inzwischen eine andere Strategie: Statt auf ein Investment bei Alitalia zu hoffen, setzt der Konzern auf seine italienische Beteiligung Air Dolomiti. Die Präsenz in Italien - dem nach eigenen Angaben zweitwichtigsten Auslandsmarkt von Lufthansa - will man laut Spohr durch Air Dolomiti ausbauen.

Diese hat bislang nur einen verschwindend geringen Anteil am italienischen Markt, doch soll der Carroet ab dem kommenden Jahr für einen dreistelligen Millionenbetrag ausgebaut und die Flottenstärke verdoppelt werden. Zudem arbeitet Air Dolomiti an einer eigenen Flugakademie.

Airlines in Italien
Angaben in Prozent
Ryanair 24.7
Alitalia 22.7
Easyjet 10.2
Vueling 3.5
Lufthansa 3.1
Übrige Airlines 35.8

Die Grafik zeigt die Verteilung der von verschiedenen Airlines ab italienischen Airports angebotenen Sitzplatzkapazitäten im laufenden Winterflugplan. Angaben gerundet. "Übrige Airlines" sind jene mit jeweils weniger als drei Prozent Anteil. Quelle: ch-Aviation

Auch Ryanair - immerhin größter Player in Italien - war zwischenzeitlich als Käufer von Alitalia im Gespräch. Im Interview mit airliners.de äußerte sich Carrier-Lenker Michael O'Leary kürzlich nicht eindeutig, ob man Interesse an Alitalia habe.

Staatskredit sichert Operations

Die ehemalige Staatsairline war im Frühjahr 2017 nach einem gescheiterten Sanierungsversuch aus eigener Kraft in die Pleite gerutscht. Sie wurde unter staatliche Sonderverwaltung gestellt, was im Deutschen einem Insolvenzverfahren entspricht.

Zusätzlich genehmigte Rom der Airline einen inzwischen milliardenschweren Kredit, der seit dem die Operations der Alitalia sichert. Die Frist für die Rückzahlung wurde immer wieder nach hinten verlegt.

© dpa, Lesen Sie auch: Kredit: Alitalia soll mehr Zeit bekommen

Von: cs
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