Easyjet wechselt innereuropäisch den Flugcode

Exklusiv 25.09.2018 - 14:06 0 Kommentare

Vorbereitungen für den Brexit: Innereuropäische Flüge wird Easyjet ab dem kommenden Jahr unter einem anderen Flugcode durchführen. Indes skizziert die britische Regierung die konkreten Folgen eines unkontrollierten EU-Ausstiegs für den Luftverkehr.

A319 von Easyjet. - © © AirTeamImages.com - Niels Herbrich

A319 von Easyjet. © AirTeamImages.com /Niels Herbrich

Easyjet wird alle innereuropäischen Flüge ab dem kommenden Jahr unter dem Flugcode EJU (ATC-Callsign Alpine) durchführen. Eine Sprecherin sagte zu airliners.de: "Der Flugcode EJU wurde ausgewählt, weil es der passendste verfügbare Code für unsere Tochter Easyjet Europe war." Bislang fliegt die österreichische Division ebenfalls unter dem Easyjet-Flugcode "EZY".

Doch Flüge zwischen Großbritannien und den anderen 27 EU-Staaten werden nach dem 30. März 2019 kompliziert. Sollte kein umfassendes Scheidungsabkommen in Kraft treten, wären die Luftverkehrsmärkte getrennt - eine britische Airline dürfte ohne Weiteres weder in der EU landen noch Flüge zwischen einzelnen EU-Staaten durchführen.

London veröffentlicht Dokumente

Dass es so hart kommen könnte, stellt nun die Regierung von Premierministerin Theresa May heraus. In rund 80 zu Wochenbeginn veröffentlichten Dokumenten warnt sie eindringlich vor den Folgen eines "harten" Brexits für den Luftverkehr.

So will London, dass der Flugverkehr zwischen Großbritannien und der EU grundsätzlich uneingeschränkt bleibt. Andernfalls gäbe es "massive Störungen im Luftverkehr". Zudem sollen EU-Passagierrechte in britisches Recht übertragen werden und damit weiterhin gelten. Bislang waren die Folgen eines unkontrollierten Austritts der Briten noch nicht so klar formuliert.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Was kommt nach dem Brexit? Luftrechtskolumne (63)

So sind sich EU und Großbritannien in nur einem Punkt einig: Dass man uneinig ist. In vielen substanziellen Fragen, wie der Frage nach einem eventuell gemeinsamen Wirtschaftsraum, gab es zuletzt keinerlei Annäherung.

Eigentlich war anvisiert, ein umfassendes Abkommen für die Zeit nach dem 30. März 2019 beim EU-Gipfel im Oktober von allen Staats- und Regierungschefs unterschreiben zu lassen. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel spricht inzwischen von einem Sondergipfel im November, auf dem man den Scheidungsvertrag "finalisieren" will.

Airlines suchen Lösungen

Einige britische Airlines formten bereits eigene Lösungen, um auch bei einem wilden Brexit nicht einen Einbruch im Geschäftsmodell zu erleiden. "Natürlich träfe ein solcher Fall nicht nur britische Carrier, allerdings könnten gerade die Billigflieger Easyjet und Ryanair sowie die IAG, weil sie den Großteil ihres Geschäftes auf der Insel haben, durch einen harten Brexit stark unter Druck geraten", so Gerald Wissel von Airborne Consulting.

Dass sowohl Easyjet als auch Ryanair bereits ihre Kapazitäten deutlich vom britischen Markt entfernt haben, zeigen folgende beide Grafiken. Sind die Werte für die innerbritisch angebotenen Sitzplätze von 2016 und 2018 noch gut vergleichbar, klafft im Verkehr von und nach Großbritannien zwischen beiden Jahreswerten eine deutliche Lücke:

Kapazitätsverteilung von Easyjet und Ryanair

2016
innerbritisch von/nach Großbritannien sonstige Verbindungen
Easyjet 9.2 57.1 33.7
Ryanair 1.6 38.3 61.7
2018
innerbritisch von/nach Großbritannien sonstige Verbindungen
Easyjet 7.32 29.51 63.17
Ryanair 0.97 18.29 80.74

Die Grafiken zeigen die prozentuale Verteilung der von Easyjet und Ryanair von Juli bis Dezember 2016 (links) und 2018 angebotenen Sitzplatzkapazitäten hinsichtlich des britischen Markts. | Quelle: ch-Aviation

Kapazitätsverlagerungen sind aber nicht der einzige Schritt, wie Easyjet und Ryanair dem Brexit begegnen: Während die Briten alles dafür tun, eine neue Tochter-Airline in einem Mitgliedstaat der EU-27 aufzubauen, behelfen sich die Iren mit einem einfachen Trick:

Easyjet

Easyjet legt sein Geschäft auf drei Airline-Betriebe, um die Brexit-Folgen abzufangen: Easyjet, Easyjet Europe und Easyjet Switzerland. Alle drei treten unter dem Markennamen Easyjet auf.

  1. Der bisher als Easyjet operierende britische Flugbetrieb hat inzwischen ein britisches AOC beantragt und von den Behörden erhalten, denn: Easyjet UK soll im dortigen Markt operieren.
  2. Um auch die Europäische Union weiter abdecken zu können, hat Easyjet vergangenes Jahr einen österreichischen Ableger samt AOC gegründet (Easyjet Europe) und will noch in diesem Jahr 180 Flugzeuge dorthin umregistrieren lassen.
  3. Zudem existiert die Easyjet Switzerland, die das Geschäft in der Schweiz abdecken soll.

Ryanair

Konkurrentin Ryanair will da einen viel einfacheren Weg gehen: Airline-Chef Michael O'Leary kündigte bei Vorlage der Jahreszahlen in dieser Woche an, dass man höchstwahrscheinlich die Stimmrechte von Aktionären aus Nicht-EU-Staaten begrenzen müsse, um als EU-Airline zu gelten. Den britischen Markt verliert Ryanair aber nicht aus den Augen: Über Ryanair UK will man gegebenenfalls auch dort operieren können.

Airline-Vertraute berichten, dass diese Strategie allerdings aktuell zu einer Spaltung des Verwaltungsrats führe. Auf der einen Seite gebe es die "O'Leary-Jünger", die blind ihrem Chef und seinem über viele Jahre sehr erfolgreichen unkonventionellen Weg folgten. Auf der anderen Seite mehrten sich aber auch jene Stimmen, die einen Strategiewechsel forderten - so, wie er sich aktuell durch Gespräche mit Gewerkschaften auch schon abzeichne.

Von: cs
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