Easyjet hofft trotz Brexit auf EU-Luftverkehrsbinnenmarkt

24.06.2016 - 16:13 0 Kommentare

Nach dem "Ja" zum Brexit will sich Easyjet für einen Verbleib Großbritanniens im EU-Luftverkehrsbinnenmarkt einsetzen. Keine andere britische Airline ist vom EU-Open-Sky ähnlich abhängig. Das weiß auch die Börse.

Easyjet-Chefin Carolyn McCall. - © © dpa - EPA/OLAF KRAAK

Easyjet-Chefin Carolyn McCall. © dpa /EPA/OLAF KRAAK

Großbritannien hat sich in einem Referendum für den Ausstieg aus der EU entschieden. Für eine Fluggesellschaft sind die Folgen des Brexits besonders unberechenbar: Easyjet. Keine andere britische Fluggesellschaft profitiert vom Open-Sky im EU-Luftraum so wie die zweitgrößte Lowcost-Airline des Kontinentes.

In einem knappen Statement zeigte sich Easyjet zuversichtlich. Der Brexit werde "keine wesentlichen Auswirkungen" auf die Strategie der Airline haben. Zunächst werde man sich darum bemühen, einen Verbleib Großbritanniens im EU-Luftverkehrsbinnenmarkt sicherzustellen.

Das allerdings scheint fraglich. Denn die Teilnahme an der sogenannten European Common Aviation Area (ECAA) ist an zahlreiche Bedingungen geknüpft, inklusive Binnenmarkt-Teilnahme - ein rotes Tuch für Brexit-Befürworter.

Dem ist sich auch Easyjet bewusst. Man werde ebenfalls "alternative Möglichkeiten entwickeln, um das bestehende Netzwerk und Betriebsabläufe vollständig aufrecht zu erhalten", teilte die Airline weiter mit.

Umzug in die EU ist eine Option

So könnte Easyjet zum Beispiel in einem EU-Land einen neuen Luftfahrtbetrieb eröffnen. Wie das umzusetzen wäre, steht allerdings noch in den Sternen. EU-Airlines dürfen nämlich nicht mehrheitlich von außerhalb der EU bestimmt werden - ein Problem, dass sich mit dem Brexit auch für die in London ansässige International Airlines Group (IAG) ergibt.

Was daher bleibt, ist eigentlich nur noch ein Komplett-Umzug in die EU. Easyjet-Chefin Carolyn McCall hatte sich vor der Abstimmung bereits entsprechend geäußert.

Easyjet-Tochter in der Schweiz

In der Schweiz hat Easyjet bereits eine eigene Operations aufgebaut. Insgesamt 23 Flugzeuge fliegen als "Easyjet Switzerland SA" von Basel und Genf aus und bedienen ein dichtes Streckennetz über ganz Europa. Die Schweiz ist nicht Teil des ECAA, hier gelten bilaterale Regelungen mit der EU.

Wenn die ECAA-Teilnahme Großbritanniens scheitert, gibt es für Easyjet auch kaum eine andere Möglichkeit, als zumindest größere Teile der Flotte nicht mehr in Großbritannien zu registrieren. Ansonsten müsste die Airline auf gut ein Drittel ihres Marktes verzichten.

So groß ist der Anteil der Kapazitäten, die die britische Easyjet derzeit zwischen anderen EU-Staaten anbietet. Im Falle eines Ausschlusses vom EU-Open-Sky würden die Möglichkeiten wegbrechen. Flüge etwa zwischen Deutschland und Frankreich wären dann für britisch registrierte Airlines tabu.

Weitere 57 Prozent der Sitze bietet Easyjet derzeit im Verkehr zwischen Großbritannien und anderen Ländern an - vorwiegend EU-Länder. Diese Verkehrsrechte müssen von Großbritannien in zahlreichen bilateralen Verträgen neu verhandelt werden. Nur knapp über neun Prozent der Kapazitäten entfallen auf innerbritische Flüge.

Easyjet-Kapazitäten
Kapatität
auf Strecken inner-UK 9.2
auf Strecken von/nach UK 57.1
auf anderen Strecken in Europa 33.7

Quelle: ch-aviation (angebotene Sitzplatzkapazitäten 07-12/2016)

© dpa, F. Arrizabalaga, Lesen Sie auch: Luftfahrt bereitet sich auf Brexit vor

Easyjet ist durch den Brexit in der nächsten Zeit auf jeden Fall sehr beschäftigt und muss Managementkapazitäten sowie gewaltige Ressourcen in die Aufarbeitung der Folgen stecken. Das macht sich auch an der Börse bemerkbar. Am Tag nach dem Brexit-Referendum brach der Aktienkurs der Airline um teilweise mehr als ein Viertel ein.

Aber auch andere Airlines wurden von den Börsenhändlern abgestraft. Der Ryanair-Kurs brach bis zum Nachmittag um rund 15 Prozent ein, Das IAG-papier verlor 23 Prozent und auch Air France/KLM (minus zwölf Prozent) sowie Lufthansa (minus neun Prozent) mussten Verluste hinnehmen.

Von: dh
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