Haarrisse im Flügel

EASA schickt alle A380 zur Inspektion

08.02.2012 - 16:59 0 Kommentare

Nach feinen Rissen in den Tragflächen mehrerer Airbus A380 sollen nun alle Maschinen dieses Typs einem Sicherheitscheck unterzogen werden. Das ordnete die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) an. Die Sicherheitsbehörde weitete damit ihre Anordnungen auf sämtliche A380 aus.

Airbus A380 in einem Wartungshangar - © © AirTeamImages.com - Gabriel Savit

Airbus A380 in einem Wartungshangar © AirTeamImages.com /Gabriel Savit

Wegen der Risse an den Tragflächen mehrerer Airbus A380 müssen nun alle Maschinen des Typs zum Flügel-Check. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA weitet die Prüfanweisung von knapp einem Drittel der Flugzeuge auf alle Maschinen des Typs aus, wie ein Sprecher am Mittwoch in Köln sagte. Statt 20 Exemplaren müssen damit nach derzeitigem Stand 68 der doppelstöckigen Riesenflieger zum Check. Dieser sei spätestens nach 1.300 Starts und Landungen oder bei der nächsten routinemäßigen Kontrolle vorzunehmen, sagte der EASA-Sprecher.

Seit der ersten Wartungsanweisung Ende Januar hat Airbus bereits die am stärksten beanspruchten Exemplare des Flugzeugs unter die Lupe genommen. "Die ersten acht Flieger mit mehr als 1.800 Flugzeugzyklen haben wir durch", sagte ein Airbus-Sprecher. Die übrigen der ersten 20 seien noch in Arbeit. Danach seien die Exemplare an der Reihe, die als nächste die 1.300 Starts und Landungen erreichten. Für sie gilt eine Frist von sechs Wochen, wie die EASA sie schon bisher bei dieser Flugleistung festgesetzt hatten. Laut Airbus sind die Maschinen bei 1.300 Flügen im Schnitt gut zwei Jahre alt.

Für Check und Reparatur müssen die Fluggesellschaften laut Singapore Airlines zwei bis drei Tage einrechnen. Für die Kosten der Instandsetzung kommt Airbus auf. Über Zahlungen für den Ausfall der Maschinen wollten sich beide Seiten nicht äußern.

Dabei ist es möglicherweise nicht die letzte Reparatur, die den Maschinen bevorsteht. Derzeit werden gerissene Klammern ausgetauscht, die die Rippen in den Flügeln zusammenhalten. "Die Reparatur ist eine Zwischenlösung. Wir arbeiten an einer Dauerlösung, die wir für Sommer 2012 erwarten", sagte der Airbus-Sprecher. Die Sicherheit der Maschinen sei durch den Mangel allerdings nicht gefährdet. Es handle sich nicht um tragende Teile.

Die Risse waren Anfang Januar bekanntgeworden. "Wenn der Mangel nicht entdeckt und behoben wird, kann er möglicherweise die Stabilität des Flugzeugs beeinträchtigen", hatte die EASA wenig später gewarnt. Der Chef der EADS-Tochter Airbus, Tom Enders, führte den Mangel auf Material- und Fertigungsfehler zurück.

Betroffen von den Rissen sind die Fluggesellschaften Qantas und Singapore Airlines sowie drei Testflugzeuge. Auch die Lufthansa sowie die Fluggesellschaften Emirates, China Southern, Korean Air Lines und Air France-KLM haben die A380 im Einsatz.

Ein Sprecher von Singapore Airlines sagte, die ersten acht A380 aus der Flotte der Fluggesellschaft seien bereits überprüft. Zwei weitere seien in den kommenden Wochen an der Reihe. Insgesamt hat Singapore Airlines 15 A380 in Betrieb. Die Lufthansa bestätigte, dass sie ihre acht A380 ebenfalls nach und nach zur Überprüfung schicken muss. "Unsere erste Maschine hat 900 Flüge absolviert", sagte ein Sprecher von Europas größter Fluggesellschaft. Die 1.300 Flüge seien also in Sicht. Die Wartung der Lufthansa-Maschinen solle so eingetaktet werden, das kein A380-Flug ausfällt.

Mit den Problemen an einer A380 der australischen Fluggesellschaft Qantas hat die verschärfte Kontrollanweisung der EASA zufolge nichts zu tun, wie der Sprecher der Aufsichtsbehörde betonte. Qantas hat gerade eine A380 aus dem Verkehr gezogen, weil Mechaniker 36 Haarrisse in der Tragfläche entdeckt hatten. Die Maschine solle nach Reparaturen in der kommenden Woche wieder zum Einsatz kommen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Es handle sich dabei um einen Fertigungsfehler, jedoch um einen anderen als denjenigen, der den jetzigen Flottencheck bei der A380 ausgelöst hatte.

Probleme auch bei Boeing

Auch Boeing kämpft mit Herstellungsproblemen. So musste der Airbus-Konkurrent am Montag einen Fehler im Heckbereich der Boeing 787 einräumen. Demnach lösten sich bei einigen Maschinen Teile von Verbindungsstreben, die die weitestgehend aus kohlefaserverstärkten Kunststoff gefertigten Rumpfteile zusammenhalten sollen. Derzeit wird untersucht, welche Flugzeuge überholt werden müssen. Bislang setzt einzig ANA fünf Boeing 787 ein.

Von: dpa-AFX, airliners.de
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