EASA: Köln ist Europa-Zentrale für Flugsicherheit

28.12.2006 - 10:00 0 Kommentare

Köln (dpa) - Ein Arbeitsplatz in luftiger Höhe mit einem wunderbaren Ausblick auf den Kölner Dom: Das Büro im 15. Stock des Hochhauses am Rhein passt gut zu Norbert Lohls Job. Der 57-Jährige ist Spezialist für die Sicherheit von Flugzeugen und Zertifizierungs- Direktor der seit zwei Jahren in Köln ansässigen Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Der Ingenieur ist verantwortlich für die Zulassung «luftfahrttechnischer Produkte» wie zuletzt des Super- Airbus A380, des größten Passagierflugzeugs der Welt.

Die Materie, mit der Lohl sich beschäftigt, ist ebenso komplex wie die anderen Aufgaben der Behörde mit rund 300 Mitarbeitern. Unzählige Vorschriften, Aktualisierungen, Inspektionen, Standardisierungen sowie viele Sprachen gehören dazu. Die EASA-Mitarbeiter kommen aus 19 unterschiedlichen EU-Staaten. Die Behörde arbeitet für die EU sowie für Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz. Lohl ist einer von fünf EASA-Direktoren aus vier Ländern, Chef ist der Franzose Patrick Goudou. Gesprochen wird meist englisch, publiziert in jeder EU-Sprache.

Prominentestes Projekt der EASA war die im Dezember abgeschlossene «Muster-Zulassung» der A380. «Das macht mich sehr stolz. Entscheidend ist, dass wir ein internationales Team zusammengeführt haben und zentral für Europa so ein Projekt durchgeführt haben», sagt Lohl. Der Zulassungsprozess begann 1998 in Frankreich, 2003 übernahm die neu gegründete EASA. 42 Experten prüften die Riesenmaschine in Hunderten von Flugstunden und Inspektionen. Lohl nennt Seitenwind-Tests über Island, Kälte-Checks über der Arktis oder Höhen-Tests auf hoch gelegenen Flughäfen in Südamerika.

Im Kölner «EASA-Tower» selbst gibt es keine Praxis-Checks. Aber die Experten - oft Ingenieure mit Pilotenerfahrung - sind weltweit im Einsatz, um vor Ort zu überwachen und mitzuarbeiten wie etwa beim großen Evakuierungs-Test der A380.

Eine derart aufwendige Zulassung kostet nach Angaben von Daniel Höltgen, Leiter Kommunikation und Außenbeziehungen, im Jahr rund eine Million Euro. Das Jahres-Budget der EASA betrage rund 70 Millionen Euro, etwa die Hälfte kommt von der EU, der Rest aus Einnahmen aus Zulassungen. Ziel der EASA ist laut Agentur-Broschüre «die Förderung der höchstmöglichen gemeinsamen Sicherheits- und Umweltstandards in der Zivilluftfahrt». Das heißt, so Höltgen, die Behörde ist für die «Flugsicherheit» zuständig, nicht für die «Luftsicherheit» wie etwa Anti-Terrormaßnahmen. Unter anderem ist die Schaffung von Standards EASA-Aufgabe, für die Umsetzung aber sind nationale Behörden wie das Luftfahrtbundesamt verantwortlich.

2004 zog die EASA nach einem EU-Ratsbeschluss von Brüssel nach Köln um. «Ein Glücksfall für Deutschland, Nordrhein-Westfalen und Köln», sagt Höltgen. Die Mitarbeiterzahl stieg von 87 auf 300, künftig sollen es einmal 600 sein. Für Lohl ist Köln «eine der drei Hauptstädte der Weltluftfahrt» - neben Montreal (Sitz der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO) und Washington (Sitz der US-Luftfahrtbehörde FAA).

Noch immer ist beim Thema Flugsicherheit eine Menge zu tun. Die EASA möchte einen größeren Zuständigkeitsbereich. «Es gibt noch nicht einmal europäische Statistiken für Unfälle», sagt Höltgen: «Wir brauchen eine allgemeine Sicherheitszulassung durch uns für alle, die nach Europa einfliegen wollen.» Eine «schwarze Liste» für unsichere Airlines, wie sie die EU-Kommission nun führt, ist für Lohl «ein vernünftiger Anfang». Nötig seien mehr einheitliche Standards, etwa bei den Pilotenlizenzen. Dennoch fühlt sich Lohl bei seinen vielen Flugreisen schon jetzt gut aufgehoben. Er habe großes Zutrauen in das System, sagt er: «Ich fühle mich so sicher wie in Abrahams Schoß.»

Von: Von Andrea Wimmer, dpa
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