Easa prüft Boeing 777X-Zertifizierung eigenständig

21.06.2019 - 10:57 0 Kommentare

Die europäische Luftfahrtbehörde Easa führt eine von der US-amerikanischen FAA unabhängige Überprüfung der Zulassung der Boeing 777X durch. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Behörden wird aber beibehalten.

Folding Raked Wingtip beim Rollout der ersten Boeing 777-9 in Everett - © © AirTeamImages.com - Dipankar Bhakta

Folding Raked Wingtip beim Rollout der ersten Boeing 777-9 in Everett © AirTeamImages.com /Dipankar Bhakta

Die europäische Luftfahrtbehörde Easa führt eine eigene Überprüfung der Zertifizierung der neuen Boeing 777X. durch. Dieses findet zeitgleich mit der amerikanischen Aufsichtsbehörde FAA statt. Das bestätigte die Easa auf Anfrage von airliners.de. Über den aktuellen Status sowie Informationen über den Zeitrahmen äußerte sich die Behörde nicht, da sie solche Industrieinformationen als vertraulich einstuft.

Bei ihrer Überprüfung nimmt die Easa das Design der Boeing 777X in Bezug auf sogenannte Hochrisiko-Bereiche unter die Lupe. Dabei konzentriert sich die Behörde nach eigenen Angaben auf folgende Kriterien:

  • Bereiche, in denen Unterschiede zwischen den USA und der EU bestehen
  • neue und außergewöhnliche Features
  • bislang unbekannte Methoden der Compliance
  • Bereiche, die bei vergleichbaren Produkten mit Unfällen und Vorkommnissen auffällig geworden sind.

Nach Einschätzung des Luftfahrtberaters Michael Santo werde die Easa in ihren Prüfungen der Boeing 777X zwar sehr genau sein, aber mit Augenmaß vorgehen. Das System des gegenseitigen Vertrauens und der internationalen Anerkennung von Zertifizierungen werde die europäische Behörde nicht gefährden wollen.

FAA will internationale Glaubwürdigkeit wiedererlangen

Der Luftfahrtexperte sieht allerdings auch wenig Grund zu einer Abkehr von der bisherigen Arbeitsweise, denn die FAA werde jetzt "sehr, sehr sorgfältig sein, um die internationale Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen." Das Pendel schwinge nach dem 737-Max-Desaster nun in die entgegengesetzte Richtung, weshalb alles sehr genau angeschaut werde.

Auch die Easa betont, dass diese Prüfung der FAA-Zertifizierung in Übereinstimmung mit dem bilateralen Abkommen zwischen den USA und der EU zur zivilen Luftfahrtsicherheit stattfindet. Die beiden Behörden arbeiten normalerweise eng zusammen und erkennen die gegenseitigen Einschätzungen und Zulassungen zu weiten Teilen an.

Der weitere Verlauf der 777X-Zulassung sei nun auch von den Entwicklungen bei der Max und eventuellen weiteren Schwachstellen im Zertifizierungsprozess abhängig, sagte Santo. Boeing werde allerdings "alles tun, sich keine zweite Blamage zu erlauben."

Motorenhersteller GE muss noch nachbessern

In Hinblick auf die aktuellen Triebwerksprobleme des GE9X ergänzte der Berater, dass Boeing eine Verzögerung der Indienststellung der 777X "mit Sicherheit in Kauf nehmen würde, falls dies für die technologische Konzeptreife nötig sein sollte."

Die Lufthansa könnte auch von den Motorenproblemen betroffen sein, denn die Airline sollte als eine der ersten Flugzeuge des neuen Typs erhalten. Auf airliners.de-Anfrage wollte sich der Kranich aber nicht zu Zeitplänen für die Indienstellung äußern.

Aus Branchenkreisen im Boeing-Umfeld hieß es, Lufthansa habe es ohnehin nicht allzu eilig mit der ersten Auslieferung der 777X. Die Einflottung eines neuen Flugzeugtyps sei ein kosten- und arbeitsintensiver Prozess. Lufthansa sei deshalb insgeheim nicht unglücklich über eine gewisse Verzögerung. Das Unternehmen hatte kürzlich eine Gewinnwarnung herausgegeben.

© GE Aviation, Lesen Sie auch: GE9X-Verschleißsorgen bringen neue Verzögerungen bei Boeing 777X

Von: hr
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