Latam baut Deutschland-Geschäft aus

08.02.2019 - 08:24 0 Kommentare

Latam startet 2019 auch von München nach Sao Paulo - in Kooperation mit Lufthansa. Zugleich modernisiert der Lateinamerika-Carrier seine Kabinen und führt neue Tarife ein.

Eine Boeing 777-300ER der Latam. - © © AirTeamImages.com - Steven Marquez

Eine Boeing 777-300ER der Latam. © AirTeamImages.com /Steven Marquez

Die Airline-Gruppe Latam baut ihr Europa-Geschäft in diesem Jahr weiter aus: München wird zum neunten Abflughafen Richtung Südamerika. Bisher gibt es ab Frankfurt Routen nach Sao Paulo und Santiago de Chile, ab 25. Juni wird auch das süddeutsche Drehkreuz mit Sao Paulo verbunden.

Der Flughafen München gewinnt damit binnen eines Jahres die zweite Verbindung nach Südamerika: Im November 2018 startete Avianca hier bereits nach Bogotà. Die Sao-Paulo-Strecke ist verwaist, seit Lufthansa die Flüge 2016 einstellte.

Lufthansa-Zubringer auch in München

Latam setzt wie Avianca beim Deutschland-Geschäft auf eine Kooperation mit Lufthansa - und das obwohl sie nicht zur Star Alliance, sondern zur konkurrierenden Allianz One World gehört. "Für uns ist Lufthansa ein ganz wichtiger Partner", sagt Joao Murias dos Santos, Deutschland-Chef von Latam, im Gespräch mit airliners.de. So wie bereits in Frankfurt könnten die Passagiere auch in München Zubringer mit der Kranich-Airline buchen.

In Frankfurt ist Latam am Terminal 1 untergebracht, in der Nähe der Lufthansa-Gates also. Für München sei dies noch nicht entschieden, erklärt Murias. "Es gibt die Möglichkeit, dass wir am Terminal 2 operieren."

Latam wäre eine von wenigen Airlines außerhalb der Star Alliance, die in das Lufthansa-Terminal einziehen dürften. Bisher sind dies nur Etihad Airways, Oman Air und BMI Regional.

Verschiedene Gateways nach Lateinamerika

Allerdings kooperiere Latam auch mit den anderen großen Airlines in Europa, betont Murias, der neben den DACH-Märkten auch Osteuropa und den Nahen Osten betreut. "Unser Vorteil ist: Wir haben mittlerweile neun Abflughäfen in Europa, und wir haben gute Interlining-Partnerschaften und Zubringer für jede Strecke. Wenn also der Frankfurt-Flieger voll ist, kann man beispielsweise über London, Paris, Barcelona oder Mailand fliegen."

Deshalb sei der Münchner Markt auch nicht neu für die Airline. "Wir verkaufen die Verbindung München-Sao Paulo schon seit Jahren stark über unsere anderen Gateways, und wir haben bereits große Kunden in Bayern und Österreich." Für die neuen Nonstop-Flüge, die seit Anfang Dezember buchbar sind, sieht Murias "eine sehr positive Buchungsentwicklung".

Latam in Deutschland

© LatamDie Gesellschaften Lan Chile und Tam aus Brasilien schlossen sich 2012 unter dem Dach der Latam zusammen. Tochtergesellschaften gibt es in Peru, Argentinien, Kolumbien und Ecuador. Lan Chile fliegt Frankfurt seit 1970 an, Tam seit 2007. Derzeit landet aus Sao Paulo täglich eine Boeing 777-300ER, aus Santiago de Chile via Madrid sechsmal pro Woche eine Boeing 787-900. München wird ab 25. Juni viermal wöchentlich mit Sao Paulo verbunden, zum Einsatz kommt dort eine Boeing 767-300. Das Frankfurter Büro der Fluggesellschaft mit sechs Mitarbeitern wird von Joao Murias dos Santos (Foto) geleitet.

Der Start in München fällt zunächst aber vorsichtig aus: Die Boeing 767-300 ist der kleinste Langstrecken-Jet der Latam, und zunächst werden nur vier Flüge pro Woche angeboten. Ein Ausbau sei nicht von vornherein geplant, sagt Murias. Doch andere Routen, die ebenso klein angefangen hätten, seien mittlerweile auf größeres Gerät und höhere Frequenzen umgestellt.

Brasilien ist der größte Markt der Airline-Gruppe, berichtet der Commercial Director, allerdings verkaufe man keinesfalls nur Flüge dorthin. "Durch unsere Hubs in Sao Paulo und Madrid bieten wir ganz Südamerika an. Zu unseren stärksten Märkten zählen auch Peru, Argentinien und natürlich Chile - alle sind mit nur einem Stopp erreichbar."

Parallel zum Ausbau des Flugprogramms modernisiert Latam in Deutschland auch die Kabinen. Über 200 Flugzeuge sollen bis 2021 mit einer neuen Business-Class ausgestattet werden. "Wir hoffen, Anfang des zweiten Quartals eine umgebaute Boeing 777 für die Strecke Frankfurt-Sao Paulo zu bekommen", so Murias.

Economy-Plätze mit mehr Sitzabstand

In der Economy-Class werden dann die sechs vorderen Reihen um mindestens zehn Zentimeter auseinandergerückt. Diese "Space-Plus"-Sitze können dann gegen einen Aufpreis ab 75 Euro pro Strecke gebucht werden. Auf der Strecke von Frankfurt via Madrid nach Santiago werden sie bereits angeboten. Dort bleibt es auch bei der bisherigen Business-Class - mit Lieflat-Sitzen, aber ohne die großzügige Konfiguration mit Zugang zum Gang von jedem Platz.

In München startet Latam zunächst mit der aktuellen Kabine. Die neue Business-Class werde dort voraussichtlich Ende 2019 eingeführt, kündigt Murias an. Insgesamt investiert die Airline in den nächsten Jahren 400 Millionen Dollar (350 Millionen Euro) in die Modernisierung.

Neue Business-Class bei Latam Airlines. Foto: © Latam

Gleichzeitig folgt Latam dem Trend zum abgespeckten Service bei günstigen Tickets: Aufgegebenes Gepäck ist dort auch auf den Langstrecken nicht mehr im Preis enthalten. Das gilt seit dem Winterflugplan für die Light- und Promo-Tarife in der Economy-Class.

Gebremstes Wachstum

Latam hat im vergangenen Jahr 119 Millionen Passagiere befördert, 2,9 Prozent mehr als 2017. Der Langstreckenverkehr macht 34 Prozent des Umsatzes aus. Das Vorsteuerergebnis (Ebitdar) ging in den ersten neun Monaten 2018 um 5,2 Prozent zurück, der Netto-Gewinn um 62 Prozent. Laut Prognose erwartet die Airline-Gruppe für 2018 eine operative Marge von 6,5 bis acht Prozent.

Im November hat Latam die Flugzeugauslieferungen für die kommenden Jahre um 41 Prozent, um 2,3 Milliarden Dollar (2 Milliarden Euro) reduziert. Grund dafür ist die erwartete schwächere Nachfrage. Statt 62 neuen Flugzeugen sollen bis 2021 nur noch 39 übernommen werden, darunter sechs A350-900 und sechs Boeing 787-900 für die Langstrecken. Die Langstreckenflotte wird demnach von 76 auf 83 Maschinen wachsen, die Mittelstreckenflotte von 227 auf 230 Maschinen.

Von: pra
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