Dreamliner- statt A380-Order zum Messestart in Dubai

13.11.2017 - 12:53 0 Kommentare

Statt einer Großbestellung bei Airbus für weitere A380 überrascht Emirates auf der Dubai Airshow mit einer Order über 40 Boeing 787. Der "Dreamliner" würde "mehr Betriebsflexibilität" bieten. Das A380-Programm steht auf wackeligen Füßen.

Boeing 787-10 in den Farben der Emirates - © © Emirates -

Boeing 787-10 in den Farben der Emirates © Emirates

Der Flugzeugbauer Airbus und sein kaum gefragtes Flaggschiff A380 haben auf der Luftfahrtmesse in Dubai einen üblen Start erwischt. Während sich Airbus-Manager am Sonntag für eine Pressekonferenz mit der arabischen Fluggesellschaft Emirates bereit machten, betraten Manager des US-Herstellers Boeing den Saal.

Statt einem erwarteten Großauftrag über 36 Exemplare des weltgrößten Passagierjets Airbus A380 kündigte Emirates dort eine milliardenschwere Verpflichtungserklärung über 40 Boeing-Langstreckenflieger vom Typ "Dreamliner" an - und zwar in der längsten Ausführung 787-10.

Die bestellten Flugzeuge würden ab 2022 ausgeliefert. Einige davon sollen nach Emirates-Angeben ältere Jets ersetzen sowie die zukünftige Streckennetzexpansion weiter vorantreiben. "Wir sehen die 787 als eine großartige Ergänzung unserer 777- und A380-Flotte", so Emirates. Der Flugzeugtyp garantiere "mehr Betriebsflexibilität im Zuge des Ausbaus unseres globalen Streckennetzes. "

Die Airbus-Leute, die den Saal bis dahin dominiert hatten, verließen daraufhin die Pressekonferenz. Emirates' Auftrag für Boeing kommt mit 15,1 Milliarden US-Dollar (12,9 Mrd Euro) nach Listenpreisen auf einen ähnlichen Wert wie derjenige, mit dem Insider für Airbus gerechnet hatten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg ging es dabei um 36 Exemplare der doppelstöckigen A380, von der Emirates in Hamburg erst vor wenigen Tagen ihr 100. Exemplar in Empfang genommen hatte.

© dpa, Christian Charisius Lesen Sie auch: Emirates übernimmt ihre hundertsten A380

Boeings "Dreamliner" ist selbst in der Langversion deutlich kleiner als die A380. Während die 787-10 in einer typischen Zwei-Klassen-Konfiguration Platz für 330 Passagiere bietet, kommen im Airbus-Flieger selbst bei einer großzügigen Bestuhlung in First, Business, Premium Economy und Economy Class 544 Menschen unter. Eng bestuhlt reicht es sogar für über 850 Passagiere.

Derzeit setzen die Airlines bei ihren Langstreckenflotten vor allem auf normalgroße Großraumjets wie den Airbus A350 oder Boeings 787, die sich auf einer Vielzahl von Routen rentabel einsetzen lassen. Die A380 lohnt sich in der Regel nur auf Verbindungen zwischen großen Metropolen.

Die Dubai Air Show hat am Sonntag begonnen und dauert noch bis Donnerstag, 16. November. Aufsehen erregende Aufträge werden aber gern zum Messestart bekanntgegeben. Weder Emirates noch Airbus wollten sich dazu äußern, wie die Verhandlungen zu der erwarteten neuen A380-Order vorangehen. Die erhoffte Bestellung käme laut Preisliste auf einen Gesamtwert von 15,7 Milliarden Dollar - und würde die Produktion der A380 über mehrere weitere Jahre sichern.

Ab 2019 nur noch acht Auslieferungen jährlich

Zehn Jahre nach dem ersten Linienflug eines A380 hat Airbus 317 Flugzeuge der Baureihe verkauft, davon allein 142 an Emirates. Ausgeliefert wurden bislang 216 Maschinen, sodass noch 101 in den Auftragsbüchern stehen. Das ist im Flugzeug-Geschäft nicht viel. Weil schon seit 2015 keine größeren Aufträge für den A380 mehr eingegangen sind, hat Airbus die Fertigung heruntergefahren. Ab 2019 sollen noch acht Maschinen jährlich die Airbus-Produktionshallen verlassen. 2015 waren es noch 27.

In der Branche wird spekuliert, ob der A380 über kurz oder lang ganz aus dem Airbus-Programm verschwindet, noch ehe er die Gewinnschwelle erreicht hat, die bei mehr als 400 Maschinen liegen soll. Das Modell benötigte eine technische Auffrischung und neue Triebwerke, so wie der Airbus-Bestseller A320. Doch die Investitionen in eine Weiterentwicklung wären sehr hoch. Ob dadurch die Nachfrage bei den Kunden deutlich gesteigert werden könnte, ist zudem offen. Daher kündigte Airbus bislang nur eine optimierte A380plus an.

© Airbus, Lesen Sie auch: Warum gibt es noch keine A380neo? Antworten aus dem Cockpit

Von: dh mit dpa
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