Doppler-Effekt beweist südlichen Flugkurs von Malaysia-Airlines-Boeing

Eine genaue Analyse von Satellitendaten hat es den Ermittlern ermöglicht, die Flugrichtung des verschollenen Malaysia-Airlines-Flugzeuges zu ermitteln. Geholfen hat dabei der Doppler-Effekt.

Doppler-Effekt: Schallwellen einer sich bewegenden Schallquelle illustriert. - © Ekko, Public Domain -

Doppler-Effekt: Schallwellen einer sich bewegenden Schallquelle illustriert. Ekko, Public Domain

Die seit dem 8. März vermisste Malaysia Airlines-Maschine ist nach Überzeugung der malaysischen Ermittler zwischen 01.11 und 02.15 Uhr MEZ im Indischen Ozean abgestürzt. Das geht nach Angaben des malaysischen Verkehrsministers Hishammuddin Hussein von Dienstag aus der neuen Analyse von Satellitendaten hervor.

Vergleiche und Tests mit den Signalen anderer Flugzeuge hätten ein neues Verfahren des britischen Satellitenbetreibers Inmarsat bestätigt, das nun die Flugrichtung des verschollenen Flugzeugs bestimmen konnte, sagte der malaysische Verkehrsminister. Die Suche im sogenannten Nord-Korridor wurde daraufhin eingestellt. Man habe den Flugweg anhand der Daten sogar soweit eingrenzen können, dass auch die Suche im indonesischen Teil des Süd-Korridors eingestellt wurde. Stattdessen konzentrieren sich nun alle Bemühungen auf die Region im Indischen Ozean zwischen 2000 und 2500 Kilometer südwestlich von Perth. Hier hatten Flugzeuge bereits Objekte gesichtet, Schiffe sind auf dem Weg zu den Fundstellen.

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Das letzte bestätigte Satellitensignal sei um 01.11 Uhr MEZ aufgefangen worden, teilte der Minister zudem mit. Die Maschine habe ein weiteres, bislang unbekanntes, «partielles» Signal um 01.19 Uhr abgesetzt. Als die Inmarsat-Bodenstation um 02.15 Uhr eine neue automatische Rückmeldung erfragte, sei kein Signal mehr von der Boeing 777-200 gekommen.

Der Flug endete demnach zwischen siebeneinhalb und achteinhalb Stunden nach dem Start. Ungefähr so lange habe auch der Treibstoff an Bord gereicht, sagte der Minister. Die groben Fakten zu dieser Feststellung waren bereits bekannt. Unklar war hingegen bislang, von wo genau die letztes Satellitendaten gesendet wurden.

Doppler-Effekt macht Flugrichtung sichtbar

Beispiel für Doppler-Effekt: Eine sich bewegende Schallquelle fliegt mit Mach 0,7: Das Zentrum der Schallwellen verschiebt sich dabei. Daraus kann die Richtung bestimmt werden.

Beispiel für Doppler-Effekt: Eine sich bewegende Schallquelle fliegt mit Mach 0,7: Das Zentrum der Schallwellen verschiebt sich dabei. Daraus kann die Richtung bestimmt werden.Foto: © CC, Lookang

Britische Spezialisten hatten sich zur Aufgabe gestellt, aus den aufgefangenen Satellitendaten die Flugrichtung des verschollenen Flugzeugs zu ermitteln. Da es sich bei den Inmarsat-Satelliten um ein reines Kommunikations- und nicht um Positionsbestimmungs-Netzwerk handelt, besteht jeweils nur Kontakt zu einem Satelliten. Daraus lässt sich aber kein genauer Punkt auf der Erdoberfläche ausmachen, denn dazu benötigt man die Kombination aus Signalen von mindestens drei Satelliten.

Bislang war daher nur klar, aus welchem Winkel zum Flugzeug der Satellit das Signal aufgefangen hat. Daraus konnten die Experten zunächst lediglich einen Suchkorridor auf der Erde um einen bestimmten Satellitenradius definieren, aus dem der letze Ping ausgesandt wurde.

Jetzt wendete das Inmarsat-Team nach eigenen Angaben erstmals ein neues Verfahren an, das anhand von Frequenzverschiebungen des empfangenen Signals eine Richtungsbestimmung des aussendenden Flugzeugs ermöglichte. Durch eine Auswertung des Doppler-Effekts in den empfangenen Signalen gelang damit die Feststellung, dass sich das Flugzeug in Richtung Süden bewegt haben muss.

«Wir haben die Differenz der Geschwindigkeit benutzt, mit der das Signal vom Flugzeug die feste Position des Satelliten im All erreicht», erklärt Inmarsat-Vizepräsident Chris McLaughlin dem britischen "Telegraph" in einem Video:

Die Experten könnten «definitiv sagen, dass das Flugzeug ohne Zweifel die südliche Route genommen habe», berichtet die Zeitung weiter. Durch die Auswertung der Pings konnte eine ungefähre Flugbahn aufgezeigt werden, an deren Ende nun südwestlich von Australien im Indischen Ozean gesucht wird.

Diese Doppler-Frequenzverschiebungen haben die Ermittler beim Empfang der Satellitendaten von Flug MH370 herausgefunden und daraus die Flugrichtung des Flugzeuges ermittelt.

Diese Doppler-Frequenzverschiebungen haben die Ermittler beim Empfang der Satellitendaten von Flug MH370 herausgefunden und daraus die Flugrichtung des Flugzeuges ermittelt.Foto: © MOT

Nach wie vor gibt es nach seinen Angaben keinen Aufschluss darüber, warum die Maschine vom Kurs Richtung Peking abwich, in entgegengesetzter Richtung über die malaysische Halbinsel flog, nach Norden abbog und dann offensichtlich außerhalb der Radarreichweite über der Amannensee wieder nach Süden umkehrte.

Die Ermittlungen gingen weiter, sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar. «Ich bin nicht in der Lage, Ergebnisse zu präsentieren, das würde die weiteren Ermittlungen behindern», sagte er. Er ermittelt unter anderem wegen Sabotage und Entführung. Ein technisches Problem wird aber auch nicht ausgeschlossen.

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Von: airliners.de mit dpa, AFP

Datum: 25.03.2014 - 13:44

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