Gedankenflug

Donald Trump, ein Freund der Luftfahrt?

10.11.2016 - 17:28 0 Kommentare

Der zukünftige US-Präsident Donald Trump gilt allgemein als Freund der Luftfahrt. Nur führen Einschränkungen nie zu einer Belebung im Geschäft. Ein Kommentar von airliners.de-Herausgeber David Haße.

Der neue US-Präsident Donald Trump (Foto: Gage Skidmore, gepostet auf Flickr, CC BY-SA 2.0) - © © Gage Skidmore -

Der neue US-Präsident Donald Trump (Foto: Gage Skidmore, gepostet auf Flickr, CC BY-SA 2.0) © Gage Skidmore

Der zukünftige US-Präsident Donald Trump will vieles anders machen. Und Trump gilt als ein Freund der Luftfahrt: Helikopter und Privatjets gehören zu seinen bevorzugten Beförderungsmitteln - mit dem Trump-Shuttle hat er sich sogar schon einmal als Airline-Lenker versucht.

Auch sonst liegen ihm Luftfahrtthemen am Herzen. So hatte der Republikaner in einer TV-Debatte mit Hillary Clinton den Zustand der US-Flughäfen mit denen in Drittweltländern verglichen und Milliarden-Investitionen in die Infrastruktur am Boden und in der Luft angekündigt.

Kein Wunder also, dass sich Vertreter von US-Branchenverbänden wie den "Airlines for America" bereits auf die Trump-Unterstützung freuen. Der Verband "Partnership for Open & Fair Skies" um US-amerikanische Airline-Gewerkschaften erhofft sich nun darüber hinaus das lang ersehnte Open-Sky-Ende im Konkurrenzkampf mit den Golf-Carriern.

Dabei sollten die im Wahlkampf geäußerten "America first"-Pläne des neuen Präsidenten der Luftverkehrswirtschaft überall auf der Welt zu denken geben. Wachstum im Luftverkehr ist nun mal vom Wachstum der Wirtschaft abhängig. Wer aber wie Trump Freihandelsabkommen wie TTIP (USA-EU) und TTP (USA-Asien) stoppen will, bremst damit automatisch auch den Luftverkehr.

Einschränkungen führen nie zu einer Belebung im Geschäft

Darüber hinaus stehen offenbar weitreichende Handelsbeschränkungen nicht nur für China auf der Trump-Agenda. Was das potentiell für die deutsche Exportwirtschaft und damit für den durchaus bedeutenden USA-Anteil im deutschen Luftverkehr bedeuten kann, muss sich zeigen.

Eines steht aber schon fest: Behinderungen im Welthandel führen in einer so internationalen Branche wie dem Luftverkehr nie zur Belebung des Geschäfts. Gleiches gilt natürlich auch für die von Trump angekündigten Verschärfungen in Sachen Visaregularien. Das kann auch nicht im Interesse der US-Fluggesellschaften sein.

Es gibt aber auch einen weiteren Verlierer: Die Umwelt. Nach den Ankündigungen Trumps, vom Pariser Klimaabkommen zurückzutreten, ist fraglich, ob die USA beim gerade kürzlich abgeschlossenen internationalen Klimaabkommen der ICAO an Bord bleiben oder doch noch ausscheren, wie etwa Russland oder Indien.

OMV Aktiengesellschaft, Lesen Sie auch: Icao-Staaten legen Klimaschutzabkommen für die Luftfahrt auf

Derweil muss auch die Luftfahrtindustrie zittern. Was wird beispielsweise aus den Milliardenbestellungen für Boeing- und Airbus-Flugzeuge aus dem Iran, wenn gerade geöffnete Handelsschranken plötzlich wieder geschlossen werden? Und was wird mit der Endmontage von Airbus-Flugzeugen in den USA, wenn Zölle für die Komponenten-Lieferungen drastisch steigen?

So endet dieser Gedankenflug, wie er zwangsläufig enden muss: Mit vielen Fragezeichen. Denn was Wahlkampf-Gerede wirklich wert ist, zeigt sich stets erst in den Zwängen der Realpolitik. Und das ist ganz bestimmt auch bei Donald Trump nicht anders.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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