Dobrindt setzt sich für Alkohol- und Drogenkontrollen von Piloten ein

04.01.2016 - 11:35 0 Kommentare

Nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine im März 2015 (Flug 4U9525) grübeln Experten darüber, wie ähnliche Tragödien verhindert werden können. Teil eines Pakets könnten EU-weite Zufallskontrollen beim Bordpersonal sein.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) - © © dpa - Britta Pedersen

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) © dpa /Britta Pedersen

Als Lehre aus der Germanwings-Katastrophe im März 2015 will das Bundesverkehrsministerium bei Flugzeugpiloten unangemeldete Kontrollen auf Alkohol, Drogen und Medikamente einführen. Eine entsprechende Regelung will Ressortchef Alexander Dobrindt (CSU) in diesem Jahr auf europäischer Ebene anstoßen, wie sein Ministerium mitteilte. Gleichzeitig würden Vorbereitungen getroffen, um die Regeln in Deutschland umzusetzen.

"Ich halte es für sinnvoll, dass Piloten stichprobenartig auf den Konsum von Alkohol, Drogen und Medikamenten kontrolliert werden", erklärte Dobrindt. "Experten weltweit sehen darin positive Effekte, die betriebliche Sicherheit in der Luftfahrt zu stärken."

In den USA und Australien hätten sich derartige Zufallskontrollen nach Darstellung des Verkehrsministeriums bewährt. Auch die europäische Luftsicherheitsbehörde Easa werbe für eine europaweite Einführung, für deren Umsetzung die Luftfahrtunternehmen zuständig sein sollten.

© dpa, Stephanie Pilick Lesen Sie auch: BDL für europaweite Regelung bei unangemeldeten Pilotentests

Die Pläne gehen zurück auf eine Arbeitsgruppe, die Dobrindt nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen am 24. März eingesetzt hatte. Unter dem Dach des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) gehörten ihr Fluggesellschaften, Piloten, Flugbegleiter, Hersteller sowie psychologische und psychiatrische Sachverständige und Flugmediziner an.

Weitere Maßnahmen sollen Stichprobenkontrollen ergänzen

Schon früh hatten die Experten vor allem Handlungsbedarf bei der Beurteilung der Flugtauglichkeit von Bordpersonal gesehen. Die nun ins Auge gefassten Stichprobenkontrollen sollen Teil eines Pakets sein und durch Aufklärungs-, Präventions- und Hilfemaßnahmen begleitet werden.

Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, erneuerte seine Kritik an den nun auch von Dobrindt unterstützten Plänen. Sie würden eine ganze Berufsgruppe unter Generalverdacht stellen.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Vereinigung Cockpit lehnt zufällige Drogen- und Alkoholtests ab

Die EU-Aufsichtsbehörde Easa hatte bereits Pläne zur Änderung der Bestimmungen für die Überwachung von Flugzeugbesatzungen angekündigt. Noch vor der Änderung geltender Bestimmungen auf EU-Ebene prüft die Behörde, im ersten Quartal 2016 "Betriebsrichtlinien" zu erlassen, "um bestimmte Sicherheitsprobleme anzugehen", wie die Easa Ende Oktober mitteilte.

Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Von: gk, dpa
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