DLR übergibt "Fliegenden Simulator" an das Deutsche Museum

17.10.2013 - 12:24 0 Kommentare

Es konnte sich in ein 700 Tonnen schweres Flugzeug in Rochenform "verwandeln" und vom Boden aus ferngesteuert werden: Aufwändig restauriert ist das einstige DLR-Forschungsflugzeug ATTAS nun im Museum zu sehen.

Die Maschine vom Typ VFW 614 war nahezu 27 Jahre im Dienst der Luftfahrtforschung unterwegs.

Die Maschine vom Typ VFW 614 war nahezu 27 Jahre im Dienst der Luftfahrtforschung unterwegs.
© DLR

Die VFW 614 ist jetzt in der großen Ausstellungshalle der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums in München zu sehen.

Die VFW 614 ist jetzt in der großen Ausstellungshalle der Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums in München zu sehen.
© DLR

DLR-Forschungsflugzeug VFW614 ATTAS

DLR-Forschungsflugzeug VFW614 ATTAS
© DLR

Cockpit der DLR VFW 614 ATTAS

Cockpit der DLR VFW 614 ATTAS
© AirTeamImages.com - TT

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat jetzt seinen ehemaligen "Fliegenden Simulator" ATTAS (Advanced Technologies Testing Aircraft System) an die Flugwerft Schleißheim des Deutschen Museums in München übergeben. Die als Passagierflugzeug konzipierte Maschine vom Typ VFW 614 war bis zum vergangenen Jahr insgesamt fast 27 Jahre im Dienst der Luftfahrtforschung unterwegs. In den vergangenen Monaten haben Restauratoren das Exponat aufgearbeitet.

An technisch interessanten Stellen wie der Landeklappenführung wurden transparente Elementen eingesetzt. "Nun können die Besucher ein Stück DLR und deutscher Luftfahrtgeschichte im Detail erkunden," so der DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner. "Das Innere des Flugzeugs wird demnächst auch für die Besucher betretbar sein, so dass man auch hier, wie überall im Deutschen Museum, auf Tuchfühlung mit Wissenschaft und Technik gehen kann", ergänzte Prof. Dr. Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums.

Für den Forschungseinsatz massiv umgerüstet

Mit dem Forschungsflugzeug - lange Zeit das größte Flugzeug der DLR-Forschungsflotte - wurden unter anderem Wirbelschleppen sowie lärmarme Anflüge untersucht. Es war als fliegender Simulator im Einsatz und hat Flugführungstechnologien erprobt. Bevor ATTAS bei der damaligen DFVLR (Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt - heute DLR) am 24. Oktober 1985 seinen Dienst als Forschungsflugzeug antrat, wurde der Jet bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) ab 1982 für seinen Forschungseinsatz massiv umgerüstet: Neben einer Messanlage und zusätzlichen Sensoren war besonders das neue Flugsteuerungssystem ein wesentliches Element. Zusätzlich zur vorhandenen mechanischen Lenkung fügten die Ingenieure eine elektronische Flugsteuerung hinzu. Damit konnten die Wissenschaftler wählen, ob sie ATTAS mechanisch oder mit Fly-By-Wire-Technik fliegen wollten.

Für die Simulation eines anderen Flugzeugs wurden die Einstellungen des ATTAS-Bordcomputers verändert. Das Flugzeug folgte damit als Simulator Bewegungen, die die Bordcomputer aufgrund eines mathematischen Modells errechneten. Klappen und das Leitwerk wurden direkt vom Rechner angesteuert. Auf diese Weise konnten Eigenschaften neuer, noch im Entwicklungsstadium befindlicher Flugzeuge oder Flugregler realitätsnah getestet werden. 2010 und 2011 simulierte ATTAS beispielsweise einen so genannten Blended Wing Body. Aus dem 20,8 Tonnen leichten ATTAS wurde während der Simulation ein 700 Tonnen schweres Flugzeug in Rochenform.

Parabelflüge mit verringerter Schwerkraft

In den Jahren 2002 bis 2004 war ATTAS zudem vom Boden aus ferngesteuert unterwegs. Die Piloten führten hierbei zunächst den Start selbst aus, stellten dann aber im Flug auf die Fernführung um. Die an Bord befindliche Besatzung hatte nur eine Sicherheitsfunktion für mögliche Fehler des Versuchssystems. Außerdem standen Parabelflüge mit verringerter Schwerkraft auf Marsniveau im ATTAS-Flugbuch sowie neue Anflugverfahren oder Flüge britischer Testpilotenschüler.

Die VFW-614 war das einzige Verkehrsflugzeug mit Düsenantrieb, das komplett in Deutschland entwickelt und gebaut wurde. Die 745 Stundenkilometer schnelle VFW-614 wurde zwar weltweit populär, ein wirtschaftlicher Erfolg war der Jet jedoch nie. Nur 19 Maschinen bauten die Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) in Bremen.

Die Flugbetriebe des DLR betreiben heute die größte zivile Flotte von Forschungsflugzeugen und -hubschraubern in Europa. Das größte Flottenmitglied ist ein Airbus A320-232. Die "D-ATRA", ist seit Ende 2008 im Einsatz. ATRA (Advanced Technology Research Aircraft) ist eine moderne und flexible Flugversuchsplattform, die nicht nur größenmäßig einen neuen Maßstab für fliegende Versuchsträger in der europäischen Luftfahrtforschung setzt. Manchmal wird dieses Flugzeug auch am Boden eingesetzt, so wie vor wenigen Tagen, als in Hamburg Triebwerkslärm untersucht wurde.

Von: airliners.de mit DLR
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