Diskussion um Drohnen: Bundesländer planen Abwehrmaßnahmen

22.02.2015 - 08:05 0 Kommentare

Einige begeistert die Technik der fliegenden Freizeit-Drohnen. Andere warnen vor Risiken durch Kriminelle und Terroristen. Während in Deutschland noch über Regeln für Drohnen diskutiert wird, sind andere Länder schon einen Schritt weiter.

Ein Mann lässt eine "Moviecopter"-Drohne fliegen.

Ein Mann lässt eine "Moviecopter"-Drohne fliegen.
© dpa - Daniel Karmann

Eine mit einer Kamera bestückte Drohne.

Eine mit einer Kamera bestückte Drohne.
© dpa - Karl-Josef Hildenbrand

Eine Kameradrohne.

Eine Kameradrohne.
© dpa - Patrick Pleul

Sie sind relativ preiswert, technisch immer ausgefeilter und erobern zunehmend den Luftraum: Drohnen. Mit den unbemannten Flugkörpern testet die Post an der Nordsee gerade die Zukunft der Paketzustellung. Doch über französischen Atomkraftwerken löst ihr Erscheinen ebenso Alarm aus wie über deutschen Gefängnissen. In Hamburg wurde neulich eine Drohne mit Drogen und Handys in Innenhöfen von Haftanstalten entdeckt.

Die Staatssekretäre aus den Justizressorts aller deutschen Bundesländer wollen das Sicherheitsthema im kommenden Mai in Bremen ausleuchten. Aktuell findet eine Länderumfrage statt. Sie dient dem Erfahrungsaustausch der Bundesländer untereinander und zielt auf die Frage nach Maßnahmen zur Abwehr von Drohnen-Überflügen und einem eventuellen Bedarf neuer Regelungen.

Definition "Drohne"

Als Drohnen werden unbemannte Fluggeräte bezeichnet. Es gibt mehrere Bezeichnungen: Remotely Piloted Aircraft System (RPAS), Unmanned Aerial Vehicle (UAV) und Unmanned Aircraft Systems (UAS). Drohnen werden zum Beispiel vom Militär mit Waffen ausgestattet, sie sind aber auch als Spielzeug im Einsatz oder als Hilfsmittel. In den USA etwa begutachten Bauern mittels Drohnen die Ernte auf ihren Feldern, Nachrichtensender machen damit TV-Bilder. Auch bei Sicherheitsbehörden und Katastrophenhelfern kommen sie zum Einsatz.

Denn was vom US-Militär in weitaus komplexerer Form als tödliches Instrument genutzt wird, hat längst seinen Weg als Massenphänomen in den Alltag gefunden. Die Miniflieger können in der Theorie auch für kriminelle Ziele genutzt werden - zum Beispiel für Industriespionage, Sabotage oder Anschläge auf die zivile Luftfahrt. Zumal die Geräte immer kleiner werden und damit zunehmend schwieriger zu entdecken sind.

Drohnen, so klein wie ein Daumennagel

Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg zeigte sich gerade, wie weit Perfektionierung und Miniaturisierung gehen: Der Rumpf des kleinsten ferngesteuerten Spaßfliegers war so groß wie ein Daumennagel. Kaum länger war ein Exemplar mit Kamera und Anschluss zum Übertragen der Videoaufnahmen. Andere können per Headset mit Worten gesteuert werden - alles Exemplare, die frei im Handel erhältlich sind.

© dpa, Patrick Pleul Lesen Sie auch: Illegaler Drohnen-Fotograf muss 1.500 Euro Bußgeld zahlen

"Der Übergang von den Spielzeugen zu den Werkzeugen für alle Arten der Anwendung ist fließend", sagt Cathrine Kniep von der landeseigenen Niedersachsen Aviation, einer Initiative zur Unterstützung der Luft- und Raumfahrtindustrie. "Das ist wie mit dem Internet - wir haben uns erst vernetzt und dann Gedanken gemacht, wie wir uns vor denen schützen, die es übel mit uns meinen", so Kniep.

"Wir stehen ganz am Anfang der Debatte", ergänzt der Informatiker und Drohnen-Spezialist Sven Manske von der Universität Duisburg-Essen. "Das Problem liegt bisher gar nicht so sehr auf der technischen Ebene, sondern in der Tatsache, dass das Bewusstsein für das Problem weitgehend noch fehlt." Er fordert einen gesetzlich vorgeschriebenen Einbau von elektronischen Geräten, die die Zuordnung der Drohnen zum Eigentümer ermöglichen könnten.

Helmut Spahn fordert sogar einen Drohnen-Führerschein oder eine Besitzkarte, ähnlich wie bei Waffen. Der frühere Sicherheitschef des Deutschen Fußball-Bundes ist heute Chef der Sicherheitsfirma "International Centre for Sports Security" (ICSS) in Katar. "Ich glaube, dass es sich um eine wachsende Bedrohung handelt. Diejenigen, die kriminelles Potenzial haben, werden alles versuchen, um neue Techniken für ihre Zwecke zu nutzen", sagt der 54-Jährige. "Wie immer im Leben ist es das größte Problem, die unterschiedlichen Parteien an einen Tisch zu bringen, um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Es nutzt nichts, wenn das Justizministerium oder die Luftfahrtbehörde an irgendwelchen Modellen arbeiten und Einzellösungen hervorbringen." Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte eine Lizenz für Drohnen-Piloten gefordert.

Regeln beim Drohnen-Einsatz

Wer seine Drohne zu Sport- und Freizeitzwecken aufsteigen lässt, braucht dafür grundsätzliche keine Genehmigung. Allerdings darf das Fluggerät in diesem Fall nicht schwerer als fünf Kilogramm sein und eine maximale Flughöhe von 100 Metern nicht überschreiten. Wichtig ist auch: Die Drohne muss im Sichtflug gesteuert werden und darf die Sichtweite des Piloten nicht verlassen.
Bei Drohnenflügen, die kommerziellen Zwecken dienen, muss von der zuständigen Luftfahrtbehörde des Bundeslandes eine Genehmigung eingeholt werden. Menschenansammlungen, Unglücksorte oder Industrieanlagen sind in jedem Fall tabu. Im Umkreis von 1,5 Kilometern um Flughäfen ist eine Sondergenehmigung nötig.
Es ist verboten, mit der Drohne die Privatsphäre anderer zu verletzen. Ausflüge über die Nachbargrundstücke sind nicht erlaubt. Auch dürfen Hobbypiloten nicht vom eigenen Grundstück aus mit einer an der Drohne angebrachten Kamera in fremde Fenster schauen.

Technische Möglichkeiten, eine Drohne zu stoppen, gibt es bereits - etwa über eine Signalstörung für die Fernsteuerung. Dazu muss die Frequenz allerdings erst mal bekannt sein; zudem können Störsender der Nachbarschaft den WLAN-Empfang zerhacken. Die deutschen Justizbehörden sind nach dem Fund einer mit Handy und Drogen beladenen Drohne in einer Haftanstalt in Hamburg alarmiert. Frankreich hat nach Drohnenüberflügen von Atomanlagen gerade seine nationale Forschungsagentur beauftragt, ein Abwehrsystem zur Entdeckung und Abwehr der Miniflieger zu entwickeln.

USA entwirft Auflagen für kommerziellen Einsatz

In den USA sollen die umbenannten Fluggeräte auf breiter Front bei der Arbeit eingesetzt werden. Nach dem Willen der US-Flugaufsichtsbehörde FAA könnten Drohnen in zwei Jahren für kommerzielle Zwecke fliegen - jedoch mit einer Reihe von Auflagen. Laut einem Entwurf der FAA dürfen die Geräte maximal 25 Kilogramm wiegen und in einer Höhe von bis zu 150 Metern fliegen, allerdings nur tagsüber und in Sichtweite des Piloten. Damit wären Einsätze wie die von Amazon geplante Auslieferung von Paketen praktisch ausgeschlossen.

© dpa, Daniel Karmann Lesen Sie auch: Ferngesteuerte Mini-Flieger als Risiko für Luftfahrt

Ein Drohnenpilot muss dem Entwurf zufolge mindestens 17 Jahre alt sein und von der FAA lizenziert werden. Dazu muss er sich alle zwei Jahre einem Test unterziehen. Die Geschwindigkeit einer kleinen Drohne darf 160 Stundenkilometer nicht überschreiten. Bisher hat die Behörde die kommerzielle Nutzung der Fluggeräte grundsätzlich verboten. Nur einige wenige Firmen sind ausgenommen.

Parallel zum Entwurf der FAA veröffentlichte das Weiße Haus eine Direktive von Präsident Barack Obama, nach der US-Behörden offenlegen müssen, wo sie unbemannte Fluggeräte im eigenen Land einsetzen. Außerdem wird erstmals Auskunft darüber verlangt, was sie mit der Datenflut machen, die sie bei Drohnen-Beobachtungsflügen gewinnen.

Von: airliners.de, dpa
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