Diskussion über Arbeitsbedingungen in der Luftfahrt

14.12.2016 - 09:01 0 Kommentare

Was könnte die Politik gegen das Geschäftsgebaren der Billigflieger unternehmen, wie die Folgen der Liberalisierung in der Luftfahrt abfedern? Um diese und weitere Fragen ging es bei einer Podiumsdiskussion in Berlin.

Eine Maschine am Frankfurter Flughafen wird eingewiesen. - © © Fraport AG -

Eine Maschine am Frankfurter Flughafen wird eingewiesen. © Fraport AG

Die deutsche Luftverkehrswirtschaft ist in Bewegung. Konkurrenz durch Billigflieger, Liberalisierung der Bodenverkehrsdienste und Auslagerung von Fluggesellschaften in andere Länder sind nur einige Beispiele. Damit ändern sich auch die Konditionen für die Mitarbeiter - und das meist nicht zum Besseren. Arbeitnehmervertreter sehen die Politik in der Pflicht, für bessere Rahmenbedingungen zu sorgen. Doch in welcher Form das geschehen kann und ob es überhaupt möglich ist, da gehen die Meinungen auseinander - wie jetzt wieder eine Podiumsdiskussion in Berlin gezeigt hat.

Dabei sind einige Probleme durchaus nicht neu: So wiederholte der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel seine Kritik an Ryanair. Für ihn sind die Iren in Sachen Arbeitsbedingungen "das schwärzeste der schwarzen Schafe" unter den Low-Cost-Airlines. Gegen eine Incentivierung von Fluggesellschaften an Flughäfen sei im Prinzip nichts zu sagen. Aber wenn, wie im Fall des Frankfurter Flughafens und Ryanair, Wettbewerbsverzerrungen zulasten von anderen Fluggesellschaften wie der Lufthansa drohten, "dann geht das so nicht".

Fraport-Arbeitsdirektor verteidigt Entscheidung

Eine andere Sicht auf die Dinge hat - naturgemäß - der Arbeitsdirektor des Frankfurter Flughafens, Manfred Müller. Derzeit würde sein Airport wegen Ryanair quasi am Pranger stehen. Doch wenn andere Airports 20 bis 40 Prozent des Umsatzes durch Billigfluggesellschaften erwirtschaften, könne man so nicht weitermachen. Und das auch aus Verantwortung für die Zukunft der eigenen Mitarbeiter.

Doch nicht nur klassische Billigflieger setzen die Branche unter Druck, sondern auch die als Reaktion darauf entstehenden neuen Fluggesellschaften. So sollen künftig Tuifly und Niki unter dem Dach einer neuen Airline mit Sitz in Wien abheben. Bei der deutschen Tuifly seien die Löhne der Flugbegleiter derzeit um 30 bis 50 Prozent höher als bei der österreichischen Niki, sagte Christoph Drescher, Vorstandsmitglied bei der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Was das nach Ablauf einer dreijährigen Tarifgarantie bedeuten würde, könne sich jeder selbst ausrechnen.

© Niki, Lesen Sie auch: Air Berlin verkauft ihre Tochter Niki an Etihad

Von Seiten der Politik wird es dabei keinen Einfluss geben: Aus Tariffragen werde sie sich weiter heraushalten, betonte Schäfer-Gümbel. Doch es gehe nicht nur um Löhne, entgegnete der hessische Verdi-Landesbezirksleiter Jürgen Bothner. Eine Antwort durch die deutsche Politik auf die europäische Liberalisierung beispielsweise bei den Bodenverkehrsdiensten könne sie durchaus geben. Und es sei endlich Zeit für einen Branchentarifvertrag über Mindeststandards an den Flughäfen.

Mögliches Gegengewicht zur Liberalisierung

Auch Ilja Schulz, Präsident der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit, sieht die Politik in der Pflicht. Ein Gegengewicht zur Liberalisierung der Märkte könnten eine europäische Sozialgesetzgebung und ein EU-Gewerkschaftsrecht bilden, sagte er.

Doch auch innerhalb der Branche selbst und zwischen den verschiedenen Beschäftigtengruppen müsste sich etwas ändern, befand Fraport-Manager Müller. "Wie will man einen Ausgleich schaffen, wenn jede Gruppe für Chaos sorgen kann", fragte er mit Blick auf die jüngsten Streiks. Schäfer-Gümbel sieht das ähnlich. Auch er vermisse eine Sozialpartnerschaft unter den verschiedenen Gewerkschaftsgruppen.

Von: gk
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Bei Air Berlin ist die Luft raus. Reaktionen zur Air-Berlin-Übernahme

    Lufthansa übernimmt große Teile der Air Berlin. Verdi mahnt, dass allen Mitarbeitern eine Perspektive geschaffen werden müsse. Auch Monopolkommissionschef Wambach und Berlins Bürgermeister Müller äußern sich.

    Vom 13.10.2017
  • A320 der Eurowings Europe. Eurowings verärgert Stammpersonal in Österreich

    Seit Wochen bereitet sich Eurowings auf die Integration der Air-Berlin-Mitarbeiter vor - mit mehreren Gewerkschaften wurden schon Tarifeinigungen erzielt, die auch das Personal der insolventen Konkurrentin einschließen. Doch nun scheren die eigenen Crews aus. 

    Vom 13.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »