Digital Passenger (2) ( Gastautor werden )

Digitales Geld und analoges Magenknurren

21.02.2017 - 09:15 0 Kommentare

Ohne analoges Geld geht's manchmal nicht. Das musste unser "Digital Passenger"-Kolumnist Andreas Sebayang über den Wolken feststellen. Denn wenn die Technik streikt, bleibt an Bord schnell so mancher Magen leer.

Leckere Sandwiches, leider nicht gegen bar... - © © British Airways -

Leckere Sandwiches, leider nicht gegen bar... © British Airways

In der modernen Welt wollen auch die Fluggesellschaften möglichst alles digital abwickeln. Das soll Kosten sparen und einen besseren Service bieten. Ich finde, das ist durchaus zu begrüßen, denn es spart mir Zeit. Es muss aber nicht immer alles und nur noch digital abgewickelt werden, insbesondere wenn ich auf einem Kurzstreckenflug einen knurrenden Magen habe. Aber der Reihe nach…

British Airways hat gerade innereuropäisch die kostenlose Verpflegung abgeschafft. Die Bezahlung an Bord soll nun komplett digital abgewickelt werden. Auf einem Flug von Berlin nach London habe ich das neue Konzept neulich in Aktion erlebt. Geboten wird eine augenscheinlich gute und im Vergleich zur bisherigen Bordverpflegung abwechslungsreiche Auswahl von Mark-&-Spencer-Produkten. Ich saß fast ganz hinten und verfolgte die Arbeit der Flugbegleiter mit Appetit. Es zeigte sich auch schnell eine erstaunlich hohe Nachfrage.

Zwei Geräte, zwei Ausfälle

Das Zahlungssystem, bestehend aus je einem Tablet mit einem Zahlungsterminal an der Unterseite, brauchte aber schon in den ersten Reihen auffällig lange. Nach nicht einmal der Hälfte der Kabine streikte dann das erste Gerät. Es scheiterte offenbar am Versuch einer Karten-Rückabwicklung. Einem Passagier wurde zu viel berechnet. Es konnte nur noch ein Flugbegleiter Zahlungen entgegennehmen. Aber auch dieses Gerät stieg kurz darauf aus. Kreditkarten wurden jetzt grundsätzlich abgelehnt.

Das Kabinenpersonal hatte plötzlich mit IT-Problemen zu kämpfen, die zu lösen an Bord kaum zu verlangen wären. Und so musste ein Kunde in Reihe 19, dessen Bestellung schon im Ofen war, seine Kartendaten manuell aufnehmen lassen. Mit Stift und Papier! Ich hatte eigentlich noch eine alte Ritsch-Ratsch-Maschine erwartet, die gab's aber nicht. Für alle anderen wurde das Angebot nun weggerollt. Frust machte sich breit. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn der Flieger nicht nur halb gefüllt gewesen wäre.

Es gibt viel bessere Alternativen

Das darf nicht passieren, gerade wenn im Gegenzug das kostenlose Angebot eingestellt wird. Solche Zahlungssysteme müssen immer funktionieren und der Ausfall von gleich zwei Geräten technisch eigentlich ausgeschlossen werden. In der Luftfahrt sind mehrfache Redundanzen in allen anderen Bereichen schließlich auch Standard.

Und wenn sogar bekannt ist, dass althergebrachte Karten-Zahlungsvorgänge potentiell zu lange brauchen, dann muss zusätzlich auch andere Technik eingesetzt werden: Visa Contactless oder Master Card Paywave als kontaktlose Zahlungsmittel würden den Bezahlvorgang bei vielen Kunden deutlich beschleunigen.

© airliners.de, Lesen Sie auch: Über die Freiheit, auszuwählen

Die Voraussetzungen dafür sollte eine große Fluggesellschaft durchaus erfüllen können. Obendrein sollte ohnehin keine Airline erwarten, dass jeder Kunde eine passende Kreditkarte oder eine mit ihrem System kompatible Debit Card hat. Auf der Webseite heißt es zwar: "Sie können Ihre Speisen und Getränke [...] mit Ihrer Debit- oder Kreditkarte bezahlen." In der Praxis wurden an Bord aber einige weit verbreitete Bankkarten abgelehnt.

Dabei hätte es eigentlich auch noch eine einfache und damit viel bessere Lösung gegeben: die Annahme von Bargeld. Das geht bei Billigfliegern schließlich auch!

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de
( Gastautor werden )
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Ein kleiner Monitor für jede Reihe. Kleine Monitore mit großem Potenzial

    Digital Passenger (27) Der erste CS300-Flug für unseren "Digital Passenger" Andreas Sebayang bringt eine kleine Überraschung: Die Mini-Monitore über den Sitzen sind echt praktisch - und könnten noch viel mehr.

    Vom 27.03.2018
  •  Spiegelnde Monitore gehören nicht ins Flugzeug

    Digital Passenger (28) Spiegelende Monitore beim Inflight-Entertainment-System sind ein großes Ärgernis, findet unser Digital Passenger Andreas Sebayang. Dabei gibt es eine Lösung, die auch gleich die Fingerabdrücke verschwinden lässt.

    Vom 08.06.2018
  • Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG. Lufthansa-Chef Spohr will Belegschaft verjüngen

    Lufthansa wünscht sich innovationsfreudigere Mitarbeiter. Ältere Lufthanseaten sollen daher mit "attraktiven Angeboten" zum Weggang bewogen werden. Frischer Wind soll dann aus anderen Branchen kommen.

    Vom 19.04.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »