Der geplatzte Niki-Deal und die Auswirkungen auf Air Berlin

08.06.2017 - 16:21 0 Kommentare

Das Ferienflug-Joint-Venture zwischen Etihad und Tui ist gescheitert. Das hat zwangsläufig Folgen für Air Berlin. Schließlich hat die kriselnde Airline ihre Tochter Niki bereits verkauft – ein wichtiger Teil der Neuaufstellung.

Die österreichische Niki ist eine Tochter der deutschen Air Berlin. - © © Niki -

Die österreichische Niki ist eine Tochter der deutschen Air Berlin. © Niki

Das Scheitern der Gespräche zwischen Etihad und Tui über die gemeinsame Gründung einer Ferienfluggesellschaft rund um die Air-Berlin-Tochter Niki hat auch Auswirkungen auf den Umstrukturierungsplan der finanziell äußerst angeschlagenen Air Berlin haben.

Denn die schon an Etihad verkaufte Niki bleibt nun doch Teil der Air-Berlin-Gruppe. "Urlaubsflüge der Air Berlin Group werden nun als separate Geschäftseinheit weitergeführt, unter der Marke Niki", heißt es in der Stellungnahme von Etihad.

© AirTeamImages.com, Matthieu Douhaire Lesen Sie auch: Niki-Deal: Etihad bricht Gespräche mit Tui ab

Eigentlich wollte Air Berlin ihr Geschäft dreiteilen: Die Flotte der Air Berlin sollte von 145 auf 75 Flugzeuge zusammengeschrumpft werden – die "neue Air Berlin" sollte sich vor allem auf das Langstreckengeschäft und Zubringerflüge zu den Hubs Berlin-Tegel und Düsseldorf konzentrieren. So der vorgestellte Plan im vergangenen Herbst.

Zudem sind rund 40 Maschinen in einen Wet-Lease-Deal an die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian ausgelagert – die ersten Maschinen heben seit Februar ab. Und schließlich sollten noch 30 Flugzeuge mit dem Touristikgeschäft in Form der österreichischen Tochter Niki in ein von Etihad geführtes Joint-Venture mit Tuifly abgespalten werden.

Niki performt gut

Zumindest der dritte Schritt ist nun Makulatur. Experten munkeln, dass sich dies für Air Berlin noch als Glücksfall erweisen könnte, da Niki fortwährend gut performt und die Berliner das Geld aus dem Touristikgeschäft in ihrer tiefroten Bilanz dringend weiter brauchen. In den ersten drei Monaten des Jahres machte Air Berlin pro Tag mehr als drei Millionen Euro Verlust.

Doch könnte der geplatzte Deal noch auf einer anderen Ebene zum Problem werden: Die "Welt" spekuliert, dass Air Berlin die von Etihad erhaltenen 300 Millionen Euro Kaufpreis für Niki nun wieder zurück Richtung Abu Dhabi überweisen muss. Da dies bislang nicht in der Cashflow-Prognose der Bilanz vorgesehen sei, würde das Air Berlin in finanzielle Schwierigkeiten bringen.

© AirTeamImages.com, Alun Morris Jones Lesen Sie auch: Wie die Faust aufs Auge Gedankenflug

Fraglich ist auch, wie es mit dem Wet-Lease-Deal für den Lufthansa-Konzern weitergeht. In den vergangenen Wochen wurde schon spekuliert, der Kranichkonzern könnte den Berliner Krisen-Carrier ganz übernehmen und dann in seine Billigplattform Eurowings integrieren. Lufthansa-Chef Carsten Spohr stellte dafür angeblich die Entschuldung Air Berlins durch den Großaktionär vom Golf als Bedingung. Die Lufthansa wollte die aktuellen Entwicklungen um Etihad und Tui auf Nachfrage aber nicht kommentieren.

Air Berlin will neue Bürgschaften

Jetzt bestätige ein Sprecher von Air Berlin, dass die Airline bereits einen Antrag auf Prüfung einer Bürgschaft bei den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Berlin gestellt hat. Sollte schlussendlich ein Bürgschaftsantrag bewilligt werden, würden sich die Landesregierungen verpflichten, im Falle einer Unternehmenspleite für sämtliche Verbindlichkeiten der Air Berlin einzustehen. Bis Ende 2018 bürgt Air-Berlin-Großaktionär Etihad für anfallende Zahlungen.

Schulden und negatives Eigenkapital 2015 und 2016
Negatives Eigenkapital in Millionen Euro Schulden in Millionen Euro
2015 799 2218
2016 1470 2853

Quelle: Unternehmensangaben

Von: cs
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