Die Reisebranche ist optimistisch

08.03.2018 - 16:15 0 Kommentare

Zwischen Air-Berlin-Insolvenz und Rekordjubel gibt es viele Themen auf der ITB 2018. Über allem steht dabei die Frage, welche Trends die kommende Saison bestimmen - für Reiseregionen und Veranstalter, aber auch für Fluggesellschaften.

Fahnen auf dem ITB-Berlin-Messegelände  - © © Messe Berlin -

Fahnen auf dem ITB-Berlin-Messegelände © Messe Berlin

Die Nachwehen der Air-Berlin-Insolvenz beschäftigten zuletzt die ganze Tourismusbranche - nicht nur andere Airlines, sondern auch die Reiseveranstalter, die Tausende Flüge von Pauschalurlaubern umbuchen mussten. Doch schneller als gedacht sind die Lücken gefüllt.

Der Knick bei den Passagierzahlen in Berlin-Tegel und Düsseldorf dürfte schon im Sommer ausgebügelt sein. Und Eurowings, Ryanair und Easyjet bauen ihre Angebote von deutschen Flughäfen kräftig aus. Eurowings feierte sich auf der Messe sogar als die "am schnellsten wachsende Airline Europas". Und auch Germania teilte zur ITB mit, 50 neue Verbindungen aufzulegen.

Reisebranche ist optimistisch

In früheren Jahren bestimmten oft Terror, Unruhen, Krisen und andere Negativschlagzeilen aus der Welt der Politik die Reisemesse ITB. Das ist 2018 anders - vor allem werden wieder etliche Rekordzahlen bejubelt. Viel gesprochen wird in Berlin deshalb sogar über Overtourism - also darüber, dass zu viele Touristen an einen Ort kommen.

In immer mehr Regionen regt sich Widerstand gegen Touristenmassen. "Die Einwohner haben das Gefühl, dass ihnen die Stadt nicht mehr gehört", sagte Frans van der Avert, der Chef von Amsterdam Marketing, auf der ITB. Aus Sicht des Urlaubers stellt sich das Problem simpler da: Es ist einfach extrem voll. Die Ursachen sind vielschichtig. Experten verweisen auf den Boom der Billigflieger und die zunehmende Beliebtheit von Kreuzfahrten. Hinzu kommen Angebote wie Airbnb.

Auf der ITB wurden nun Maßnahmen diskutiert, um dem Massentourismus entgegenzuwirken. Zum einen können Reiseziele versuchen, die Besucherströme besser zu lenken - mit Ticketkontingenten und Online-Reservierungssystemen für Sehenswürdigkeiten zum Beispiel. Denkbar sind auch gesetzliche Beschränkungen für den Bau neuer Hotels oder die Vermietung von Unterkünften. Radikaler ist der Weg, an der Preisschraube zu drehen. Auf Mallorca müssen Urlauber seit 2016 eine Touristenabgabe zahlen, eine Art Ökosteuer zur Erhaltung der Insel.

Urlaub im Deutschland im Trend

Deutschland bleibt des beliebteste Reiseziel der Deutschen. Laut der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) führten im Jahr 2017 rund 28 Prozent aller Urlaube von mindestens fünf Tagen Dauer an einen Ort zwischen Ostsee und Alpen. Mit einem Anteil von 5,1 Prozent lag Mecklenburg-Vorpommern dabei das zweite Jahr in Folge knapp vor Bayern (4,9 Prozent).

Wenn nicht die Aufenthalte an sich, sondern die Übernachtungen gezählt werden, liegt Bayern mit 94,4 Millionen mit Abstand ganz vorne. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts, wie die Fachzeitschrift "fvw" berichtet. Mecklenburg-Vorpommern folgt hier mit 29,8 Millionen Nächten erst auf Platz sechs - noch hinter Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Berlin. Bei diesen Zahlen sind jedoch auch die Übernachtungen ausländischer Gäste in Deutschland sowie Kurztrips berücksichtigt.

Türkei kommt wieder, Griechenland und Kreuzfahrten boomen

Die Länder am Mittelmeer bleiben die beliebtesten Sommerziele der Deutschen im Ausland. Laut der FUR-Analyse lag Spanien 2017 mit 13,1 Prozent an der Spitze. Dahinter folgte Italien mit 8,3 Prozent. Die Türkei machte mit 5,7 Prozent einen Platz gut, überholte Österreich (5 Prozent) und lag deutlich vor Griechenland (3,9 Prozent).

Die Reiseveranstalter beobachten dies nun auch wieder für den Sommer 2018. "Die Nachfrage nach Spanien ist ungebrochen", heißt es bei Tui Deutschland. Griechenland knüpfe mit zweistelligen Buchungszuwächsen an das gute Vorjahr an. Und die Türkei komme "mit aller Kraft" zurück. Auch bei den Marken von Thomas Cook stellt sich die Lage so dar: Spanien vor Griechenland und Türkei. FTI spricht davon, dass vor allem Familien im großen Stil in die Türkei zurückkehrten - und "Griechenland boomt geradezu", sagt Geschäftsführer Ralph Schiller.

Auch DER Touristik beobachtet eine Verschiebung vom westlichen ins östliche Mittelmeer. Vor allem die Nachfrage nach Spanien normalisiere sich, heißt es. Alltours beobachtet in Spanien ebenfalls eine "zurückhaltende Buchungsentwicklung". Vor allem Mallorca und die Kanarischen Inseln hätten das Niveau von 2017 noch nicht wieder erreicht. Türkei und Griechenland legten dagegen kräftig zu.

Und noch ein Segment wächst kräftig: So viele Deutsche wie noch nie haben 2017 Kreuzfahrten unternommen: 2,19 Millionen Passagiere aus Deutschland zählten die Reedereien. Das war ein Wachstum von 8,4 Prozent, wie der Kreuzfahrtverband Clia und der Deutsche Reiseverband auf der ITB mitteilten.

Von: dpa
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