Die Born-Ansage (66) ( Gastautor werden )

Die Paraderolle des Iren

17.08.2017 - 12:00 0 Kommentare

Die Air-Berlin-Insolvenz demaskiert Ryanair-Chef Michael O’Leary – erneut. Der Ire jankt mal wieder rum, wie ungerecht die Welt ist. Aber hey, wollen wir wirklich einen solchen Wettbewerber im Markt?

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Großes Lob an die fleißigen Leute im Ministerium! Ohne deren Wochenendschichten wären die Auswirkungen der Air-Berlin-Insolvenz zum jetzigen Zeitpunkt für Beschäftigte und Kunden katastrophal gewesen.

Jetzt kann man durchaus über verschiedene Aspekte des Millionenkredits vom Bund diskutieren, insbesondere wenn nach einer jetzt erfolgenden Aufteilung von Air Berlin Lufthansa der Löwenanteil zufallen sollte. Was mich dabei aber ungemein aufregt: dass ausgerechnet Ryanair-Hampelmann Michael O’Leary wegen unerlaubter Subvention lärmt und auch die Wettbewerbshüter aufzuschrecken ersucht.

Ryanair-Chef Michael O'Leary. Foto: © EPA, Olivier Hoslet

Wenn dieser Kerl doch wenigstens einmal bei einem Thema seine Klappe halten würde ... Ich will jetzt nicht im Einzelnen auflisten, bei welchen Flughäfen es immer wieder Diskussionen über die Berechtigung von Subventionen an Ryanair gegeben hat.

Internet-Verkauf, Personalkosten, ...

Das zweite was mich ärgert, wenn jetzt auch das Thema Marktwirtschaft (der Markt regelt alles von allein) angesprochen wird. Eine fair funktionierende Marktwirtschaft setzt voraus, dass auch alle Marktteilnehmer sich fair verhalten. Wenn dann der Erfolg von Ryanair als tolles Beispiel herangeführt wird, ist dies genau das Gegenteil. Sein Verkauf über das Internet war von Anfang an grenzwertig und wurde mehrfach zu recht von Verbraucherschützern moniert. Noch schlimmer finde ich die Art, wie er seine Personalkosten senkt. Piloten als Selbständige, soll das zum Modell auch für deutsche Beschäftigte werden?

Recherchen von WDR, NDR und Süddeutsche haben aufgezeigt, wie schwer sich die Staatsanwaltschaft tut, zu einer Anklage zu kommen, weil immer kurz bevor es gerichtsfest ist, Ryanair sein System ändert (nur formal, nicht inhaltlich) und das ganze Verfahren dann wieder von vorn beginnt. Marktteilnehmer die günstige Preise nur zu Lasten ihrer Mitarbeiter bieten können, haben für mich keine Existenzberechtigung.

Gegen Ryanair kommt keiner an

Denn dann kämpfen auch die Flug-Gewerkschaften gegen Windmühlen, wenn sie sich den immer härteren Forderungen der deutschen Fluggesellschaften erwehren wollen. Der Kampf, sich gegen Preise von Ryanair zu wehren, kann nicht erfolgreich sein, sollte es nicht gelingen, den Umgang von Ryanair mit seinen Mitarbeitern in vernünftige Schranken zu lenken.

Dabei ist mir piep egal, wenn potenziellen Flugkunden jetzt schreiben, Hauptsache billig, egal wie. Es sind wahrscheinlich die gleichen, die an der Lebensmitteltheke der Supermärkte jeden Lebensmittelpreis für akzeptabel halten und sich anschließend über Lebensmittelskandale aufregen. Auch das oft vorgebrachte Argument, es muss kein Pilot für Ryanair fliegen, halte ich eher für zynisch.

Aber er ist nicht Opfer!

Im Zusammenhang mit dem Niedergang der Air Berlin, könnte man auch über deren Managementfehler der Vergangenheit, über die Auswirkungen des BER-Skandales, über die deutsche Luftverkehrssteuer und und und. schreiben. Das ist an anderer Stelle von anderen bereits gemacht worden.

Ich will mich heute nur darüber aufregen, dass O’Leary immer gleich den armen Verfolgten spielt, dem Unrecht geschieht. Dabei ist er in den meisten Fällen nicht Opfer, sondern Anstifter.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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