Interview

"Die Marke Lauda Motion bleibt erhalten"

01.06.2018 - 17:53 0 Kommentare

Lauda Motion-Vize Andreas Gruber spricht im Interview mit airliners.de anlässlich der großen Expansion der Airline über weitere Planungen, seinen Chef und den Verkauf an Ryanair.

Andreas Gruber:

Andreas Gruber: "In drei Jahren wollen wir Gewinne einfliegen." © Lauda Motion, Montage: airliners.de

Wenn am Freitagmorgen um kurz vor fünf die ersten Maschinen von Lauda Motion in Frankfurt abheben, wird sich der Marktanteil der Niki-Nachfolge-Airline in Deutschland beinahe innerhalb eines Tages verdreifachen. Denn der Wet-Lease für Eurowings endet - die Flugzeuge können in den eigenen Liniendienst eintreten - und gleichzeitig heben zehn Maschinen von Ryanair unter "OE"-Flugcode ab. Wir erreichen Airline-Vize Andreas Gruber kurz vor der Expansion telefonisch in Wien. Er ist im Stress - denn für Lauda Motion steht Phase zwei des Starts an.

airliners.de: Herr Gruber, mit dem Start des Ryanair-Wet-Leases beginnt für Lauda Motion ein neues Kapitel …
Andreas Gruber:
Genau, ein ganz wichtiger Tag für Lauda Motion. Immerhin starten wir heute unser vollständiges Programm unter "OE"-Flugcode. Wir erwarten allein in unserem ersten Sommer 2,3 Millionen Fluggäste, dafür sind wir mit 19 Maschinen in neun Ländern unterwegs, und zehn dieser Flugzeuge kommen von Ryanair.

Apropos Ryanair - wie sieht die Zusammenarbeit jetzt im Sommer aus?
Durch den notwendigen Richtungswechsel aufgrund des Endes der Condor-Zusammenarbeit mussten wir auch unseren Inventory-Provider ändern. Das heißt, wir verkaufen seit Mitte April unsere Flüge über das Buchungssystem der Ryanair. Auch unsere Homepage musste auf den Ryanair-Server wechseln. Diese ist sicherlich noch nicht optimal, wird aber gerade mit Hochdruck überarbeitet.

Sind die ganzen Probleme nicht eher hausgemacht, weil die Zusammenarbeit mit Condor doch schon fast als Reflex auf die Ryanair-Partnerschaft gekündigt wurde?
Die Zusammenarbeit mit Condor war wirklich top, da sind wir auch sehr dankbar, dass das direkt von Anfang an so reibungslos funktioniert hat. Aber es war notwendig, einen Richtungswechsel einzuschlagen, weil wir eben auch zusätzliche Flugzeuge bekommen mussten, um dieses umfangreiche Sommerprogramm anbieten zu können.

Auch dass der Wet-Lease mit Eurowings nun endet, passt ins Bild?
Natürlich. Das war ja von Anfang an so geplant. Über den Wet-Lease sind wir am Anfang gut in die Luft gekommen, aber jetzt im Sommer wollen wir voll durchstarten und eigene Flüge anbieten. Denn wir sind ja nicht als Wet-Lease-Provider angetreten, sondern eine Airline, die unter eigenem Code operiert.

Muss Ryanair die nächsten Jahre auch noch Starthilfe geben?
Dass sie dies tun muss und auch tut, ist ja am Anfang ganz klar. Aber in drei Jahren wollen wir Gewinne einfliegen.

Zum Interview-Partner

Der Manager: Andreas Gruber ist neben Niki Lauda Managing Director von Lauda Motion. Während des Studiums (Tourismusmanagement) arbeitete er am Flughafen Wien. Danach war er unter anderem bei Niki und ab 2012 bei Air Berlin tätig. Ein Jahr später ging er erneut als Verantwortlicher für die Netzplanung zurück zum österreichischen Ferienflieger.

Die Airline: Lauda Motion ist der um die ehemalige Air-Berlin-Tochter Niki ergänzter Ferienflieger von Gründer Niki Lauda. Nach dem Start Ende März kündigte Lauda an, seine Airline mehrheitlich an Ryanair verkaufen zu wollen. Den großen Ausbau Anfang Juni unterstützen die Iren daher auch mit zehn Maschinen im Wet-Lease.

Märkte von Lauda Motion
Angaben in Prozent
Spanien 42.5
Deutschland 36.6
Schweiz 7.6
Österreich 5.6
Übrige Länder 7.7

Die Grafik zeigt die nach angebotenen Sitzplatzkapazitäten wichtigsten Märkte von Lauda Motion im aktuellen Sommerflugplan zwischen Juni und Oktober 2018. "Übrige Länder" sind jene mit jeweils weniger als fünf Prozent Anteil, Quelle: ch-Aviation

Und dann verschwindet Lauda Motion im mächtigen Ryanair-Konzern?
Nein, die Marke wird auch zukünftig in der Ryanair-Gruppe erhalten bleiben. Für Mitte Juli erwarten wir die Freigabe der EU-Kommission, dass Ryanair den Anteil von 24,9 auf 75 Prozent aufstocken darf.

Wenn Sie dafür jetzt fünf Sätze Werbung bei Ryanair-Chef Michael O'Leary machen könnten: Wodurch zeichnet sich Lauda Motion aus - warum muss die Marke überleben?
Hier haben Michael O'Leary, Niki Lauda und ich bereits dasselbe Verständnis. Wir bieten auf alle Fälle ein perfektes Preisleistungsverhältnis und punkten mit gewissen Extras. Beispielsweise mit der österreichischen Gastlichkeit, mit diesem Charme, den Niki in der Vergangenheit ausgemacht hat. Das ergänzt sich bei uns mit einem attraktiven Streckennetz. Wir bringen die Leute im Sommer zu attraktiven Sonnenzielen und im Winter in aufregende Metropolen.

Stopp - das waren fünf. Ich höre da heraus, dass auch ab Deutschland im Winter der für Österreich bereits angekündigte City Shuttle kommt?
Das werden wir zu gegebener Zeit bekannt geben.

Wann?
Übernächste Woche.

Sie als ehemaliger Air Berliner: Ist es so klug, das Konzept, mit dem jene Airline gescheitert ist, zu übernehmen?
Sie kennen aber auch die Thematik. Wenn ich im Sommer nur Touristik fliege und im Winter die Maschinen nur parke, kann das auf Dauer nicht gut gehen. Wir sind überzeugt, dass wir da einen guten Mix haben.

© AustrianAviation.net, Lesen Sie auch: Lauda Motion treibt Flottenausbau voran

Kommt dann bald Berlin-Wien?
Aufgrund der limitierten Anzahl an Flugzeugen die wir im Moment zu Verfügung haben, werden wir diese Strecke vorerst nicht bedienen. In der Zukunft ist diese Strecke aber natürlich auch mehr als interessant für uns.

Auf der Strecke haben Sie viel Konkurrenz. Jemand, der den Wettbewerb nicht scheut, ist Niki Lauda. Er hat wahrlich um seine Airline gekämpft, bis er sie wieder kaufen durfte. Was ist er für ein Mensch?
Er hat einen enormen Willen. Ich kenne ihn ja schon länger, weil ich lange Zeit bei Air Berlin und Niki vorher war, aber es beeindruckt mich immer noch, wie entschlossen er die Dinge anpackt.

Paderborn-Lippstadt Airport, Lesen Sie auch: Lauda Motion startet vollständiges Flugprogramm Bildergalerie

Ähnlich entschlossen war er, einen Kollektivvertrag für die Mitarbeiter auszuhandeln …
Da hält er auch nach wie vor Wort. Wir sind in guten Gesprächen mit der GPA und den neuen Vertretern des Betriebsrats. Wahrscheinlich können wir sehr bald die Unterschrift unter ein fertiges Tarifwerk setzen.

"Sehr bald" heißt - die Urlaubszeit dazugerechnet -, dass der Vertrag nach dem Sommer steht?
Das auf alle Fälle. Wir stehen wirklich kurz vor einem Abschluss.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Gruber.

Von: cs
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