Die Luftfahrtlobby braucht glaubwürdige Horrorszenarien

15.02.2016 - 15:53 0 Kommentare

Trotz Luftverkehrssteuer brummt der Luftverkehr in Deutschland. Das gefällt nicht jedem. Um zu überzeugen, muss die Branche argumentativ umsatteln, meint airliners.de-Herausgeber David Haße. Ein Gedankenflug.

Achtung Flugzeuge: Wenn die Branche nicht aufpasst, verliert sie den Anschluss. - © © dpa - Friso Gentsch

Achtung Flugzeuge: Wenn die Branche nicht aufpasst, verliert sie den Anschluss. © dpa /Friso Gentsch

Liebe Leserinnen und Leser!
Nachrichten aus der deutschen Luftverkehrsbranche bestimmen bei airliners.de das Tagesgeschäft. Doch abseits der harten News machen wir uns auch Gedanken über das nicht so Offensichtliche. Mit unseren "Gedankenflügen" wollen wir Sie daran teilhaben lassen und hoffen, die eine oder andere Anregung geben zu können.
Ihre airliners.de-Redaktion

Wer überzeugend kommunizieren will, braucht nur eine einigermaßen glaubwürdige Geschichte, die noch dazu einfach zu verstehen ist. In Sachen Flugverkehr geht das aus der Sicht der Umweltaktivisten beispielsweise so:

"Das Flugzeug ist ein lärmender Klimaschädling und gehört bekämpft. Die Bahn fährt schließlich fast genauso schnell mit Strom, der kommt von Windrädern und so ist alles ökologisch-gut."

Egal ob Umweltaktivisten oder Wirtschaftslobbyisten: Die hervorgebrachten Behauptungen müssen einfach genug sein, um ohne großes Nachdenken zu überzeugen. Aufgebaute "Horrorszenarien" sollten dabei unspezifisch genug sein, um nicht allzu schnell überprüfbar zu werden.

Zu spezifisch, zu kompliziert und vollkommen unnötig

Die Luftfahrtbranche hat damit ihre leidlichen Erfahrungen. Als vor fünf Jahren die Luftverkehrssteuer eingeführt werden sollte, gab es den folgenden Grundtenor der Luftfahrt-Lobby: "Die Steuer wird Deutschland schaden, weil sie Wachstum verhindert."

Dass allerdings war wohl zu einfach, um wahr zu sein: Schaut man sich die Passagierzahlen an deutschen Flughäfen an, geht es der Branche insgesamt besser als vor der Steuer. Und dennoch hält die Luftfahrt-Lobby an der Verkehrssteuer-Melancholie fest. Dabei hat diese Argumentation schon genug Glaubwürdigkeit gekostet.

Wenn die Branche nicht aufpasst, wird das auch in Zukunft nicht besser: Neidische Vergleiche mit den Boom-Regionen der Welt nach dem Motto "hätte, hätte, Fahrradkette" sind ohnehin viel zu kompliziert.

Außerdem ist eine Wachstumsneid-Argumentation gar nicht notwendig. Der Luftverkehrsmarkt in Deutschland wächst schließlich, und das auf hohem Niveau: Trotz ausgedehnter Streiks zuletzt um fast vier Prozent. Im vergangenen Jahr gab es 216 Millionen Passagiere, schon 2030 sollen es fast ein Drittel mehr sein.

Eine realistische Gefahr für Deutschland

Ein Drittel mehr Passagiere? Ja, sie haben richtig gelesen: Selbst bei einem Mini-Wachstum müssen deutsche Flughäfen schon in 15 Jahren rund 140 Millionen zusätzliche Passagiere jährlich abfertigen! Die Prognose ist übrigens nicht von mir sondern vom DLR. Dabei gehen die Forscher von gerade einmal etwas über drei Prozent Wachstum pro Jahr aus.

"Es ist schon fast ein Glück", könnte die Branche vor diesem Hintergrund argumentieren, dass es hierzulande keine asiatischen oder arabischen Wachstumsverhältnisse gibt: "Deutschland ist drauf und dran, nicht mal ein Miniwachstum bedienen zu können!" Und dann geht die Abkopplung vom Weltmarkt tatsächlich schneller als man gucken kann.

Damit hat die Branche ihr Horrorszenario: Schon werden Diskussionen um Ausbaustopps und Nachtflugverbote zu einer echten Gefahr für den Wohlstand. Das ist realistisch, glaubhaft und darüber hinaus noch einfach für eine breite Masse zu verstehen. Vielleicht sogar für die Mehrheit der Wähler von Leuten wie Horst Seehofer. Und darauf kommt es schlussendlich an.

In diesem Sinne schließe ich meinen "Gedankenflug" mit einer Abwandlung einer viel zitierten Indianerweisheit, die in Sachen Horrorszenario schon der Umweltbewegung geholfen hat: "Erst wenn das letzte Nachtflugverbot durchgesetzt, die letzte Fluggesellschaft am Boden, der letzte Landebahn geschlossen ist, werdet Ihr merken, dass man von Ruhe allein nicht leben kann."

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
Interessant? Beitrag weiterempfehlen:

Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Nachrichtennewsletter.

Anzeige schalten »
Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten

Mehr Stellenangebote » Mehr Luftfahrt-Trainings »
Anzeige schalten »