Luftfahrtbranche blickt mit Spannung auf die Paris Air Show

14.06.2019 - 16:05 0 Kommentare

In der kommenden Woche trifft sich die internationale Luftfahrtbranche zur Paris Air Show. Die aktuellen Probleme bei Boeing und Spekulationen rund um Neuigkeiten und Übernahmen sorgen für so viel Spannung wie selten.

Flugzeuge auf der Paris Air Show 2017.

Flugzeuge auf der Paris Air Show 2017.
© dpa

Paris Air Show 2017

Paris Air Show 2017
© SIAE 2017 - Anthony Guerra & Alex Marc

Paris Air Show 2017

Paris Air Show 2017
© SIAE 2017 - Anthony Guerra & Alex Marc

Paris Air Show 2017

Paris Air Show 2017
© SIAE 2017 - Anthony Guerra & Alex Marc

Paris Air Show 2017

Paris Air Show 2017
© SIAE 2017 - Anthony Guerra & Alex Marc

Besucher auf der Paris Air Show 2017

Besucher auf der Paris Air Show 2017
© dpa - Michel Euler

Die Paris Air Show findet in Le Bourget bei Paris statt.

Die Paris Air Show findet in Le Bourget bei Paris statt.
© SIAE 2015 - A. Daste

Die Paris Air Show findet alle zwei Jahre in Le Bourget statt.

Die Paris Air Show findet alle zwei Jahre in Le Bourget statt.
© Sunlight Image - Verrier

Eine A400M steht auf der Luftfahrtmesse Le Bourget.

Eine A400M steht auf der Luftfahrtmesse Le Bourget.
© AirTeamImages.com - Anthony Guerra

Kommende Woche ist es wieder so weit: Die internationale Luftfahrtindustrie trifft sich vom 17. bis 23. Juni auf der 53. Luftfahrtausstellung in Le Bourget bei Paris. Nach Angaben des Ausrichters ist die Paris Air Show mit 150 Flugzeugen, 2400 Ausstellern und 350.000 erwarteten Besuchern das größte Luftfahrtevent der Welt.

Das Hauptaugenmerk wird auch in diesem Jahr wieder auf Airbus und Boeing liegen, denn die Paris Air Show wird traditionell dafür genutzt, zahlreiche Neubestellungen zu verkünden. Davon kann angesichts der in diesem Jahr bislang sehr überschaubaren Bestellungen auch wieder ausgegangen werden, wenn auch auf einem vermutlich geringeren Niveau als zuletzt.

Für dieses Jahr weist Airbus in der eigenen Statistik bisher nur 68 Bestellung aus. Rechnet man Stornierungen dagegen, steht unter dem Strich sogar ein Minus von 57 Maschinen. Boeing kommt auf insgesamt 99 tatsächlich neu bestellte Flugzeuge. Berücksichtigt man hier auch Stornierungen und eine kürzlich erfolgte Anpassung der Buchhaltungsstandards, so bleibt als Nettozahl sogar ein Minus von 125 Maschinen in der Statistik. Beide Hersteller haben also noch kräftig aufzuholen, um ihre Bestellbücher für dieses Jahr zu füllen.

Spekulationen um neue Max-Bestellungen

Bei der letzten Messeausgabe vor zwei Jahren verkündete Airbus gut 300 Bestellungen, Boeing schaffte sogar rund 600. Die Analysten der Luftfahrtberatungsfirma IBA gehen für alle Hersteller zusammen allerdings in diesem Jahr insgesamt nur von 450 Bestellungen aus, das wären etwa halb so viele wie 2017. Für Airbus erwarten die Experten etwa 300 Bestellungen, für Boeing angesichts der momentanen Krise nur etwa 50, keine davon für die 737 Max.

Andere Branchenbeobachter sehen aber durchaus Chancen für Max-Bestellungen. Große 737-Betreiber wie Ryanair oder Southwest könnten gute Preise aushandeln, um im Gegenzug mit einer Bestellung des Krisenfliegers für gute PR für Boeing zu sorgen. Das Boeing-Management stapelt unterdessen in der Öffentlichkeit tief. Laut ATW Online wird Boeing nur einen bescheidenen Messeauftritt haben und auch keine großen Ankündigungen machen.

A321 XLR wird wohl kommen, 797 noch nicht

Dagegen stehen die Chancen wohl gut, dass Airbus den Startschuss für die A321 XLR geben wird. Die Analysten von IBA erwarten, dass es in Paris auch Bestellungen für den neuen Typ geben wird. Die XLR könnte die letzte Ausbaustufe des Single-Aisle-Programms bei Airbus werden, denn der Hersteller erwägt laut einem Bericht von "Bloomberg", bis 2035 ein komplett neues Schmalrumpfflugzeug aufzulegen. Dieses könnte mit einem Hybridantrieb ausgerüstet werden, sofern die entsprechende Technologie bis dahin ausgereift sei. Airbus berate momentan intern über das weitere Vorgehen.

US-Konkurrent Boeing wird sich indes mit dem offiziellen Launch der 797 wohl weiter zurückhalten. Nach Einschätzung der IBA-Analysten werde sich der Hersteller stattdessen auf die Details und das weitere Vorgehen für die Wiederzulassung der 737 Max konzentrieren. Gegenüber ATW-Online sagte auch der Chef von Boeing Commercial Airplanes, Kevin McAllister, dass die diesjährige Messe in keiner Weise typisch verlaufen werde. Es gehe nicht um Bestellungen, sondern darum, die 737 Max wieder sicher in Dienst zu stellen.

Bombardier vor Verkauf des CRJ-Programms

Jenseits der Großen gibt es auch etwas Bewegung. Der finanziell angeschlagene Hersteller Bombardier aus Kanada hat letztes Jahr praktisch den Ausstieg aus der Luftfahrt eingeleitet: Nachdem Airbus die Mehrheit an seinem Mittelstreckenjet-Programm C-Series übernommen hat wurde auch die Turboprop-Sparte mit der Dash-8-Reihe abgestoßen. Der neue Eigentümer De Havilland Aircraft wird in Paris mit der Dash 8-400 vor Ort sein. Auch die ehemalige Bombardier C-Series wird erwartet, natürlich aber als Airbus die A220.

Bombardier spricht unterdessen auch über den Verkauf seines CRJ-Programms. Dem Luftfahrtportal "Air Current" zufolge könnte ein Deal mit Mitsubishi schon in Le Bourget bekanntgegeben werden. Die Kanadier hätten dann kein kommerzielles Verkehrsflugzeug mehr in ihrem Portfolio.

Verträge zu deutsch-französischem Kampfjet sollen unterzeichnet werden

Neben zivilen Herstellern sind auch Produzenten von militärischem Gerät in Paris und ringen um die Gunst von Regierungen, die ihre Luftstreitkräfte mit neuen Kampfjets und anderem Fluggerät ausstatten wollen. Deutschland und Frankreich wollen zusammen mit Spanien binnen 20 Jahren eine neue Generation Kampfflugzeug auf den Weg bringen. Für das Luftkampfsystem der Zukunft (FCAS) sollen am Montag die Verträge unterzeichnet werden. Dazu werde Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ihre französische Amtskollegin Florence Parly in Le Bourget treffen, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin am Freitag mit.

Von politischer Seite werden aus Deutschland außerdem Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher und der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, vor Ort sein, um mit französischen Spitzenpolitikern über eine Vertiefung der deutsch-französischen Zusammenarbeit sprechen.

Die deutsche Industrie ist in diesem Jahr nach Angaben des Branchenverbands BDLI mit 144 Ausstellern nach Gastgeber Frankreich und den USA drittgrößte Ausstellernation auf der Luft- und Raumfahrtmesse. Aus Deutschland werden unter anderem Diehl Aviation, Liebherr Aerospace, MTU Aero Engines und Premium Aerotec dabei sein.

Flugzeuge vor Ort

Natürlich werden auf der Paris Air Show viele Flugzeuge zu sehen sein. Unter anderem sind A330 Neo, A350-1000 und A380 in der Flugvorführung. Der Airbus A400M wird außerdem von der französischen Luftwaffe am Himmel gezeigt. Boeing hat für das sogenannte Flying Display eine 787-9 in der Bemalung von Air Tahiti Nui dabei.

Der brasilianische Hersteller Embraer wird mit der E-195-E2 die zweite Generation seines Kurz- und Mittelstreckenjets vorführen. Auf Seiten der Business Jets werden unter anderem die Dassault Falcon 8X und die neue Embraer Praetor 600 am Himmel zu sehen sein. Darüber hinaus gibt es historisches Fluggerät wie Spitfire oder Corsair im Flying Display.

Auf besonderes Interesse in Static Display dürfte Boeings PAV (Passenger Air Vehicle) stoßen. Das elektrisch angetriebene Fluggerät war im Januar erstmals abgehoben und soll voll autonom fliegen.

Ein weiteres Highlight der Industrie bringt GE Aviation mit nach Frankreich. Das größte Flugzeugtriebwerk der Welt, das GE9X, wird in Paris ausgestellt sein. Es soll ab nächstem Jahr die Boeing 777X antreiben. Die Maschine selbst ist zur Messe allerdings nicht angekündigt, ihr Erstflug wird sich wohl weiter verzögern.

© AirTeamImages.com, Lesen Sie auch: Viel Interesse an zusätzlicher Reichweite für den Airbus A321 Neo

Von: hr
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